Bewährungsstrafe für den Täter

Zorneding: Pfarrer bedroht - Rentner (74) verurteilt

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Zornedings Ex-Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende. 

München - Ein dunkelhäutiger Pfarrer wurde so schwer beleidigt und bedroht, dass er sein Amt aufgab. Nun steht der Verantwortliche vor Gericht. 

Seine Welt sind die Worte. Jahrelang predigte Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende in der Gemeinde Zorneding. Aber vor Gericht fällt ihm das Sprechen schwer. „Ich hatte große Angst“, sagt er. „Manchmal habe ich Freunde gebeten, mich zu begleiten.“ Abends, auf dem Weg zum Gottesdienst. Denn selbst dort fühlte sich der dunkelhäutige Pfarrer nicht mehr sicher.

Per Brief wurde er schwer beleidigt und mit dem Tode bedroht – dahinter soll der Münchner Senior Gottfried T. (74) stecken. Er musste am Montagabend in Ebersberg vor Gericht. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Er muss die Verfahrenskosten tragen und eine Geldauflage von 600 Euro an den Verein gegen Rassismus "München ist bunt" bezahlen.

Der Fall hatte bis ins Ausland hinein für Aufsehen gesorgt, denn der 67-jährige Olivier Ndjimbi-Tshiende verließ aufgrund der Drohungen die Gemeinde. Am Montag wurde klar, warum: „Wir werden dich auslöschen, du schwarzes Schaf“, stand in einem Schreiben. Oder: „Wir schicken dich in die Hölle.“ Es waren üble Worte, etliche auch rassistisch, die den beliebten Pfarrer tief trafen. Und vor denen er sich schützen wollte. „Ich war bestürzt, dass ich so beschimpft werde“, sagte er vor Gericht.

Der Angeklagte bestreitet die Tat

Und Gottfried T.? Er meckerte über die Gutachter und leugnete, dass die Schreiben seine Schrift enthielten. Darauf wurden immerhin seine Fingerabdrücke gefunden. Auch das bestritt der Senior aber – angeblich seien die Nachweise gefälscht worden.

Ein Staatsschützer vermutete: „Es handelt sich um einen verbitterten, alten Mann, der versucht, seinen Frust loszuwerden“ Nur warum dieser ausgerechnet den Pfarrer traf: Das bleibt das Geheimnis von Gottfried T. Gegen ihn lief 2006 bereits ein Verfahren wegen Volksverhetzung. Im aktuellen Prozess droht ihm eine Haftstrafe. Auch, wenn seine Verteidigerin versuchte, die Vorfälle herunterzuspielen.

Für den Pfarrer waren sie bitterernst. Ihn erreichten fünf Drohbriefe, nur zwei sollen vom Angeklagten stammen. Gegen die übrigen Absender ermittelt die Staatsanwaltschaft noch. Sie sollen aus dem Gemeindegebiet in Zorneding kommen. Den Weggang ihres Pfarrers bedauern etliche Bürger – so wie Ingeborg Römer: „Wir fühlen uns wie Waisenkinder.“ Gottfried T. hält sie für „schwer gestört“.

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