Ampelmast fiel auf Jugendliche

Tödlicher Unfall in Silvesternacht - jetzt wurde der Raser verurteilt

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Wegen fahrlässiger Tötung verurteilt: Dominik B. muss hinter Gitter.

München - Zehn Monate nach dem tödlichen Unfall aus der Silvesternacht spricht die Richterin das Urteil über den jungen Raser. Für die Familie des Opfers ist das ein schwacher Trost.

Die trauernden Eltern von Viwi.

Mit leuchtenden Augen lacht die süße Viwi (†17) von einem Foto auf dem Handy. Ihre Eltern halten es in den Händen und weinen - nur Bilder sind von ihrer Tochter geblieben. In der Silvesternacht starb die Schülerin auf tragische Weise: Ein abgeknickter Ampelmast hatte sie in Unterföhring erschlagen, als Dominik B. (22) betrunken dagegen gefahren war. Ihm wurde am Dienstag am Amtsgericht der Prozess wegen fahrlässiger Tötung gemacht.

Es ist ein schwerer Gang für die Eltern. Mehr als zehn Monate ist Viwi tot - darüber kommt die Familie nicht hinweg. „Wir fühlen täglich den Schmerz und denken an unsere Tochter.“ Im Gerichtssaal weint sogar der Dolmetscher, als er übersetzt. „Sie war so ein fröhliches Mädchen und hatte viele Freunde. Zuhause war sie sehr tüchtig und half uns, wo sie konnte.“

Mit Freundinnen lief Viwi in der Silvesternacht um 5.26 Uhr die Münchner Straße entlang nach Hause. Dort hielt Dominik B. (22) an der Kreuzung zur Altmünchner Straße. Die Ampel zeigte Rot. Sie schaltete auf Grün, der Fahrer preschte mit Vollgas los - die Reifen drehten durch, dann brach das Heck des 3er-BMW aus. Das Auto krachte gegen die Ampel, die auf Viwi stürzte. Im Krankenhaus erlag sie ihren schweren Kopfverletzungen.

Angeklagter mit 1,6 Promille hinterm Steuer

Foto vom Unfallort.

Dominik B. sitzt verkrampft auf der Anklagebank, als die Details zum Tod der Schülerin besprochen werden. Sein Gesicht ist aschfahl, er faltet die Hände. „Ich kann mich an nichts mehr erinnern“, sagt er - und wiederholt diese Worte später noch etliche Male. Auch Dominik war an Silvester auf einer Party eingeladen. Als es Streit mit Freunden gab, wollte er aber nicht mehr übernachten - und setzte sich mit 1,6 Promille hinter das Steuer. „Ich möchte mich bei allen Angehörigen entschuldigen“, sagt er. In einem Brief hatte er vorher bereits geschrieben: „Sie haben verloren, was Sie geliebt haben - durch meine Dummheit. Könnte ich es doch nur ungeschehen machen!“

Für ihr Leben hatte Viwi große Pläne: „Sie träumte davon, in die USA zu gehen“, sagt die Mutter. „Zwei Wochen vor ihrem Tod hatte sie uns um Erlaubnis gefragt und sich so gefreut.“ Mode-Designerin wollte die hübsche Schülerin einmal werden. Doch die Trunkenheitsfahrt beendete ihr junges Leben.

Rechtsmediziner bescheinigt „völliges Versagen“

„Völliges Versagen“ am Steuer bescheinigte Rechtsmediziner Helmut Pankratz dem Todesraser. Staatsanwältin Jedke forderte drei Jahre Haft, Verteidiger Philip Frenzel plädierte dagegen auf Bewährung.

Am Ende hatte Richterin Lafleur aber wenig Mitleid mit Dominik B.: Sie sprach ihn schuldig der fahrlässigen Tötung und verurteilte ihn zu einem Jahr und neun Monaten Haft - allerdings ohne Bewährung. „Es ist nicht nachzuvollziehen, dass er so betrunken noch Auto gefahren ist. Das war grob fahrlässig“, begründete die Vorsitzende.

Andreas Thieme

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