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So geht es den Flüchtlingen auf Peter Maffays Gut Dietlhofen

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Peter Maffay mit den Flüchtlingen auf Gut Dietlhofen.

Weilheim - Auf Gut Dietlhofen bei Weilheim bietet Peter Maffay Flüchtlingen eine Heimat. Die tz besuchte den Rockstar und sprach mit ihm über das Projekt, die Reaktionen der Nachbarn und seine Vergangenheit.

Mein Name ist Peter, und ich bin in Transsylvanien geboren und 1963 nach Deutschland gekommen.“ Peter Maffay (66) spricht langsam, damit der Dolmetscher übersetzen kann. Vier afghanische Familien sitzen mit dem Rockstar in der Stube auf Gut Dietlhofen. Nach teils jahrelanger Flucht haben sie endlich einmal Glück: Sie landeten auf einem Gut am See bei Weilheim – und nicht in einer Massenunterkunft mit Stacheldrahtzaun.

Seit Dezember sind die 18 Flüchtlinge in Bayern, bald werden es wohl 20. Zwei Frauen erwarten ein Baby. Ihre Wohnräume sollen 2017 von der Tabaluga-Stiftung für Kinder aus schwierigen Verhältnissen zur Verfügung gestellt werden. Die Zwischenzeit wollte Maffay nutzen – und jetzt überlegt er sogar, auch nach Einzug der Kinder Flüchtlinge aufzunehmen (siehe Interview unten). „Es muss aber erst geprüft werden, ob das machbar ist.“

Die Flüchtlinge haben sich gut eingelebt und sprechen auch schon ein bisserl Deutsch. Ariane Tabery ist eine der ehrenamtlichen Lehrerinnen, die zum Unterricht nach Gut Dietlhofen kommen. „Wir bringen ihnen Satzkonstruktionen bei, mit denen sie sich schnell zurechtfinden können. Wenn sie in einen Raum kommen und gleich deutlich ,Grüß Gott‘ sagen, dann werden sie gleich ganz anders wahrgenommen.“

Am schnellsten lernen natürlich die Jüngeren. Ramasa Josefis beide Töchter verstehen das meiste, das sie auf Deutsch hören. Der Landwirt aus dem Norden Afghanistans wünscht sich wie viele Flüchtlinge vor allem Arbeit. Die Untätigkeit zermürbt.

Flüchtlinge auf Dietlhofen haben Schreckliches erlebt

Möglicherweise gibt es auch Arbeit auf Gut Dietlhofen. Die Landwirtschaft betreiben hier Thomas und Carola Partheymüller, die eigene Produkte im Hofladen anbieten, darunter Bisonfleisch aus eigener Züchtung.

„So lange auf der ganzen Welt politische Fehlentscheidungen getroffen werden, wird es Kriege und Flüchtlinge geben“, weiß Maffay. Respekt und Toleranz sind die Mittel für Frieden.

Die Flüchtlinge auf Dietlhofen haben Schreckliches erlebt. Auspeitschungen, Steinigungen aus den nichtigsten Gründen vonseiten der Taliban. Während die Männer sprechen, brechen einige der Frauen immer wieder in Tränen aus. Einige, die mit ihnen geflohen sind, sind unterwegs gestorben.

Wie es für die Flüchtlinge in Dietlhofen weitergeht? Das steht noch nicht fest, aber jetzt sind sie erst mal in Sicherheit. „Und wenn’s Fragen gibt“, sagt Maffay, „ich wohne zehn Minuten von hier.“

Interview mit Peter Maffay: Das sagt der Rockstar

Herr Maffay, wollen Sie das Projekt eventuell fortführen? 

Peter Maffay: Absolut. Man muss natürlich sehen, wie gut die enge Nachbarschaft funktioniert mit den Zielsetzungen für unsere Kinder. Da muss man sehr sensibel sein. Aber Platz wäre da.

Was sind Ihre Eindrücke?

Maffay: Ich bin zum zweiten Mal hier, und der Fortschritt ist riesig. Vor allem die Jüngeren sprechen die ersten Brocken Deutsch, die ersten Hürden werden genommen.

Wie sind die Reaktionen in der Nachbarschaft?

Maffay: Positiv. Wenn es negative gegeben hat, dann haben wir sie zumindest nie gehört. Das ist ja leider meistens so. Wir werden natürlich trotzdem wach sein.

Andere Prominente gründen Stiftungen und ziehen sich anschließend aus dem Operativen zurück. Führen Sie Ihre Stiftung quasi genauso wie Ihre Band?

Ein Idyll: Peter Maffay am Dietlhofer See. Die Flüchtlinge fühlen sich wohl auf seinem Gut .

Maffay: So ist es. Ich mache es, weil ich mir einbilde, dass wir in einem gewissen Umfang Möglichkeiten haben, die wir anbieten können. Am Anfang hat vielleicht ein schlechtes Gewissen eine Rolle gespielt. Das ist jetzt in den Hintergrund getreten.

Ist Ihr Lebenswerk zweigeteilt in Musik und Stiftung?

Maffay: Das wird immer mehr zu einer Einheit. Das Eine bedingt das Andere. Die Quintessenz ist: Wir versuchen berühmt zu werden, haben eine Plattform – und aus dieser Popularität ziehen wir die Möglichkeiten zur Vernetzung.

Kommt Ihre eigene Geschichte stärker hoch?

Maffay: Ich werde meine Vergangenheit nicht vergessen. Sie spielt im Hintergrund immer eine Rolle. Wenn ich jetzt diesen Leuten gegenübersitze, dann taucht meine Situation vor 40, 50 Jahren wieder auf. Wobei es bei uns schon ganz anders lief. Wir sind aus Bukarest mit dem Flugzeug gekommen. Meine Oma hat das Ticket bezahlt.

Wie groß ist eigentlich der Faktor Freude bei dem Projekt?

Maffay: Der ist immens. Allerdings geht die Freude auch immer einher mit Sorge: Ist das alles überhaupt zu schaffen? Aber wenn wieder der nächste Teil geschafft ist, dann ist es genial.

A. Seidemann

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