Auch für Sprengstoff-Suche

Neue Körperscanner gehen am Flughafen München in Betrieb

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Am Flughafen Stuttgart ist der neue Körperscanner vom Typ QPS200 schon im Einsatz. Passagiere müssen leicht ihre Beine spreizen, dann wird gescannt.

München - Am Flughafen München werden die Passagiere künftig auf neue Art und Weise durchleuchtet. 20 Körperscanner sollen die Fluggäste auch auf etwaige Explosivmittel untersuchen.

Seit über einem Jahr rebellieren die Beschäftigten der Sicherheitsgesellschaft München (SGM), die die Personenkontrollen am Flughafen München vornimmt: Sie klagen über unangenehme Ausdünstungen der Sprengstoff-Suchgeräte. Hautrötungen, Schwellungen, Asthma, Atemnot – solche Symptome sorgen für Unsicherheit. Der Einsatz neuer Körperscanner, auch Bodyscanner genannt, könnte jetzt teilweise für Abhilfe sorgen.

Noch im Dezember werde das erste Gerät des Typs QPS200 des Münchner Elektronikhersteller Rohde & Schwarz aufgestellt, bestätigte das bayerische Verkehrsministerium unserer Zeitung. Bekannt geworden war der geplante Einsatz durch einen Aushang der SGM am Flughafen. Dort hatte die Geschäftsleitung über eine Besprechung von Ministerium, Luftamt Südbayern, Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi zum Thema „Sprengstoff-Suchgeräte“ berichtet. Ergebnis: „Bis Ende 2017 werden insgesamt 20 Bodyscanner beschafft. Diese sollen an den am stärksten frequentierten Kontrollschleusen aufgestellt werden, so dass an diesen Stellen dann die ETD-Prüfung bei der Personenkontrolle entfällt.“ ETD steht für „Explosive Trace Detector“, also die Suche nach Spuren von Sprengstoff bei Passagieren.

Probleme mit „Sniffer“ und „Itemiser“

Die Probleme mit den Sprengstoff-Suchgeräten des Typs „Sniffer“ und „Itemiser“ sind jedoch nicht der alleinige Grund für den Kauf der neuen Körperscanner. Vielmehr will der Flughafen durch die Scanner die Personenkontrolle beschleunigen.

Die Geräte unterscheiden sich deutlich von älteren Scannern, wie sie auch am Flughafen in Gebrauch sind. Der Fluggast stellt sich zwischen zwei gegenüberliegende Wände vor ein Symbolbild. Im Gegensatz zu früher muss er die Arme nicht wie ein vermeintlich Krimineller über den Kopf heben. In 16 Millisekunden wird er dann auf Waffen und Sprengstoff durchleuchtet. Die verwendeten Sendeleistungen seien „gesundheitlich unbedenklich“, versichert Rohde & Schwarz. „Sie liegen um das hundert- bis tausendfache unter der eines Mobiltelefons.“ Meldet der Scanner einen Alarm, wird der Bereich am Körper an einer symbolischen Personengrafik (Avatar) markiert – dann wird per Hand nachkontrolliert. Auch der Intimbereich wird geschont, es handelt sich also nicht etwa um einen Nacktscanner. „Gleichzeitig wahrt die neutrale grafische Anzeige die Privatsphäre bei der Kontrolle.“ Dauerhaft gespeichert werde nichts. Trotzdem wird die Kontrolle der Passagiere freiwillig sein – wer nicht gescannt werden will, der muss eben eine langsamere manuelle Kontrolle über sich ergehenlassen.

Stückpreis soll bei 200.000 Euro liegen

Für Rohde & Schwarz sind die Körperscanner – Stückpreis laut „Spiegel-online“ 200.000 Euro, plus Wartung und Schulung – ein gutes Geschäft. Im August hatte das Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums mit dem der Elektronikhersteller einen Rahmenvertrag über den Kauf von 300 Stück unterzeichnet. Falls sich das Gerät bewährt und beispielsweise nicht wie Alt-Scanner selbst bei Schweißflecken anschlägt, könnten andere europäische Flughäfen auch zugreifen. Rohde & Schwarz hofft auch auf den Einsatz bei Ministerien oder Gerichten – überall dort, wo es Sicherheitsschleusen gibt.

Aus dem „Pool“ an Scannern, der bundesweit verteilt wird, erhält der Flughafen München 20 Stück für die Terminals 1 und 2 – bis auf das eine Vorab-Exemplar alle im Lauf des nächsten Jahres. Erste Geräte waren am Flughafen Hannover getestet worden, am Stuttgarter Airport sind die ersten drei Körperscanner seit vergangener Woche im Einsatz.

Die bereits beschafften Sprengstoff-Suchgeräte bleiben im Übrigen an Ort und Stelle. Die SGM sieht sie als unbedenklich an. Eine Anzeige von Beschäftigten wegen fahrlässiger Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft Landshut verlief im Sande.

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