Mit Hakenkreuzen und Fliegerbombern

Nazi-Brettspiel in Ausstellung sorgt für Empörung

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Als Spielfiguren dienen Fliegerbomber: Das Brettspiel trägt den Titel „Wir fahren gegen Engeland“.

Haar - Hakenkreuze auf einem Brettspiel, Fliegerbomber als Spielfiguren. Was zur Zeit des Dritten Reichs als Unterhaltung verstanden wurde, sorgte jetzt bei einer Ausstellung im Rathaus Haar für blankes Entsetzen.

Unter dem Titel Mobilität im Wandel der Zeit zeigt das Spiele-Archiv aktuell diverse Spiele aus verschiedenen Jahrzehnten. Wie der Münchner Merkur berichtet, sind in einer der zwölf Vitrinen auch drei Kriegsspiele ausgestellt. Neben einem Spiel aus dem Ersten Weltkrieg mit dem Namen „Auf in die Minenfelder“ ist auch ein Brettspiel von 1940 zu sehen: „Wir fahren gegen Engeland“. Als Spielfiguren dienen Fliegerbomber, auf dem Feld des Deutschen Reichs prangt eine Hakenkreuzfahne. Unerhört, fanden einige Besucher, die Spiele-Archiv-Chef Tom Werneck als „besorgte Bürger“ bezeichnet. Sie beschwerten sich in der Gemeinde über die „Rechtslastigkeit der Ausstellung“. In der Verwaltung reagierte man sofort. Das umstrittene Ausstellungsstück wurde abgedeckt.

Tom Werneck kann die ganze Panik nicht verstehen. Das Spiel verherrliche nichts, im Gegenteil. „Es entlarvt die Naziherrschaft und ihren Fremdenhass.“ Diesen Teil der Zeitgeschichte lieber hinter verschlossenen Türen zu lassen, hält der Archivleiter für den falschen Weg: „Die Augen vor der Vergangenheit zu verschließen, macht nicht wachsam, sondern blind.“

Verbannen will Werneck das Spiel nicht aus der Ausstellung. Zwar ist es zur Zeit abgedeckt. Unverhüllt soll es aber am Samstag anlässlich des Tags der Archive zu sehen sein.

Patricia Kania

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