Vor Gericht

Weßlinger (19) zeigt Polizisten Stinkefinger

Weßling - Jemanden den Stinkefinger zeigen, kann richtig Ärger geben. Erst recht, wenn es sich dabei um einen Polizisten handelt. Ein 19-jähriger Mann aus Weßling hat so jetzt wegen Beleidigung Sozialstunden und eine Standpauke vom Amtsgericht kassiert.

Angeblich hatte der 19-Jährige es „nicht mit Absicht gemacht“, doch weil zwei Polizeibeamte der PI Planegg den gereckten Mittelfinger des Weßlinger Gymnasiasten auf sich bezogen und Strafanzeige erstattet hatten, musste sich der junge Mann nun wegen „Beleidigung in zwei tateinheitlichen Fällen“ am Starnberger Amtsgericht verantworten.

Im Februar 2015 waren die beiden Polizisten im Zusammenhang mit einem Notruf nach Martinsried beordert worden: Als sie bei der Überprüfung einiger angetrunkener Jugendlicher auch auf den Weßlinger trafen, machte der die „Stinkefinger“-Geste - dem Gericht suchte er nun weis zu machen, der „Finger“ habe nicht etwa den Beamten direkt gegolten, sondern sei im Gespräch mit einem Freund passiert - als Demonstration, wie er die Kontroll-Aktion der Polizei am liebsten kommentieren würde, also im Konjunktiv.

Einer der beiden damals beleidigten Beamten sagte im Zeugenstand aus, bei der Personenüberprüfung sei „relativ viel Negatives über die Polizei gesprochen“ worden, zum Beispiel, „was das doch für ein Scheiß-Job sei“ und so weiter. Der eindeutig in ihre Richtung gezeigte Mittelfinger habe dann „die Grenzen überschritten“, so der 45-jährige Polizist, der bestätigte, dass der Angeklagte und seine Kumpane unter offenkundiger Alkoholeinwirkung gestanden waren: „Die haben uns überhaupt nicht ernst genommen.“

Richter Ralf Jehle fragte den Weßlinger im Prozess ganz direkt, ob er „ein generelles Problem habe“ mit der Polizei. Laut Anklage hatten der Schüler und andere bei der Kontrolle auch noch „polizeifeindlichen Deutsch-Rap“ von ihrem Smartphone ertönen lassen: „Fuck the Police“ von der Gruppe „One Eight Seven“ und Ähnliches. Jehle fachkundig: „1, 8, 7 steht für den Mord-Paragraphen im US-Strafrecht.“ Der Weßlinger ergänzte: „Das steht auch für die Postleitzahl von Kalifornien.“ Nein, er habe eigentlich kein spezielles Problem mit der Polizei, so der 19-Jährige, er sei damals halt schon auf zwei Partys gewesen und entsprechend angetrunken. Beim Beamten der PI Planegg entschuldigte er sich noch im Gerichtssaal, wenn auch erst nach einer Aufforderung durch den Richter.

Jehle verurteilte den jungen Mann schließlich zu 32 Stunden sozialer Dienste, abzuleisten bis 20. Januar 2016. „Ihr Verhalten war deutlich auf Provokation der Polizei angelegt. Man muss sich einfach klar machen, dass Polizeibeamte einfach einen der schwierigsten und härtesten Jobs machen, die es in diesem Lande gibt - sie verdienen jeglichen Respekt“, las der Richter dem Verurteilten die Leviten.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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