Starke Frauen

100 Jahre BMW: Drei Mitarbeiterinnen stellen sich vor

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Sabine Häfelein hat in der Karosseriemontage die Verantwortung für 90 Kollegen.

München - Vier von fünf Mitarbeitern (81,9%) bei BMW sind Männer. Noch, denn der Automobilhersteller, der 122000 Mitarbeiter in über 140 Ländern beschäftigt, will den Frauenanteil deutlich erhöhen. Auch in Führungspositionen.

Seit 2005 stieg der Anteil von Frauen im außertariflichen Bereich von 7,4% auf 11,9%, der Anteil weiblicher Führungskräfte lag bei 14,5%.

Wie funktioniert Karriere bei BMW? Die tz sprach mit drei Top-Mitarbeiterinnen.

Technik als Berufung

Sabine Häfelein (Prüfcubingleiterin)

Erst die blaue Latzhose und Sicherheitsschuhe am Montageband, dann der grüne Meisterkittel und nun die blaue BMW-Weste: Seit etwas über einem Jahr arbeitet Sabine Häfelein als Prüfcubingleiterin bei BMW. Prüfcubing? „Ich bin für die geometrische Absicherung aller Exterieur- und Interieur­anbauteile von einem neuen Fahrzeugmodell zuständig“, erklärt sie. „Wir überprüfen die Montagefähigkeit der Bauteile, ihre Qualität und teilweise auch ihre Funktionalität.“ Ein Prozess mitten in der Entwicklungsphase und noch weit von der Serienreife eines Fahrzeugs entfernt. Die 29-Jährige kann quasi in die Zukunft sehen. Und trägt damit trotz ihres jungen Alters schon eine Menge Verantwortung.

Ob sie die auch schon im Blick hatte, als sie vor 14 Jahren bei BMW ihre Ausbildung zur Konstruktionsmechanikerin begann? Fakt ist, die junge Frau hat mit ihren nicht mal 30 Jahren eine beeindruckende Karriere hinter sich: Mit nur 23 Jahren wurde sie bereits Karosserie- und Fahrzeugbau-Handwerksmeisterin in der Karosseriemontage und trug in ihrer Schicht die Verantwortung für rund 90 meist männliche Mitarbeiter und natürlich für die BMW-Fahrzeuge. „Es zählt das Können, nicht das Geschlecht“, glaubt die junge Frau, angesprochen auf die Akzeptanz bei den Kollegen. „Ehrgeiz sollte man mitbringen.“ Und gibt aber auch zu: „Ja, vielleicht muss man als Frau doch eine Schippe mehr drauflegen, um sich zu beweisen.“ Sie habe in jedem Bereich das Glück gehabt, schnell integriert zu werden. „Ich habe nie negative Erfahrungen gemacht.“

Häfeleins Herz hängt – so lange sie denken kann – an der Technik. Verantwortlich dafür ist der Papa, BMW- und Oldtimerfan, mit dem die Münchnerin von klein auf an Autos bastelte und schraubte. „Da wurde ich als Mädel schon mal verwundert angeschaut. Aber das war für mich so normal.“ Und so wurde die Leidenschaft inzwischen zur Berufung.

Wenn es um ihren Arbeitgeber geht, gerät die sportbegeisterte junge Frau schon mal ins Schwärmen: „Ich bin überzeugt von unseren tollen Produkten. Ich sehe die Modelle ja schon in einer sehr frühen Phase – allein das erzeugt Vorfreude. Hinzu kommen bei mir – und das soll nicht platt klingen – der Spaß an der Arbeit, die Freude, im Team zu arbeiten, dieser Zusammenhalt, das Familiäre.“ Obwohl sie in ihrer Abteilung und als eine von drei Prüfcubingleitern die einzige Frau ist …

Apropos Familie: Familienplanung, darüber macht sich Sabine Häfelein noch keine Gedanken. „Man wird sehen, was die Zukunft bringt.“ Aber beruflich, da will sie sich auf jeden Fall weiterentwickeln. „Im technischen Bereich, gerne in der Fahrzeugentwicklung oder Fahrzeugproduktion.“

Katrin Basaran

Ihr Antrieb ist echte Leidenschaft

Hildegard Wortmann Vizepräsidentin (Produktmanagement)

Hildegard Wortmann lehnt eine Frauenquote ab. Entscheidend für die Karriere seien gute Ideen.

