Nach dem Exzess eines Österreichers

Therme Erding stoppt jetzt die Saufgelage

In der Therme Erding werden pro Tag und Gast nur noch drei alkoholische Getränke ausgeschenkt.

Erding - In der Therme Erding werden pro Tag und Gast nur noch drei alkoholische Getränke ausgeschenkt. Damit will der Erholungstempel Saufeskapaden austrocknen.

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Der letzte krasse Vorfall datiert von Ende November, als ein Österreicher völlig aus der Rolle fiel. Sternhagelvoll pöbelte er in der Sauna herum und attackierte Besucher sowie Personal. Die Bilanz seines Ausrasters: mehrere verletzte Mitarbeiter und Polizisten sowie eine vorläufige Festnahme. Doch Exzesse hat es in der Therme immer schon gegeben, gerade an Wochenenden, an denen sich tausende Besucher unter den Kuppeln tummeln. „Wir schätzen, dass es pro 40 000 Gäste einen wirklich schlimmen Aussetzer gibt“, berichtet Thermen-Inhaber Jörg Wund. „Der Österreicher vor drei Wochen hat den Ausschlag gegeben, etwas zu unternehmen“, erklärt Wund.

Seit Anfang Dezember gilt daher die Regel: Mehr als drei alkoholische Getränke pro Besuch gibt es nicht. Wund formuliert es so: „Aller guten Dinge sind drei“. Die Kontrolle sei einfach, da jedes Getränk auf einen Chip gebucht wird, der im Spindschlüssel versteckt ist. Abgerechnet wird dann beim Verlassen an den Kassen im Foyer.

An Reaktionen auf die Reglementierung mangelt es nicht: Auf Facebook wird das Thema so heiß diskutiert wie es in so mancher Sauna ist. „Viele habe Verständnis, aber es gibt natürlich auch einige, die gegen Begrenzung sind“, so Wund, der sich seit der Einführung vor Medienanfragen kaum noch retten kann. „Das Thema wird auf allen Kanälen gespielt, wir haben viele Interviewanfragen von Magazinen, Radiosendern und TV-Anstalten.“ Auch die ersten Reaktionen der Gäste liegen vor: „Richtig beschwert hat sich noch niemand“, versichert der Inhaber.

Mit im Boot sind auch die Gastronomen in der Therme, allen voran Uwe Pianka und Guido Stocker. Auf die Frage, ob er jetzt nicht Umsatzeinbußen verkraften müsse, erklärt Stocker: „Das mag im Einzelfall so sein. Aber dieses Problem muss langfristig angegangen werden. Unterm Strich ist es absolut richtig, dass wir wieder mehr Ruhe in Therme und Sauna bringen.“ Der Negativeffekt durch herumtorkelnde und pöbelnde Gäste sei größer. „Wir tragen das mit und waren auch von Anfang an eingebunden.“

Wirte und Betreiber wissen, dass es Möglichkeiten gibt, die Begrenzung zu umgehen. Wer etwa in den Restaurants in der Sauna oder in der Vitaloase isst, muss seinen Schlüssel erst am Schluss abgeben – er kann also über den Durst trinken. Doch das ficht weder Wund noch Stocker an. Tenor: Das Problem besteht nicht hier, sondern vor allem an den Pool-Bars, wo sich Gäste, die nicht selten in Gruppen kommen, stundenlang aufhalten. Ausschließen könne man auch nicht, dass Alkohol von außen mitgebracht werde. „Selbst das dürfte nicht problematisch sein“, urteilt Wund, „denn wer steigt schon aus dem Wasser, um sich auf seiner Liege zu betrinken?“

Hans Moritz

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