Zwei verdächtige Buchstaben?

Nach 20 Jahren: Spedition soll Kennzeichen ändern

Zu viel Nazi-Symbolik: Die Buchstaben HH dürfen nicht mehr auf Autokennzeichen erscheinen. Heinrich Hasch hat dafür kein Verständnis. Foto: hermsdorf

Wolfratshausen - Heinrich Hasch versteht die Welt nicht mehr. Seit 20 Jahren fährt die Fahrzeugflotte seiner Wolfratshauser Spedition mit dem Kennzeichen TÖL-HH durch die Welt. Damit ist jetzt Schluss.

KZ, NS, SA, SS: Dass diese Kürzel nicht auf Autokennzeichen erscheinen dürfen, ja überhaupt tabu sind, weiß wohl jeder. Zu sehr erinnern die Buchstabenkombinationen an die Hitler-Zeit, zu groß ist die Gefahr, dass ein solches Nummernschild die rechte Gesinnung seines Halters symbolisiert. „Keine Diskussion“, sagt auch Hasch, Geschäftsführer der international tätigen Spedition und Brennstoffhandel Helmut Hasch mit Sitz in Wolfratshausen. Derlei Nazi-Symbolik gehöre nicht in die Öffentlichkeit. Kein Verständnis hat der 53-Jährige jedoch für das, was er auf der Wolfratshauser Kfz-Zulassungsstelle erlebt hat.

Hasch wollte ein weiteres Auto auf die Firma zulassen. Wie die anderen rund 30 Fahrzeuge sollte auch der neue Sprinter das Kennzeichen TÖL-HH bekommen. „Seit 40 Jahren führt unsere Firma diese Initialen, seit 20 Jahren nutzen wir sie für unsere Flotte“, sagt Hasch. Das geschehe aus Gründen der Identitätsstiftung und habe praktische Gründe. „Das System erleichtert die Zuordnung in unserer Disposition und bei unseren Disponenten. Mit Heinrich Himmler (im Dritten Reich unter anderem als Reichsführer SS und Chef der Polizei mächtigster Mann nach Hitler, d. Red.), sind wir noch nicht verwechselt worden.“

In der Zulassungsstelle habe man ihm höflich, aber unmissverständlich mitgeteilt, dass die Buchstabenkombination HH auf Anweisung des Bundesverkehrsministeriums nicht mehr ausgegeben werde. „Die Begründung war, dass das Kennzeichen mit der Nazi-Vergangenheit zu tun hat“, schildert Hasch seinen Besuch an der Gebhardtstraße. „Meine Fassungslosigkeit hat einige Sekunden angedauert, erinnert er sich. „So einen Schwachsinn habe ich lange nicht mehr gehört.“

Auch wenn Hasch kein Verständnis hat - formal haben die Mitarbeiter auf der Zulassungsstelle korrekt gehandelt. Das bestätigt Georg Fischhaber, Leiter der Verkehrsbehörde im Tölzer Landratsamt. Ihm zufolge gibt es eine Anweisung aus dem Bundesverkehrsministerium, die bereits vom 6. August 2010 datiert. Daraus geht hervor, dass „alle Buchstabenkombinationen, die Nazi-Symbole aufweisen, nicht auf Kfz-Kennzeichen erscheinen dürfen“, zitiert Fischhaber aus dem Schreiben. Ermessensspielraum gebe es nicht. Neben den Kürzeln HJ, KZ, NS, SA und SS, die schon seit Jahrzehnten verboten sind, stehen seit vier Jahren also auch HH und AH auf dem Index. Bereits existierende Kennzeichen haben Bestandsschutz, die Weisung gilt nur für Neuzulassungen und Kennzeichen-Übernahmen. Bei der Ziffernfolge 88 - eine Abkürzung für „Heil Hitler“ - habe man mehr Freiheit. Fischhaber: „Hier gibt es nur die Bitte, mit Augenmaß zu entscheiden.“

Immer wieder komme es vor, dass Menschen entsprechende Initialen auf einem Kennzeichen verewigen wollen. Dass das nicht geht, sei mitunter schwer vermittelbar, sagt Fischhaber. In der Regel würden die Bürger aber Verständnis zeigen oder auf das Angebot eingehen, die Buchstabenfolge umzudrehen. Jemand wie Heinrich Hasch hat Pech. „In seinem Fall geht das leider nicht.“

Hasch hat gestern eine E-Mail ans Ministerium geschrieben. Er fühlt sich diskriminiert, fordert eine Erklärung. Und er will wissen, wie weit die Regulierungswut gehen soll. „Was“, fragt er, „ist mit der Hansestadt Hamburg und ihrem Kennzeichen HH? Was ist mit den Vornamen Hermann, Josef, Adolf, Reinhard, Rudolf und Heinrich? Wollen Sie die ebenfalls verbieten?“ Der neue Sprinter ist übrigens inzwischen zugelassen. Sein - völlig willkürliches - Kennzeichen: TÖL-XD.

Frederik Lang

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