Hildegard Wortmann steht nicht so gern im Vordergrund. Das merkt man ihr sogar am Telefon an. Ihre Arbeit bei BMW ist ihre Leidenschaft, dass sie aber über ihre Rolle als Frau in einer Spitzenposition im Unternehmen sprechen soll – sie ist seit sechs Jahren Senior Vice President Produktmanagement BMW und segnet damit jedes Automodell ab, bevor es auf den Markt kommt, – behagt ihr nicht: „Um ehrlich zu sein: Ich hatte nie Probleme, mich durchzusetzen, und denke nicht, dass das eine Frau-Mann-Geschichte ist. Wer gute Ideen hat, kommt im Konzern auch gut voran.“

Es gehöre zur Unternehmenskultur, Frauen und Männer gleichermaßen zu fördern. Und gehe es darum, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, biete BMW verschiedenste Modelle, etwa die Möglichkeit, mobil zu arbeiten oder auch eine Betriebskita. Wortmann: „Wir sind zwar ein Weltkonzern, aber doch mit Familiengefühl. Klar gibt es Spielregeln. Aber für mich zählt in erster Linie das Arbeitsergebnis und nicht die Präsenz eines Mitarbeiters.“

Das Thema Frauenquote sieht Wortmann, die selbst keine Kinder hat, ambivalent: „Die öffentliche Diskussion ist sicher notwendig und zielführend.“ Es gehe ja darum, Stereotype abzubauen, auch unbewusste. „Wenn aber schlicht Zahlen zu erfüllen sind, empfinde ich das als absurd und auch kränkend.“ Sie wolle schließlich auch selbst nicht Quotenfrau sein. „Und ich will auch nicht nach Vorgaben entscheiden müssen. Ich will die besten Mitarbeiter im Team. Wenn es dann eine Frau ist, freue ich mich umso mehr, aber es kann nicht das erste Entscheidungskriterium sein.“

1998 stieg die heute 49-jährige studierte Betriebswirtschaftlerin nach acht Jahren Unilever bei der BMW-Schwester-Marke Mini ein. Im Marketing. Mittlerweile hat sie sich zusätzlich jede Menge technisches Wissen angeeignet. „Für meine jetzige Position ist ein gewisses Grundverständnis in Sachen Technik unverzichtbar, aber noch viel wichtiger ist, eine Leidenschaft für Autos und natürlich für die Marke in sich zu tragen.“

Leidenschaft, dieser Begriff scheint für Wortmann mehr als eine Plattitüde zu sein. Sie durchdringt sie: „Es ist mir bewusst, dass ich einen super Job habe. Dass ich riesige Gestaltungsmöglichkeiten habe und mit tollen Menschen arbeiten kann. Ich gebe viel, ich bekomme aber auch viel zurück.“ Auch die Sympathie ihrer Mitarbeiter, die ihren Rat suchen. Ist ihr Führungsstil ein anderer als der ihrer männlichen Kollegen? „In einem männlich dominierten Arbeitsumfeld kann man als Frau vielleicht humoristischer an manche Dinge herangehen, mit einem Lächeln deeskalierend wirken. Ich muss mich nicht verkünsteln, will nicht brettelhart sein, sondern authentisch. Ich komme gern mit einem Lächeln durch die Tür. Ich bin eine Frohnatur. Und damit müssen dann alle klarkommen.“

BMW-verstrahlt sei sie übrigens nicht, betont Wortmann noch lachend. Es gebe auch ein Leben außerhalb des Unternehmens, in dem sie gern Sport treibe, am liebsten unter freiem Himmel. „Und natürlich habe ich als kleines Mädchen auch mit Puppen gespielt“, lacht sie. Aber da ist es dann doch wieder, das Faible und die Leidenschaft für die Marke aus München: „Meine größte Freude als junge Frau war, als ich mir von meinem ersten Geld meinen ersten BMW kaufen konnte, einen fabrikneuen 3er.“

KB

Visionen werden wahr

Julia de Bono (Projektleiterin Designstudien)

Blick in die BMW-Zukunft: Julia de Bono hatte die Federführung beim Projekt Vision Next 100.

