Vor dem Starnberger Amtsgericht

Zwillings-Posse: Wer ist hier zu schnell gefahren?

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Alexander-Klaus Stecher (r.) mit seinem Zwillingsbruder Manfred.

Starnberg - Moderator Alexander-Klaus Stecher muss sich derzeit vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: 37 Stundenkilometer zu schnell gefahren. Doch er sagt: Es war mein Zwillingsbruder.

"Aha, der Zwillingsfall wieder!" Richterin Christine Conrad bringt am Montagmorgen im Starnberger Amtsgericht zum Ausdruck, dass ihr das Vorbringen des Verkehrssünders nicht ganz neu ist. Wegen einer Geschwindigkeitsübertretung von 37 Stundenkilometern auf der A 96 bei Wörthsee im September 2015 muss sich der bekannte Schauspieler und Moderator Alexander-Klaus Stecher laut Starnberger Merkur verantworten.

Es geht um nicht mehr als eine Ordnungswidrigkeit, dennoch macht der 48-Jährige zunächst keine Angaben außer der, dass er „Medienunternehmer“ sei – den Rest trägt sein Anwalt vor. Erster Satz: „Der Zwillingsbruder ist gefahren.“

Beide Zwillinge arbeiten im gleichen Medienunternehmen

Der in Herrsching lebende prominente Mandant hat in Rosenheim tatsächlich einen Zwillingsbruder, Manfred. Und weil beide auch noch gemeinsam ein Medienunternehmen betreiben und dessen Fuhrpark nutzen, könnte eben auch jener Manfred im September auf der A 96 zu schnell Porsche gefahren sein. Der Zwillingsbruder also. Richterin Conrad zeigt sich gewappnet: „Den haben Sie hoffentlich gleich mitgebracht?“

Die Verteidigung bedauert, der sei noch „im Pfingsturlaub“. Man könne aber Fotos anbieten, auf denen beide Brüder gesichtsmäßig gemeinsam abgelichtet sind. Conrad nimmt die Bilder kurz in Augenschein und urteilt über den Zwillingsbruder: „Der hat ja eine ganz andere Gesichtsform, anderes Kinn, anderen Haaransatz!“ Die Verteidigung murmelt etwas von „bartlos“. Stecher wischt auf seinem Smartphone herum für weiteres Material zum Beweis der Zwillingsähnlichkeit. Die Richterin nimmt ihnen derweil schon fast jegliche Hoffnung. Sie habe neulich eine TV-Dokumentation gesehen, die belegte, dass sogar eineiige Zwillinge „im Alter immer unähnlicher werden“.

"Die haben das wahrscheinlich schon in der Schule genutzt"

In ihrer Praxis als Richterin sei dies „schon der dritte oder vierte Fall“, dass ein potenzieller Verkehrssünder mit der Zwillingsnummer daher komme. Die Verteidigung tastet sich vor: Ob eine Einstellung des Ordnungswidrigkeitsverfahrens...? Conrad muss schmunzeln: „So einfach kann ich’s den Zwillingen nicht machen – die haben das wahrscheinlich schon in der Schule für die Mathe-Arbeiten genutzt!“

Man verständigt sich schließlich darauf, die Hauptverhandlung so lange auszusetzen, bis beide Brüder für eine Gegenüberstellung Zeit haben: Stecher, der vielbeschäftigte Medienunternehmer, soll eine anstehende Tournee nicht unterbrechen müssen. Und Stecher II, sein Zwillingsdouble, muss erst mal aus dem Urlaub zurück kommen. Es dürfte Oktober werden, bis die Sache geklärt ist.

Thomas Lochte

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