Eine Person verhaftet

Betrunkener mit Spielzeugwaffe löst Polizei-Großeinsatz aus

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Alles beginnt vor der „Joker“-Spielhalle im Untergeschoss des IAZ. Hier zielte der Bewaffnete auf Mitarbeiter. 

Unterschleißheim -Mit einer Pistole in der Hand hat ein Mann am Dienstag am Rathausplatz in Unterschleißheim für Angst und Schrecken gesorgt. Doch schnell ist klar, der Bewaffnete ist betrunken. Die Pistole ist lediglich ein Plastikspielzeug.

Alles beginnt vor der „Joker“-Spielhalle im Untergeschoss des IAZ: Der Bewaffnete nimmt die Rolltreppe nach unten. Sein Ziel ist die Spielothek. Dort trifft er auf Gabriel C. (49), der vor der Tür steht. Der Mann dreht sich um, nimmt die Rolltreppe nach oben – und zielt plötzlich mit seiner täuschend echt aussehenden Pistole auf Gabriel C. Der versucht, ruhig zu bleiben und verschwindet im Dunkel der Spielothek. Später sagt der 49-Jährige: „Ich wusste, wenn ich jetzt nicht ruhig bleibe, bricht Panik aus.“ Fünf Gäste zocken in diesem Moment an den Automaten, hoffen auf den großen Gewinn. Leise, aber bestimmt signalisiert C. seiner Kollegin hinter der Bar: Ruf die Polizei – und zwar schnell.

Und während das Team auf die Einsatzkräfte wartet, zieht der Mann mit der Waffe weiter. Auf seinem Weg ins Erdgeschoss beobachtet ihn Heidi Wunderlich (34). Sie ist Verkäuferin in der „Müller“-Bäckerei. Sie reagiert schnell, warnt ihre Kollegin. Die beiden Frauen verstecken sich im Lager. Von dort aus rufen sie die Polizei – und sehen noch, wie der Mann in Richtung S-Bahnhof Unterschleißheim verschwindet. Für Heidi Wunderlich ein furchtbares Erlebnis: „Ich hatte Angst, dass er, wenn ich nicht ruhig bin, auf mich zielt. Ich war wie versteinert.“

Schon Minuten später durchkämmen Einsatzkräfte der Polizei die Spielhalle und das IAZ. Über der Stadt kreist ein Hubschrauber, die Polizei sucht mit mehreren Streifenwagen nach dem bewaffneten Mann. Sie findet ihn in der Nähe des Einkaufszentrums. Er habe sich widerstandslos festnehmen lassen, teilt die Polizei mit. Erste Ermittlungen ergeben, dass er mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut deutlich betrunken ist. Die Waffe ist aus Plastik. Das Alter des Mannes gibt die Polizei mit 30 bis 35 Jahren an. Woher er kommt und was ihn zu seiner Tat getrieben hat, darüber hat die Polizei keine Angaben gemacht. Heute soll er dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Gabriel C., der Mitarbeiter der „Joker“-Spielhalle, vermutet, der Betrunkene habe sich rächen wollen. Denn bereits am Morgen sei er vor der Spielhalle aufgetaucht. „Ich habe ihn nicht reingelassen, weil er so betrunken war. Das wollte er nicht akzeptieren.“ Schon da hatte Gabriel C. das erste Mal die Polizei gerufen. Die verwies den Mann der Örtlichkeit. Für Gabriel C. war damit der Fall eigentlich erledigt. „Ich hätte ja nie erwartet, dass er mit einer Waffe zurückkommt.“ Die Nachricht, dass am Unterschleißheimer Rathausplatz ein Bewaffneter Menschen bedroht, hatte sich rasend schnell verbreitet. Auch in den Sozialen Netzwerken fragten und suchten Besorgte nach Informationen. Im Rathaus schloss derweil Anton Majer (63) vorsorglich alle Ein- und Ausgangstüren. „Jeder der Schutz wollte, durfte rein, raus durfte niemand mehr“, sagte der Sicherheitsmann. „Man wusste ja nicht, ob es ein Verrückter oder ein Terrorist ist.“ Die Mitarbeiter der Verwaltung seien per Mail von der Polizei gewarnt und später auch über das Ende des Einsatzes informiert worden.

„Wir haben alle Mitarbeiter gebeten, das Haus nicht zu verlassen“, sagt der Referent des Bürgermeisters, Thomas Stockerl. Er ist froh, dass es am Ende nur „ein ganz übler Streich“ gewesen ist. Grundsätzlich sei die Stadt nach dem Amoklauf in München „sensibilisiert“. So haben man das Sicherheitspersonal für das derzeit laufende Festival im Valentinspark verstärkt. Dauerhaft aber für mehr Überwachung im Ort zu sorgen, hält Stockerl für schwierig: „Es wird nicht möglich sein, an jeder Ecke einen Sicherheitsmann abzustellen.“

Florian Prommer

Florian Prommer

Florian Prommer

E-Mail:Florian.Prommer@merkur.de

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