Wegen T-Shirts vor Gericht

Firmen hackeln sich um den "Wuidara"

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Markenrechtsstreit: Ein Geretsrieder Unternehmer hat einem Modeunternehmen den Vertrieb von Kleidung mit „Wuidara“-Aufdruck untersagt.

Geretsried - Ein T-Shirt-Aufdruck im Dialekt hat für Streit zwischen zwei Mode-Unternehmen gesorgt. Am Ende musste ein Gericht klären, ob der Begriff „Wuidara“ auf Shirts gedruckt werden darf, obwohl es bereits die geschützte Marke „Wuiderer“ gibt.

Was ein „Wuidara“ ist, weiß jeder Bayer: Einer, der unerlaubt auf die Jagd geht. Ein echt schöner bayerischer Begriff. Kein Wunder also, dass der T-Shirt-Vertrieb Oberlandla aus Wackersberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) auf die Idee kam, „Wuidara“ fett auf seine Hemden zu drucken. Aber genau deswegen gab es nun Ärger.

Der Geretsrieder Unternehmer Stefan Lerche, der Werbeartikel aller Art vertreibt, ist gegen den T-Shirt-Vertrieb vor Gericht gezogen, weil er sich den Begriff „Wuiderer“ (in dieser Schreibweise) vom Patentamt für seine Firma schützen lassen hatte – ausdrücklich auch für Bekleidungsstücke. Deshalb hat er den Vertrieb Oberlandla nun abmahnen lassen und per einstweiliger Verfügung den weiteren Vertrieb des T-Shirts untersagt.

Oberlandla verteidigte sich, man bediene sich lediglich „gängiger und allgemeinsprachlicher Dialektbegriffe“ als dekorative Gestaltungselemente. Die eigentliche Marke sei der Name „Oberlandla“. Eine Auslegung des Markenrechts, wie der Abmahner sie durchsetzen wolle, behindere die Kreativität, statt sie zu schützen. Und dass man umgangssprachliche Begriffe überhaupt schützen lassen könne, sei „traurig genug“.

„Wuidara war einer der meistgewünschten Begriffe unserer Kunden“, sagt Fabio Cinelli von Oberlandla. Grundsätzlich wurde geprüft, ob ein Begriff als Marke geschützt sei. Das sei nicht der Fall gewesen – für die Schreibweise „Wuidara“.

Stefan Lerche ist von all dem unbeeindruckt. Zwar hat er die Marke noch nicht aktiv vermarktet. Aber: „Das war meine Idee und ich bin nach wie vor interessiert, sie zu nutzen.“ Was wäre, wenn jemand T-Shirts mit dem Begriff „Oberlandla“ verkaufen würde, fragt er. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dann keine Probleme geben würde.“ Schließlich sei dieser Begriff genauso umgangssprachlich wie Wuidara.

Richtig wütend ist Lerche allerdings noch aus einem anderen Grund: Auf dem sozialen Netzwerk Facebook habe Oberlandla die Nutzer regelrecht gegen ihn aufgewiegelt, was zu einer großen Menge bösen E-Mails geführt hatte. „Da fehlt’s an der Verhältnismäßigkeit“, schimpft Lerche. Erst nach seinem Hinweis habe Oberlandla seine Anhänger zur Mäßigung aufgerufen.

Die entscheidende Frage ist nun, ob man alltägliche Begriffe schützen lassen darf. „Man darf“, sagt Rechtsanwalt Andreas Hayn von der Münchner Kanzlei Rau & Rau, die auf Markenrecht spezialisiert ist. Bloße Ähnlichkeit – auch klangliche – reiche aus für eine Abmahnung, sagt er. Und wer eine Marke anmeldet, muss sie nicht sofort nutzen, sondern hat fünf Jahre dafür Zeit. Erst wenn die Marke in diesem Zeitraum nicht genutzt wird, kann jeder die Marke per Antrag löschen lassen, betont der Rechtsanwalt. Der Verweis auf dekorative Verwendung könne zwar vor Gericht helfen, sei aber kein „Killerargument“.

Sepp Obermeier, Vorsitzender des Bunds Bairische Sprache (BBS), hält die gesamte Angelegenheit für „lächerlich“. Sein Verein setzt sich für den Erhalt der bayerischen Sprache ein.

Doch beim Gedanken an T-Shirts mit Dialektbegriffen bricht Obermeier nicht gerade in Jubelstürme aus. Solche Marketingaktionen hätten bestenfalls Witzniveau, sagt er. „Damit lässt sich die bairische Sprache jedenfalls nicht vor dem Aussterben retten.“

Ob der „Wuidara“ auf dem T-Shirt aussterben muss, ist gestern vor Gericht diskutiert worden. Beide Seiten haben sich auf einen Vergleich geeinigt. Fabio Cinelli möchte sich erst dazu äußern, wenn der Vergleich rechtskräftig ist, sagt aber: „Es ist eine Lösung, mit der ich leben kann.“

Benjamin Gildein

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