Unfall auf Autobahn bei Icking

Porsche-Drama: Trauer um Bruder des Payback-Gründers

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Dr. Christoph R. verunglückte mit seinem Porsche auf der A 95.

Icking - Der am Sonntagmorgen auf der A95 mit seinem Porsche verunglückte Fahrer ist Top-Anwalt Dr. Christoph R. († 45). Die Trauer um den Bruder des Payback-Gründers ist groß.

Es sind Bilder, bei denen der Atem stockt: Der Tote aus dem völlig zerfetzten Porsche ist der Münchner Top-Jurist Dr. Christoph R. (45). Sein Bruder Alexander hat das Rabattsystems Payback erfunden. Am Sonntagmorgen verunglückte Christoph R. tödlich auf der Autobahn A 95 bei Icking (tz berichtete).

Das tragische Ende einer Bilderbuch-Karriere: Im Geschäftsleben gelang dem Anwalt eine Vorzeige-Karriere. Und auch privat war der mit seiner Familie im Lehel lebende Jurist ein glücklicher Mann. Eine wunderschöne Frau. Gute Freunde. Und zwei kleine Töchter, die er über alles liebte.

Ehefrau des Unfallopfers machte gerade Urlaub in der Schweiz

Das Internet-Bilderbuch der Familie ist voller schöner Fotos. Mit dem Papa auf dem Kamel, Sommerurlaub am Meer, eine Familienwanderung in den Bergen, fröhliche Skiausflüge im Winter. Die Berge liebte der überaus sportliche Anwalt mit dem strahlenden Lachen zu allen Jahreszeiten. Skifahren, Telemarken, Wandern, Rennradfahren. Zudem interessierte er sich für Oper und Klavier, für die Moderne Kunst und er las viel.

Anfang des Jahres erfüllte sich der 45-Jährige seinen Traum von einem Porsche, in dem zuweilen auch die Töchter mitfuhren. Ein herausgerissener Mickey-Maus-Kindersitz in den Trümmern hatte zur Folge, dass die Einsatzkräfte die Unfallstelle sofort nach einem möglicherweise mit verunglückten Kind absuchten. Doch R. war Sonntagfrüh allein unterwegs gewesen. Seine Frau machte gerade Urlaub in der Schweiz.

Allein in der vergangenen Woche gab es drei Unfälle auf der Strecke

Den Rettern an der Unfallstelle bot sich ein grauenvolles Bild. Die Polizei ermittelt derzeit noch, wie schnell Christoph R. dran war. Aufschluss darüber könnte ein anderer Autofahrer geben, der später zu Protokoll gab, dass er selbst Tempo 200 gefahren war und plötzlich von einem Porsche überholt wurde – mit einem Wahnsinnstempo. Viel zu schnell auf dieser noch nachtfeuchten Fahrbahn der A 95 zwischen Schäftlarn und Höhenrain in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Es ist eine gefürchtete Strecke, auf der kein Tempolimit gilt und auf der allein in den vergangenen Wochen bereits drei Fahrzeuge schwer verunglückten. Nun wurde sie auch dem Münchner Anwalt zum Verhängnis.

Am Sonntagfrüh um 6.10 Uhr brach auf Höhe Icking plötzlich auch das Heck von R.s Porsche aus. Ungebremst schoss der Sportwagen nach rechts von der Autobahn die Böschung hinauf, knallte mit der Fahrerseite in eine Baumgruppe. Der Aufprall war so extrem, dass der Motor aus dem Wrack gerissen wurde und 50 Meter weiter auf dem Pannenstreifen aufschlug. Sämtliche Airbags sprangen auf. Zwei zufällig vorbeifahrende Feuerwehrmänner eilten zur Hilfe. Doch sie konnten nichts mehr tun.

Handy des Verunglückten klingelte während der Bergungsarbeiten mehrfach

Der Top-Jurist war offenbar auf der Stelle tot. Mit ihm starb an diesem Morgen das Glück seiner kleinen Familie, das bis zu diesem schrecklichen Moment so schön, so unangreifbar glücklich schien.

Bei wenig Verkehr und in aller Herrgottsfrüh wollte Christoph R. den Wagen vermutlich einmal bis an die Grenze ausfahren. Es wurde eine Reise ohne Wiederkehr. In dem zerfetzten Wrack bargen die Einsatzkräfte auch sein Handy. Es war unversehrt geblieben und klingelte noch während der Bergungsarbeiten mehrfach. Es war seine Frau, die ihren Mann erreichen wollte.

Dorita Plange, Sebastian Arbinger

Tödlicher Unfall mit Porsche auf A95: Bilder

Tödlicher Unfall mit Porsche auf A95: Bilder

Er war der Bruder des Payback-Gründers

Mit dieser Bilderbuchkarriere stand Christoph R. in seiner Familie nicht allein da. Sein Bruder Alexander gründete 1998 das Unternehmen Loyalty Partner, das das Bonusprogramm Payback auf den Markt brachte und mehr als 200 Millionen Euro Umsatz macht – mehr als 20 Millionen Deutsche haben eine der gleichnamigen Bonuspunktekarte, die heute zum Standard des deutschen Handels gehört. Die Payback-Zentrale steht auf der Theresienhöhe. Im vergangenen Jahr stieg Alexander R. aus dem operativen Geschäft aus, berät das Unternehmen aber noch und ist weiter als Gründer tätig.

Mit 45 Jahren auch sein Bruder Christoph ebenfalls auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen: In der Innenstadt war er Partner einer internationalen Top-Kanzlei und in seiner Branche weltweit angesehen. Seit 1998 war der IT-Spezialist dort und beriet Unternehmen wie Siemens, Esprit und General Electric in komplizierten Rechtsfragen über das Datenschutz- und Internetrecht. Er begleitete nationale und internationale IT- und Business-Projekte. Eine Jury der Wirtschaftswoche wählte seine Firma unter die 25 Top-Kanzleien in Deutschland.

R.s berufliches Interesse galt seit mehr als 15 Jahren den legalen Aspekten des Datentransfers – als erster deutscher Kanzleianwalt erhielt er sogar eine behördliche Spezial-Genehmigung dafür. Bevor er in das Münchner Büro der Kanzlei wechselte, sammelte er auch in San Francisco Erfahrungen und sprach drei Fremdsprachen. Mehrfach war der Top-Anwalt auch als Vortragsredner auf Fachkongressen geladen und unterhielt Mitgliedschaften in allen wichtigen Berufsverbänden. Seine akademische Ausbildung durchlief er zuvor an der Ludwig-Maximilians-Universiät in München, wo er 1996 promovierte. 1997 erhielt er seine Zulassung als Anwalt.

Auch ein weiterer Bruder hat Karriere gemacht: Roman R. ist Mediziner und Unternehmensberater und unterhält im Internet eine Expertenberatung für das Gesundheitswesen mit Sitz in der Maximilianstraße.

A. Thieme

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