Kommt ein Jahrhundertwinter?

Diplom-Meteorologe lästert über Königskerzen-Prognose

+
Josef Haslinger und seine Wetterkerze (Archiv).

Wiesbaden/Bad Tölz - Seit Jahren prognostiziert Sepp Haslinger aus Benediktbeuern mit seiner Wetterkerze, wie der Winter wird, dieses Jahr soll er lang und schneereich werden. Alles Humbug, meint ein Meteorologe.

Nicht immer sind Bayerns Wetterexperten einer Meinung. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Methoden – und stellen deswegen nicht unbedingt die gleichen Prognosen auf.

Sepp Haslinger zum Beispiel, 73 und Hobby-Meteorolge aus Benediktbeuern im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen, sagt anhand des Blütenstands der Königskerze in seinem Garten voraus, wie der Winter wird. Dank ihr prognostizierte er im August, dass es Mitte Oktober das erste Mal schneite und dass es viel und lange Schnee geben werde diesen Winter - nämlich bis Ostern. Mit dem ersten Schneefall Mitte Oktober hatte er recht, wie sich herausstellte - tatsächlich schneite es in dieser Zeit in Nordbayern. Ob er auch mit dem harten, langen Winter richtig liegen wird, muss sich zeigen.

Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net glaubt das nicht. Die Meldungen zum kommenden Winter werden immer verrückter, sagt er in Richtung Königskerze. Und kritisiert: Erst mache das Gespenst eines Jahrtausendwinter, ausgelöst durch den Blütenstand einer Pflanze die mediale Runde, nun seien es Zwergschwäne die angeblich einen eisigen und schneereichen Winter ankündigen. Damit bezog er sich auf eine Meldung, die jüngst das Wetterportal "wetteronline" veröffentlicht hatte. 

"Mit Seriosität hat das alles nichts mehr zu tun"

„Da werden Pflanzen und Tiere herangezogen, um Prognosen für eine ganze Jahreszeit zu erstellen. Mit Seriosität hat das alles nichts mehr zu tun. Ich habe zuhause auch eine Katze, die hat sich aktuell viel Winterspeck angefressen. Aber daneben besitze ich noch eine weitere Katze. Die ist allerdings ganz rank und schlank- deutet das also nun im Mittel auf einen normalen Durchschnittswinter hin?“, fragt Jung in einer Pressemitteilung, die er am Mittwoch veröffentlichte.

Jung, Redaktionsleiter des Portals wetter.net, wird selbst immer wieder nicht nur mit Wettervorhersagen, sondern oft mit Langzeitprognosen zitiert wird, die gerne auch Superlative enthalten. Die Stiftung Warentest hatte "wetter.net" vergangenes Jahr das Prädikat „schwächste Vorhersage“ verliehen.

Doch jetzt scheint er nichts mehr von Langzeitprognosen zu halten. "Aus fachlicher Sicht sind diese Methoden ganz und gar nicht haltbar. Da kann man genauso gut raten." Die einzig auf fachlichen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauende Methode seien die sogenannten klimatologischen Wintertrends. Diese würden mit Großcomputern von diversen internationalen Wetterdiensten berechnet. Aber selbst diese könnten sich irren, denn die Trefferquote sei gering. "Die Forschung steckt in Sachen langfristiger Wetterprognose noch in den Kinderschuhen."

Die Vorhersagen der Königskerze - nichts als Zufall?

Ähnlich äußert sich Völker Wünsche, Bayerns Chef-Meteorologe. Er leitet den Deutschen Wetterdienst in München – und betont immer wieder: "Wettervorhersagen, die über zehn Tage hinaus gehen sind nicht seriös." Wenn sie stimmten, stecke dahinter nichts als Zufall. Die Vorhersagen der Meteorologen basieren auf vielen Daten vieler Wetterstationen, die an einen Großcomputer in Offenbach gesendet werden.

Die Vorhersagen der Königskerze - nichts als Zufall also? Haslinger schwört trotzdem auf sie. Der einfach Grund: "Es stimmt immer." Die Kunst des Königskerzen-Lesens hat er nicht erfunden. Als kleiner Bub sei er einmal aufmerksam inmitten einer Runde älterer Herren gewesen, die sich intensiv über diese Methode der Wettervorhersage unterhielten. Und irgendwann habe er es selbst einmal ausprobiert - mit Erfolg. Inzwischen bekommt Haslinger wegen seines Rufs als Wetterprophet regelmäßig Anrufe. Zum Beispiel von Fuhrunternehmern, die von ihm wissen wollen, wie viel Personal sie diesen Winter für den Winterdienst einplanen müssen.

kf

https://youtu.be/wSEcCAQv7qI

auch interessant

Meistgelesen

Schon sein 3. Opfer! "Zuhälter-Schorsch" hat's wieder getan
Schon sein 3. Opfer! "Zuhälter-Schorsch" hat's wieder getan
Gewalttat in Maisach: Mann tötet Lebensgefährtin
Gewalttat in Maisach: Mann tötet Lebensgefährtin
Er schlug immer wieder zu: Die kaputte Welt des Frauenmörders
Er schlug immer wieder zu: Die kaputte Welt des Frauenmörders
Banküberfall in Taufkirchen: Täter rennt Polizei in die Arme
Banküberfall in Taufkirchen: Täter rennt Polizei in die Arme

Kommentare