Unwetter bringt's ans Licht

Sturm deckt „Maibaum-Schwindel“ auf

+
Durch das Unwetter brach die Metallspitze des Maibaums in Hohenbrunn ab.

Hohenbrunn - Das Unwetter am Sonntagabend brachte es ans Licht: Der Maibaum in Hohenbrunn hat eine Metallspitze. Brauchtums-Experten sind verwundert.

Die Unwetterfront am Sonntagabend brachte in Unterhaching und Hohenbrunn (Landkreis München) das örtliche Kulturgut zu Fall. In beiden Orten brachen die Spitzen der Maibäume ab. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Doch die Unwetterschäden deckten auf, dass den Maibaum in Hohenbrunn eine meterlange Metallspitze zierte. Für Brauchtumsexperten ein Unding.

Aufgestellt wurde der Baum von der ortsansässigen Burschenschaft. Der erste Vorstand, Christoph Schulz, erklärt auf Anfrage unserer Zeitung: „Meines Wissen hat es in Hohenbrunn schon immer eine Metallspitze gegeben. In der Regel ist das normal. Ich kenne einige Dörfer, die eine Metallspitze auf dem Maibaum haben. Es wird immer eine Spitze aus Metall draufgesteckt.“

Er räumt zwar ein, dass die traditionellen Maibäume ganz aus Holz sind, „aber man steckt den Maibaum heute ja auch nicht mehr in ein Loch. Ich glaube nicht, dass es dadurch zu Problemen mit der Tradition kommt“, sagt Schulz. Er begründet die Maßnahme damit, dass der Baum mit einer Metallspitze weniger anfällig für Feuchtigkeit sei.

Dieser Annahme widerspricht Maibaum-Experte Rudolf Goerge, Kreisheimatpfleger im Landkreis Freising. „Ich persönliche halte das mit der Feuchtigkeit für einen Schmarrn“, sagt der Brauchtums-Experte auf Nachfrage. Die Tradition sieht laut Goerge den hölzernen Maibaum vor. „Eine Metallspitze ist nicht normal. Das ist eher selten“, sagt Goerge. „Das ist möglicherweise ein Trick, um den Baum länger zu machen.“ Der Maibaum-Spezialist erklärt: „Eigentlich muss es ein ganz normaler Baum sein, der nicht verlängert wird.“

Der Burschenverein ist jetzt ins Nachdenken gekommen. Der fehlende Teil des Maibaums wird heuer in Hohenbrunn jedenfalls nicht neu angebracht. „Die Spitze kommt nicht mehr drauf. Wir werden einen Deckel anfertigen, damit keine Feuchtigkeit eintritt und der Baum geschützt bleibt“, erklärt Vorstand Schulz die weitere Vorgehensweise der Hohenbrunner. „Wir werden den Baum prüfen und eventuell auch umschneiden.“

Der Vorstand und die Mitglieder der Burschenschaft Hohenbrunn wollen in den nächsten Wochen überlegen, wie das Problem mit der Spitze des Maibaums für das nächste Jahr gelöst werden kann. „Wir werden uns Gedanken machen, damit so etwas nicht mehr passieren kann. Vor allem die Sicherheit muss gewährleistet sein.“ Vielleicht endet dann der „Fluch“ der kleinen Gemeinde im Münchner Südosten. Bereits im März 2008 wütete der Orkan „Emma“ in Hohenbrunn. Damals wurde der Maibaum noch schlimmer beschädigt. Er fiel komplett um und zerbrach.

Jörg Bullinger

auch interessant

Meistgelesen

In der S8: Mann bedroht Fahrgäste mit Messer
In der S8: Mann bedroht Fahrgäste mit Messer
Schimmel-Streit: Bayern-Star beim Hauskauf belogen?
Schimmel-Streit: Bayern-Star beim Hauskauf belogen?
Sexueller Missbrauch: Speichelproben sollen Täter überführen
Sexueller Missbrauch: Speichelproben sollen Täter überführen
Totalsperre auf der A99: Unfall mit Gefahrgutlaster
Totalsperre auf der A99: Unfall mit Gefahrgutlaster

Kommentare