Einrichtungen in Bad Tölz-Wolfratshausen im Vergleich

Sanitäter packt über die Zustände in Pflegeheimen aus

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Wie sieht es in Pflegeheimen in der Region aus? Das durchleuchtet die tz in der Pflegeserie.

München - Sanitäter sehen Pflegeheime von der Seite, die anderen oft verwehrt bleibt. Die tz sprach mit einem Münchner Rettungssanitäter (31) über seine Einblicke in den Pflege-Alltag:

"Wenn Sie wissen wollen, ob ein Heim gut oder schlecht ist, fragen Sie die Sanitäter“, rät der Münchner Pflege-Experte Claus Fussek, wenn er nach Tipps für gute Heime gefragt wird. „Denn der Sanitäter kommt oft nachts, unangemeldet und sieht alles ungeschönt.“ Die tz sprach mit einem Münchner Rettungssanitäter (31) über seine Einblicke in den Pflege-Alltag:

Was erleben Sie bei Ihren Einsätzen in Münchens Altenheimen?

Robert D.: Das Hauptproblem ist, dass zu wenig Personal da ist. Nachts ist oft eine Aushilfe allein für zwei Stationen zuständig – die weiß noch nicht einmal, wo die Unterlagen von den Patienten sind, für den der Notarzt gerufen wurde!

Wie steht es mit medizinischen Grundkenntnissen bei den Altenpflegern?

Robert D.: Grundsätzlich sind die Grundkenntnisse bei ausgebildeten Pflegekräften gut. Das Problem ist: Weil sie ständig rotieren, kennen die Pflegekräfte den Patienten oft nicht richtig. Dann können sie uns die bei einem Schlaganfall oder einer sturzbedingten Hirnblutung entscheidenden Informationen nicht geben, etwa, wie sich der Patient vor dem Sturz verhalten hat.

Werden Sie oft wegen Stürzen gerufen?

Robert D.: Stürze im Altenheim liegen häufig am Personalmangel, aber auch an schlechtem Sturz-Management. In manchen Heimen gibt es Kontakt-Matten, die bei einem Sturz ein Signal senden. Auch Bettgitter helfen – ich weiß, dass das als freiheitsentziehende Maßnahme umstritten ist. Aber bei manchen Patienten ist ein Bettgitter vernünftig.

Was sagen Sie zu dem Argument, mehr Personal wird die ohnehin schon gewaltigen Heimpreise noch mehr hochtreiben?

Robert D.: Ich kann in die Heim-Kalkulation nicht reinschauen. Aber angesichts der hohen Pflegeheimpreise kommt da schon ein Riesenbatzen Geld rein. Ich hatte mal eine alte Frau im Sheraton-Hotel mit dem Krankentransporter abgeholt, die hat mir erzählt: So lange das Geld reicht, werde sie in diesem Luxushotel wohnen, weil das Zimmer dort auch nicht teurer ist, sie das Essen aufs Zimmer bekommt – und im Haus sind zig Ärzte!

Wie groß ist das Problem mit Keimen in den Heimen?

Robert D.: Es gibt Vorzeige-Heime, da haben sie gut gekennzeichnete, isolierte Zimmer für einen Patienten mit MRSA-Keim, vor dem ein Wagen mit Einmal-Kitteln, Handschuhen und Mundschutz liegt. Aber für die meisten Heime ist es wegen des Personalmangels viel zu zeitaufwendig, wenn sich die Pfleger jedesmal, wenn sie dieses Zimmer betreten, umziehen würden.

Gibt es Heime, die die Pflege der Heimbewohner besser hinbekommen als andere?

Robert D.: Die Qualität ändert sich manchmal schnell. Es gibt Heime, zu denen wir sehr häufig fahren müssen, weil sie kein Personal haben. Letztes Jahr war es ganz schlimm, da mussten wir wegen irgendwelcher abenteuerlicher Stürze immer wieder in die gleichen Heime ausrücken. Aber offensichtlich haben diese speziellen Heime an dem Problem gearbeitet: Dieses Jahr ist es dort viel besser.

Was sind Indizien dafür, dass ein Heim gut ist?

Robert D.: Man merkt es schon am ersten Eindruck: Es gibt Heime, da sind ganz offensichtlich alle ruhiggestellt, aber es gibt auch Heime, wo was los ist, wo die Leute noch recht agil sind und sich frei bewegen. Auch der Geruch, wenn man reinkommt, sagt vieles: Es ist einfach ein Unterschied, ob es nach frischen Blumen oder immer nach Urin riecht.

Bad Tölz–Wolfratshausen: Daten & Zahlen über Pflegeheime – und in welchen Kategorien sie die Anforderungen erfüllen

Zum Vergrößern auf das Kästchen rechts oben klicken.

Die unten stehende Tabelle zeigt die wichtigsten Kategorien für eine gute Pflege: Schmerzversorgung, medizinische Versorgung, Nahrungsversorgung, Wundbehandlung und Inkontinenzhilfe. Wenn Pflegeheime hier Probleme haben, kann das ein Hinweis auf Mängel sein. Ein rotes Kästchen bedeutet, dass das jeweilige Heim bei der Bewertung durch den Pflege-TÜV in der jeweiligen Kategorie nicht die volle Punktzahl erreicht hat. Beispiel: Wenn „Wundbehandlung“ rot markiert ist, hat das entsprechende Heim nicht die volle Punktzahl erreicht.

Zudem ermöglicht die Tabelle einen Preisvergleich bei vollstationären Pflegeplätzen, aufgeteilt nach Pflegestufen. Wichtig: Die Preisangaben sind Durchschnittspreise ohne Investitionskosten und ohne Ausbildungs­abgabe, da die Investitionskosten nicht bei allen Heimen für alle Bewohner gleich sind. Der Stand der Preisangaben ist der 7. April 2016. Die Daten hat das Recherchezentrum correctiv.org zusammengetragen. Die Auswertung aller deutschen Pflegeheime findet sich unter www.correctiv.org/pflege. Mitte Juni erscheinen die correctiv-Recherchen in Buchform: Jeder pflegt allein (20 Euro), zu bestellen unter shop.correctiv.org.

Hier können Sie sich den Vergleich der Pflegeheime in Ebersberg ansehen.

Interview: Klaus Rimpel

Klaus Rimpel

Klaus Rimpel

E-Mail:Klaus.Rimpel@tz.de

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