Was wird aus der „Freude am Fahren“, wenn Autos sich selbst steuern? Wenn’s bei BMW darum geht, Visionen zu entwickeln und Antworten auf die Fragen der Zukunft zu finden, dann ist Julia de Bono gefragt. Die Designerin und Projektleiterin Designstudien BMW Automobile war federführend beim Projekt Vision Next 100. Eine flexible Außenhülle über den Rädern, ein Steuermodul im Inneren, das nur noch entfernt an ein Lenkrad erinnert, und Sitze, mit denen sich Fahrer und Beifahrer einander zudrehen können, wenn das Fahrzeug autonom unterwegs ist … Faszinierend! Wie kommt man auf so etwas? Wenn man das Ziel hat, „mit digitaler Intelligenz und intuitiven Technologien den Fahrer zum ,Ultimate Driver’ zu machen“, wie Julia de Bono das ausdrückt. Das heißt, einen BMW baut, der – wenn man das will – auch selbst fährt. Und der zukünftig genauso viel Fahrspaß bereiten soll wie bisher – oder, wie de Bono hofft: „Vielleicht sogar noch mehr.“

Die Designerin, die ihr Diplom vor elf Jahren im englischen Coventry gemacht hat, liebt Herausforderungen, sucht leidenschaftlich gern nach Lösungen, an die noch niemand gedacht hat, schlägt Wege ein, die noch keiner beschritten hat. „Etwas das erste Mal tun“ – das treibt sie an. Und das sie das bei BMW verwirklichen kann, ist für sie ein Glücksfall. Zumal ihr der Konzern – und ein verständnisvoller Chef – auch noch die Möglichkeiten bietet, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Denn die Managerin, die im Rahmen des Projekts für ein Team an Exterieur- und Interieur-Designern sowie Ingenieuren zuständig ist, hat nicht nur Karriere gemacht, sondern „zwischendurch auch noch zwei Kinder gekriegt“, wie sie sagt. „Und das ist, wie bei allen Eltern, natürlich ein Balanceakt. Zumindest wenn man Hochleistungen bringen will und beides liebt: Ich liebe meine Kinder, aber ich liebe auch meinen Job.“

Es habe eine Weile gedauert, so de Bono, bis es ihr gelungen sei, sich von der Vorstellung zu befreien, überall perfekt sein zu müssen. Inzwischen habe sie aber darüber hinaus auch noch die Erfahrung gemacht, dass sie von ihrer Mutterrolle im Job profitiere: „Meine Kinder öffnen mir in vielen Dingen die Augen. Das ist unglaublich.“

Und glücklicherweise bekommt man Inspirationen nicht nur im Büro – sondern auch auf dem Spielplatz. „Ich arbeite ja überall“, so de Bono, „das geht gar nicht anders.“ Ideen sprudeln auch in der U-Bahn oder beim Autofahren. Aber auch auf der Couch.

Hätte sie denn Lust, vielleicht mal was ganz anderes, vielleicht ja einen Spielplatz zu gestalten? Daran verschwendet die Managerin keinen Gedanken: „Die Natur ist der beste Spielplatz. Das ist perfekt.“ So hat sie es auch selbst erlebt. Aufgewachsen in einer sehr autoaffinen Familie (ihr Vater ist Aerodynamiker) tobte sie am liebsten durch Wald, Wiesen und den Matsch: „Meine Eltern ließen mir die Freiheit, alles selbst zu erkunden.“ Und dieses Fundament trägt sie durchs Leben. Die Natur immer im Sinn: Für ihre Diplomarbeit entwickelte sie ein völlig neues Klimatisierungskonzept für Autos, ganz naturbezogen, ohne Klimagerät. Und auch wenn’s um die Ästhetik geht, lässt sie sich gern von der Natur leiten.

Die Autos der Zukunft könnten ihrer Ansicht nach übrigens wieder völlig anders aussehen als heute: „Die Automobilwelt spiegelt immer extrem den Geist ihrer Zeit wider. Zuletzt wurde jahrzehntelang über Perfektion nachgedacht. Die haben wir praktisch erreicht. Aber durch das automatisierte Fahren wird sich vieles verändern. Auch das Design! Es gab in den 1950er-, 60er-, 70er Jahren viel Pioniergeist. Vielleicht erleben wir das ja wieder. BMW ist da extrem visionär unterwegs. Das ist genau meine Spielwiese!“

Wolfgang de Ponte

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