Listeriose-Skandal

Hier wehrt sich der Sieber-Chef gegen Produktionsverbot

Geretsried - In Wurstwaren der Firma Sieber sind gesundheitsgefährdende Bakterien gefunden worden. Die Behörde schloss die Produktion. Nun wehrt sich Sieber-Chef gegen die Anordnung.

Die Fleischwarenfirma Sieber geht nach dem Fund gesundheitsgefährdender Bakterien in Wurstwaren gerichtlich gegen das behördlich angeordnete Produktionsverbot vor. Es sei Klage gegen den Freistaat Bayern eingereicht worden, sagte gestern der Inhaber Dietmar Schach am Firmenstandort in Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). „Der Rückruf sämtlicher Waren und die Werksschließung ist politisch motiviert.“ Es werde der Versuch unternommen, „an einem Betrieb ein Exempel zu statuieren, um von behördlichen Versäumnissen abzulenken“, so der 51-Jährige. Mehrere Hundert Tonnen Ware müssten vernichtet werden.

Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen wurden seit 2012 in Deutschland Listeriosen mit einem bestimmten Muster beobachtet. Diesem Ausbruch könnten möglicherweise bis zu 80 Erkrankungsfälle mit dem Schwerpunkt Baden-Württemberg und 22 Fälle in Bayern zugeordnet werden. Acht der Erkrankten starben, bei vier von ihnen wird die Listeriose als hauptsächliche Todesursache angesehen. Ob die Todesfälle aber auf Sieber-Produkte zurückgehen, ist unklar.

Vier Tote aus Bayern waren alle über 50 Jahre

Die vier Toten aus Bayern waren alle über 50 Jahre alt. Der jüngste war mit 59 Jahren ein Mann aus Schwaben, die älteste eine 88-Jährige aus Schwaben. Sie ist nach den LGL-Angaben auch die einzige, die tatsächlich an den Folgen einer Listeriose-Erkrankung starb. Die weiteren Opfer sind eine 83 Jahre alte Frau aus Niederbayern und ein 69 Jahre alter Mann aus Oberbayern. Sie und der 59-Jährige starben aufgrund anderer Ursachen. Im Fall der 83-Jährigen sei die Ursache „nicht ermittelbar“, so das LGL. Die Staatsanwaltschaft München II leitete Vorermittlungen gegen die Firma ein. „Wir prüfen den Sachverhalt“, sagte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich.

Das Landratsamt in Bad Tölz hatte am Freitag angeordnet, dass alle Sieber-Produkte zurückgerufen und vernichtet werden müssen. Das Unternehmen beliefert nach eigenen Angaben die Ketten Lidl, Norma, Rewe und Penny, nicht jedoch Aldi. Außerdem verhängte die Behörde ein Betriebs- und Vertriebsverbot für die Großmetzgerei mit 120 Beschäftigten.

Das bayerische Verbraucherschutzministerium wies die Vorwürfe von Schach zurück: „Die zuständigen Behörden handeln konsequent zum Schutz der Verbraucher“, erklärte ein Sprecher. Schach verwies darauf, dass rund 45 im Unternehmen genommene Proben frei von gesundheitsgefährdenden Listerien seien. Allerdings wurden vor Ostern in einem Produkt Listerien nachgewiesen. Der Grenzwert wurde ums Zehnfache überschritten.

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tz

Rubriklistenbild: © dpa

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Kommentare

MadridistaMUC
(1)(0)

Wäre nicht das erste mal, dass eine Behörde Exempel statuiert und dabei ein Unternehmen, Existenzen und hunderte Arbeitsplätze platt macht. Womöglich waren die 100 Tonnen Wurst/Fleisch sogar listerienfrei und man hätte Afrika einen Tag ernähren können.
Das ist deutscher Luxus.
Hoffe das Gericht bringt Licht an den Tag. Denke auch, das die Behörde ihre vorangegangenen langjährigen Versäumnisse mit dieser Aktion verdecken will.