Michael B. (57) aus Erding tauchte in Südamerika unter

Vor neuem Mord-Prozess: tz entdeckt Frauenarzt in Chile

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Michael B. (57) ­streichelt einen ­Welpen. Das Foto wurde in Chile ­aufgenommen, ­wohin sich der ­Frauenarzt abgesetzt.

Erding - Die tz hat den unter Mordverdacht stehenden Professor Michael B. (57) aufgespürt – und weiß, wann und wo er sich aufgehalten, wo er gewohnt und mit wem er Kontakt gehabt hat.

Jetzt sind ihm die Fahnder auf den Fersen! Der Erdinger Frauenarzt, der vor drei Jahren in Pretzen seine Ehefrau ermordet haben soll und nach der Aufhebung seines Freispruchs in Chile untergetaucht ist, könnte noch heuer nach Deutschland ausgeliefert werden. Die tz hat Professor Michael B. (57) aufgespürt – und weiß, wann und wo sich der gesuchte mutmaßliche Mörder aufgehalten, wo er gewohnt und mit wem er Kontakt gehabt hat.

Seit Februar ist er in Chile. Er soll sich regelmäßig in der deutschen Gemeinschaft der Clinica Alemana und am Goethe Institut in Santiago aufgehalten haben. Dort, wie auch an späteren Aufenthaltsorten, war seine Vorgeschichte wohl nicht bekannt.

Michael B.’s Ehefrau Brigitte wurde ermordet. Ob ihr Ehemann der Täter ist, ist noch unklar.

Rückblick: Michael B. soll am 4. Dezember 2013 im gemeinsamen Reihenhaus in Pretzen seine Gattin Brigitte (60) getötet haben. In einem zwei Monate langen Indizienprozess vor dem Landgericht Landshut wurde der Frauenarzt aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Im März kassierte der Bundesgerichtshof auf Antrag der Staatsanwaltschaft das Urteil. Als B. davon Wind bekam, tauchte er unter. Die Spur führte nach Chile. Die Landshuter Behörden stellten einen Auslieferungsantrag – kein leichtes Unterfangen bei einem Staat, mit dem die Bundesrepublik keinerlei juristische Abkommen hat. Bis Herbst dauerte es, bis alle Prozessakten ins Spanische übersetzt waren. Mittlerweile sind sie in Südamerika angekommen.

Sowohl Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft als auch Rainer Wiedemann vom Landgericht wollten sich nicht näher zum Verfahrensstand äußern. Beide erklärten lapidar: „Unser Antrag auf Auslieferung läuft.“ Ob B. kurz vor der Festnahme steht oder bereits inhaftiert ist, beantworten sie nicht. Mit keiner Silbe wollen sie das sensible Verfahren mit Chile gefährden.

Nach seiner Ankunft in Südamerika im Frühjahr soll der Gynäkologe etwa drei Monate in einer kirchlichen Gemeinde Unterschlupf gefunden haben. Es wird nicht ausgeschlossen, dass der Kontakt bereits vorher durch Vermittlung deutscher Kirchenkreise zustande gekommen ist. Belegt ist das aber nicht.

In Erding arbeitete Professor Michael B. (57) als niedergelassener Frauenarzt.

In Santiago soll er in einem Zimmer in einer Wohnung einer deutschstämmigen 84-Jährigen logiert haben. Besagte Maria Luisa (ihr Nachname ist unbekannt) nimmt angeblich immer wieder Deutsche auf, die am Alemana Hospital arbeiten. Wie der Erdinger Anzeiger erfahren hat, war B. dort wieder als Frauenarzt tätig. Zuletzt soll sich B. in der Küstenstadt Papudo aufgehalten haben – in der Wohnung seiner neuen Freundin. Wohl erst im Oktober ist er bei P.A. (nur die Anfangsbuchstaben der Partnerin sind bekannt) eingezogen. Er kommuniziert mit einem chilenischen Handy per WhatsApp.

Das Landgericht Landshut hatte Michael B. (57) aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Die Landshuter Zeitung berichtete, Michael B.’s Festnahme stehe kurz bevor. Das ist aber nicht bestätigt. Sollten die chilenischen Behörden auf das Gesuch eingehen, könnte der Frauenarzt noch vor Weihnachten wieder in Deutschland sein – fast genau drei Jahre nach dem mutmaßlichen Mord. für den er sich erneut vor dem Landgericht Landshut verantworten muss. Im neuen Prozess könnten die zahlreichen Indizien gegen ihn anders interpretiert werden. Genau das hatte der BGH nämlich kritisiert und das Urteil kassiert.

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