Altersarmut

Rentnerin bleiben nur 300 € im Monat zum Leben

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Muss jeden Cent umdrehen: Rentnerin Gisela Neuhoff aus Glonn.

München - Gisela Neuhoff bleiben im Monat nur 300 Euro zum Leben. Die Rentnerin ist auf Grundsicherung angewiesen. In der tz spricht die von Altersarmut betroffene Frau über ihre Probleme.

Einmal wieder zum Friseur gehen, Spitzen schneiden und vielleicht eine frische Farbe. Für Gisela Neuhoff (67) wäre das wie Weihnachten. „Aber das ist nicht drin“, sagt die Rentnerin aus Glonn. Nach einem bewegten Leben ist sie auf Grundsicherung angewiesen, ihr bleiben nicht mal 300 Euro im Monat zum Leben.

Altersarmut ist kein neues Thema. Aber das Problem wird immer größer. Der Deutsche Gewerkschaftsbund schlägt nun mit schockierenden Zahlen Alarm (s. unten). Deutschland steuert sehenden Auges auf eine soziale Katastrophe zu! Besonders Frauen sind betroffen. Auch die, die wie Gisela Neuhoff keine Kinder haben: „Früher waren Frauen Menschen zweiter Klasse, die viel weniger verdient haben. Durch die Rente sind wir es geblieben.“

Gisela Neuhoff ist ein Stehaufmännchen. „Ich wollte immer arbeiten“, sagt die gebürtige Düsseldorferin. Auch wenn das oft nicht einfach war. Nach einer schweren Kindheit mit Gewalt in der Familie und mehreren Heimaufenthalten schafft sie die Mittlere Reife und macht 1966 eine Lehre bei der Sparkasse.

Nach einigen Jahren im Bankwesen wechselt sie in die Industrie. 1983 aber holt sie die Vergangenheit ein. Psychiater diagnostizieren eine Beziehungsstörung, Neuhoff kann aufgrund ihrer Kindheit keine Emotionen zu anderen Menschen aufbauen. Sie kommt zur Behandlung nach München, bleibt zehn Jahre arbeitsunfähig. „Aber ich habe gekämpft.“ Sie heuert bei einer Zeitarbeitsfirma an. Nach zwei Jahren kommt die Rezession, sie wird arbeitslos. Nach einem Callcenter-Job macht sie eine Ausbildung zur Pflegehelferin. „Da hatte ich so wenig Geld, dass ich mich nur von Schokolade ernährt habe.“

Dann haut es die tapfere Dame endgültig um: Sie stürzt aufs Knie, es kommt zu Komplikationen. Jetzt kann sie sich nur noch auf Krücken und im Rollstuhl bewegen. „Ich fühle mich wie lebendig begraben.“ Die Krankheit fesselt sie an ihre Wohnung, die mit 660 Euro Miete für ihre kleine Rente von 806 Euro zu teuer ist. „Ich kann wegen meiner Gesundheit nicht mal umziehen.“

Weil die Rente nicht reicht, erhält Gisela Neuhoff 162,88 Euro vom Amt. Dennoch bleiben ihr gerade mal 294,72 Euro zum Leben (s. rechts). Armut zeigt sich in den kleinen Dingen: Schon seit Monaten ist Gisela Neuhoffs Ofen kaputt. Außerdem müsste sie einen neuen Personalausweis beantragen. Aber woher die 30 Euro nehmen? Nicht einmal für einen Badeanzug reicht’s. „Ich will wegen meiner Gesundheit in Bewegung bleiben. Aber ich muss immer in einem alten Gymnastik­anzug schwimmen.“ 

Das bleibt fürs Leben: Neuhoffs persönliche Rechnung

Rente:

806,26 €

Private Rente:

54,30 €

Grundsicherung:

212,88 €

Miete warm:

660 €

Strom:

53 €

Haftpflichtversicherung:

9,44 €

Zahnzusatzversicherung:

14,80 €

Kontogebühren:

5,90 €

Telefon:

35,58 €

= 294,72 €

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