Amtsgericht Dachau

Gericht: 30-Jährige ist mitschuldig am Tod ihrer besten Freundin

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Eine 28-jährige Frau, die in diesem Fiat gesessen war, starb am 23. Februar auf der A 8.

Sulzemoos - Francesca R. verliert bei einer nächtlichen Autobahnfahrt bei Sulzemoos die Kontrolle über ihren Fiat. Der Wagen kommt ins Schleudern und landet auf dem Dach. Ihre Freundin steigt aus, wird von einem nachfolgenden Auto erfasst und stirbt. Das Amtsgericht versuchte gestern, die Schuldfrage zu klären.

Francesca R., 30 Jahre alt, Verkäuferin aus Augsburg, zitterte am ganzen Körper, ihr Gesicht war rot und sie kämpfte mit den Tränen: Immer wieder hatte sie gestern wohl die Bilder jener Nacht vor Augen, der Nacht, in der ihre beste Freundin und Trauzeugin ums Leben kam. Francesca R. musste sich wegen fahrlässiger Tötung vor dem Dachauer Amtsgericht verantworten.

Francesca R. wollte eigentlich nur einen ausgelassenen Samstagabend mit ihren Freundinnen Stefanie H. und Yvonne S. in einer Diskothek in München verbringen. Am 23. Februar 2014 kam ihr Fiat auf der A8 bei der Anschlussstelle Sulzemoos um 1.30 Uhr ins Schleudern: „Ich bin auf einmal erschrocken, weil ich die Leitplanke gesehen habe. Dann habe ich total die Kontrolle verloren“, erzählt die 30-jährige. Später berichtet ihre Beifahrerin, dass die Angeklagte während der Fahrt Nachrichten auf ihrem Handy getippt hatte.

Der Fiat schlitterte quer über die drei Spuren, schleuderte aufs Dach und kam schließlich zwischen der mittleren und rechten Fahrspur zum Stehen: „Wir haben dann im Auto noch miteinander gesprochen“, erinnerte sich Beifahrerin Yvonne S. „Stefanie hat noch gesagt: Mädels, ich spüre meine Beine nicht mehr.“

Ein Mercedes krachte in das unbeleuchtete Unfallwrack. Die damals 28-jährige Fiatfahrerin Francesca R. und ihre 24-jährige Beifahrerin blieben weiter im Unfallwagen. Stefanie H., die bereits leicht angetrunken und nicht angeschnallt war, stieg aber aus dem Auto und lief auf die Straße. Sie wurde von dem Renault von Angelika F. erfasst, die auch auf der Anklagebank saß. Ein weiterer nachfolgender Mazda-Fahrer überrollte die 28-Jährige. Sie kam ums Leben.

Der Vorsitzende Richter Christian Calame verhörte in der beinahe sechsstündigen Verhandlung weitere Zeugen. Schließlich kamen Richter, Staatsanwalt, Nebenkläger und Verteidiger, in einem Rechtsgespräch nach einigen Unklarheiten während des Prozesses zu einer Übereinkunft. „Meine Mandantin kämpft immer noch mit den Folgen des Unfalls“, sagte der Verteidiger der Hauptangeklagten. Sie wolle nun strafrechtlich damit abschließen. Daher räumte Francesca R. die Schuld an dem Unfall komplett ein.

Die Verkäuferin wurde zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 30 Euro und einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt, das Verfahren gegen Angelika F. wird eingestellt gegen 1000 Euro Auflage.

Die Angeklagte Francesca R. ist auch knapp zwei Jahre nach der schrecklichen Unfallnacht in psychiatrischer Behandlung und kämpft mit schweren Schuldgefühlen. Sie bat den Vertreter der Nebenklage, der Familie der verstorbenen Freundin auszurichten: „Es tut mir unendlich Leid.“

Anna Schwarz

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