tz-Bürgeranwalt

Namenlose Kunstwerke – findet den Maler heraus!

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Der tz-Bürgeranwalt Dietmar Gaiser (li.) und Rentner Willi Rauch mit seinen namenslosen Bildern.

München - Willi Rauch aus Planegg hat in seinem Wohnzimmer ein altes Bild und wünscht sich zum Geburtstag nichts sehnlicher vom tz-Bürgeranwalt, als zu wissen, von wem es stammt.

Frage: "In meinen Wohnzimmer hängen zwei Bilder eines ukrainischen Malers. Ich habe sie im Jahre 1942 einem Künstler in Nikolajew abgekauft. Er wollte sie nicht signieren, da er Angst davor hatte, in den Verdacht zu geraten, er mache mit deutschen Soldaten Geschäfte. Nach einer langen Odyssee kamen die Bilder nach Deutschland, wo sie mich ein Leben lang an die schöne Landschaft der Ukraine und die schlimme Zeit des Krieges erinnerten. Im nächsten Monat werde ich 96 Jahre alt. Mein schönstes Geburtstagsgeschenk wäre es, wenn mir jemand sagen könnte, wie der Maler damals geheißen hat, mit dem ich mich so gut unterhalten habe und dem ich die Bilder abkaufte."

Willi Rauch (95),

Rentner aus Planegg

Antwort: So einem Wunsch konnte sich das Team des Bürgeranwaltes nicht entziehen. Zumal die Geschichte der Bilder wirklich einmalig ist. Willi Rauch baute mit den Pionieren im Jahr 1942 eine Brücke in der Ukraine, als er furchtbares Zahnweh bekam. Also schickte ihn sein Vorgesetzter zu einem Zahnarzt nach Nikolajew. In der Stadt kam er an dem Atelier eines Malers vorbei: „Ich hatte keine Ahnung von Kunst, aber der Maler war in meinem Alter und wir kamen ins Gespräch“, erzählt der 95-Jährige.

Willi Rauch gefielen zwei Bilder besonders gut, aber er hatte nicht genügend Geld, sie zu kaufen. Als er nach dem Zahnarztbesuch bei seiner Einheit zurück war, lag dort ein Urlaubsschein. Seine Familie in Deutschland war ausgebombt worden und er bekam sogenannten „Bomben-Urlaub“. Also fuhr er nach Deutschland. Dort stattete ihn seine Familie mit einem Koffer voller Kleidung und Bargeld aus. Wieder zurück in der Ukraine ging er sofort zu dem Maler und tauschte Kleider und Geld gegen die Bilder ein. Nun mussten die Kunstwerke sicher außer Landes geschafft werden. In einer Papprolle verpackt gab Willi Rauch sie einem Kameraden mit, der nach Wien fuhr, von dort wurden sie an seine Freundin in den Nähe von Köln verschickt. Als der Krieg vorbei war und Willi Rauch aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen wurde, führte sein erster Weg zu seiner Freundin in die Nähe von Köln. Und tatsächlich hingen dort die Bilder.

Seither begleiteten ihn die Kunstwerke durchs Leben. Aber nun will er endlich wissen, wer sie geschaffen hat. Diese Frage zu beantworten war nicht einfach. Wir sprachen mit mehreren Fachleuten. Fündig wurden wir bei Andreas Ruef vom Auktionshaus Ruef in München. Er fand heraus, dass der Künstler Victor Below heißt, in Odessa studiert hat und inzwischen tot ist.

„Diese Information ist das schönste Geburtstagsgeschenk, das man mir machen konnte“, freute sich Willi Rauch, als wir ihm den Namen des Künstlers sagten, „damit haben die Bilder noch viel mehr Persönlichkeit als vorher.“

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