Puff-Betreiber klagt gegen Schließung

Verwaltungsrichter verhandeln im Bordell

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Was gibt es hier für Betriebe? Richter Johann Oswald (heller Mantel) beim Ortstermin vor dem Cleopatra II.

Dachau - Schlechte Nachrichten für die Gäste des Cleopatra II. Die Stadt hat das Bordell dichtgemacht. Der Betreiber des Cleopatra II klagte. Verhandelt wurde in der Bar des Etablissements.

Das Cleopatra II sei das erste Haus am Platz, meinten Bordellbetreiber Reiner H. (44) und sein Anwalt Hubert Schorr unisono. Nicht etwa weil er der beste und schönste Puff Dachaus ist. Er ist der älteste. 1974 war die Eröffnung. Seit 2008 ist H. für das Etablissement verantwortlich. In den Zimmern des unauffälligen Hauses in der Karl-Benz-Straße betreiben drei bis sechs Damen das älteste Gewerbe der Welt. Immer wieder mal werden sie ausgewechselt. Zwar sei der Besuch „momentan ein wenig schwach“, sagt Reiner H. Dennoch will der Stückgutausfahrer, der das Bordell nur nebenher betreut, die Nutzungsuntersagung der Stadt nicht akzeptieren. Gemeinsam mit dem Hauseigentümer reichte er Klage zum Verwaltungsgericht ein.

Die Angelegenheit ist pikant. Im Jahr 2000 erteilte das Landratsamt die Genehmigung für eine Tanzbar und Stripteaselokal im Cleopatra II. Und schon früh war den Beamten klar: Hier wird fleißig der Lust gefrönt. „Das ist offensichtlich bei späteren Genehmigungen bei uns übersehen worden“, gab Rechtsamtsleiter Josef Hermann zu.

Zwei Beispiele: Bei einer Kontrolle 2008 regte das Gesundheitsamt an, ein Hinweisschild anzubringen, das die Benutzung von Kondomen nahelegt. Auch Mitarbeiter des Bauamtes wussten Bescheid. Das Gebäude war etwa 2001 umgebaut worden. Dennoch duldeten die Behörden das Cleopatra II.

Erst nach einer weiteren Baukontrolle im Juli vergangenen Jahres erließ die Stadt das Verbot. Sie befürchtete einen Trading-Down-Effekt im Gewerbegebiet in Dachau-Ost. Die Rechtsprechung spricht davon, wenn wegen eines Bordells „die Entstehung und Erhaltung einer hochwertigen Gebietsstruktur mit vorwiegend produzierendem und verarbeitendem Gewerbe gefährdet ist“. Sprich: Puffs verderben das Geschäft.

Das wollten die Kläger nicht hinnehmen: sie klagten. Gestern bemühte sich die 11. Kammer des Verwaltungsgerichts München trotz starken Schneefalls nach Dachau-Ost. Ortstermin. Der Vorsitzende Johann Oswald und vier weitere Richter schauten sich in der Karl-Benz-Straße um. Hinterher wurde die Gerichtsverhandlung im trockenen Bordell abgehalten. Dabei kam heraus, dass sich neben dem Cleopatra II weitere sechs Puffs in unmittelbarer Nähe befinden - vier genehmigte und zwei „wilde“, so der Rechtsanwalt des Hauseigentümers, Markus Kolbeck. „Hier von von einer Überschwemmung oder einer roten Meile zu sprechen, ist übertrieben“, meinte er aber und beantragte, der Klage stattzugeben.

Rechtsamtsleiter Hermann hingegen argumentierte anders: „Rein die Kenntnis, dass es sich um ein Bordell handelt, gewährt keinen Bestandsschutz. Für uns reicht die formelle Rechtswidrigkeit aus. Das Cleopatra ist ganz sicher nicht genehmigungsfähig.“

Der Vorsitzende Richter Oswald bemühte sich um eine gütliche Einigung - und stieß bei den Parteien auf Granit. Am heutigen Freitag will er ein Urteil fällen.

(zim)

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