Plus eine Million Menschen in 60 Jahren

So rasant wachsen München und seine Umgebung

In München benötigte ein Einwohner im Schnitt 104 Quadratmeter Fläche für Wohngrundstücke, Verkehrs- und Versorgungsflächen. Von 2000 bis 2014 ist dieser Anteil pro Kopf um 13,8 Quadratmeter geschrumpft. Im Landkreis München ist die Entwicklung ähnlich. Der Flächenbedarf pro Kopf wird mit dem Abstand zur Landeshauptstadt größer und wächst zum Teil immer noch immens.

München - In 60 Jahren soll München und Umgebung um eine Million Menschen reicher sein. Doch das Problem ist: der Wohnungsbau hinkt hinterher.

Kein Ballungsgebiet in Deutschland wächst so schnell: Der Großraum München hat seit 1974 einen Zuwachs von 600.000 Einwohnern erlebt. Derzeit leben in München und den Nachbarlandkreisen 2,8 Millionen Menschen. Bis 2034 rechnet der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München mit 3,2 Millionen. Problematisch ist: Der Wohnungsbau läuft diesem wahnsinnigen Wachstum hinterher.

Die Bevölkerungsentwicklung von 1974 bis 2034

Von den aktuell 2,8 Millionen Menschen im Großraum leben 1,43 Millionen auf dem eigentlichen Stadtgebiet, 1,37 Millionen in den acht Nachbarlandkreisen wie etwa Starnberg, Dachau und Fürstenfeldbruck. Und bis 2034 rechnet der Planungsverband mit einem Zuwachs von nochmals 14 Prozent. Das würde heißen, dass München und Umgebung innerhalb von 60 Jahren eine Million Menschen mehr aufnimmt!

Dieser stetige Zuwachs ist vor allem auf die Zuwanderung von außerhalb zurückzuführen. Jedes Jahr ziehen rund 30.000 Menschen mehr zu, als Einwohner den Ballungsraum verlassen. So gab es 2014 rund 164.000 Zuagroaste, während 136.000 Menschen aus dem Großraum weg zogen. Gleichzeitig haben München und die Region einen hohen Geburtenüberschuss – es kommen 7200 Babys mehr auf die Welt als Menschen sterben.

Auch Angebot an Arbeitsplätzen wächst rasant

Das Angebot an Arbeitsplätzen wächst übrigens noch schneller als die Bevölkerung: Zwischen 2004 und 2014 stieg die Zahl der Jobs um 20,7 Prozent auf 1,29 Millionen, die Bevölkerung wuchs gleichzeitig nur halb so schnell um 10,8 Prozent.

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen pro Jahr seit 1975

Besorgniserregend ist: Gab es 2014 im Raum München 35.000 Einwohner mehr, wurden nur knapp 12.000 neue Unterkünfte fertig – davon etwa die Hälfte in der Stadt, die andere in den Landkreisen. „Der Wohnungsbau hinkt leider immer noch hinterher. Angesichts des starken Zuzugs brauchen wir mehr als 15.000 neue Wohnungen pro Jahr. Dabei sind die schnell steigenden Zuwandererzahlen seit 2015 noch nicht berücksichtigt“, sagt Verbandsdirektor Christian Breu.

Interessant ist, dass in München die Flächenansprüche sinken. Jeder Münchner braucht derzeit 104 Quadratmeter Siedlungs- und Verkehrsfläche für sich – 13,6 weniger als 2004. Im Kreis Erding sind es derzeit 619 Quadratmeter, 20 mehr als 2004. Im Landkreis Landsberg ist der Flächenbedarf gar um 51,3 Quadratmeter gewachsen.

Mit vier Prozent hat der Münchner Ballungsraum die niedrigste Arbeitslosenquote bundesweit. Während im Ballungsraum 22 Prozent der Einwohner Bayerns leben, erwirtschaften sie 31 Prozent des bayerischen Bruttoinlandsprodukts. Das wuchs im Raum München in den vergangenen 20 Jahren um 68,5 Prozent und lag 2013 bei 56 Milliarden Euro! 

Johannes Welte

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