Die Folge: Verspätungen

100 Mal am Tag: Autofahrer blockieren Busse und Trams

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Ein Auto blockiert am Lenbachplatz den Fahrtweg der Tram.

München - 40.000 Mal pro Jahr melden Tram- und Busfahrer über das Bordsystem: Haltestelle oder Fahrtweg blockiert, häufig durch Autos. Die Folge: Verspätungen, oft müssen Fahrgäste in Ersatzbusse umsteigen. 

München wächst seit Jahren um zigtausende Einwohner – und damit verdichtet sich auch der Verkehr. Das dürfte jedem klar sein, der zu Berufszeiten versucht, zügig durch die Stadt zu manövrieren. Vor allem Fahrer der öffentlichen Verkehrsmittel spüren das. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) führt eine tagesaktuelle Statistik darüber, wie häufig Bus, Tram und U-Bahn vor einer Blockade stehen. Das Ergebnis: sehr, sehr oft. 

Während U-Bahnen vom überirdischen Verkehr unabhängig sind, leiden Bus- und Tramfahrer besonders unter falsch parkenden Autos. „Ein Bus kann den Falschparker häufig umfahren. Aber die Tram ist ja an den Verlauf der Schienen gebunden. Da passiert es häufiger, dass starke Behinderungen auftreten“, sagt Matthias Korte, Sprecher der MVG. Unglaubliche 40.000 Mal jährlich informieren Tram- und Busfahrer ihre Verkehrszentrale: „Blockade auf dem Fahrtweg“ oder „Haltestelle unterbrochen“, also im Schnitt mehr als einhundert Mal pro Tag. In den allermeisten Fällen beeinflusst das den Fahrplan nicht. Doch 160 Mal meldeten 2015 hauptsächlich Tram-Fahrer: „Fahrtweg unterbrochen“, also beinahe jeden zweiten, spätestens jeden dritten Tag. Das heißt dann im Klartext: Nichts geht mehr, dutzende Fahrgäste müssen aussteigen und zu Fuß weitergehen oder auf den Schienenersatzverkehr (SEV) warten. 

Auch der nachfolgende Tram-Verkehr verzögert sich unter Umständen. Kann der Fahrer des blockierenden Fahrzeugs nicht sofort ermittelt werden, ruft der Tramfahrer nach Polizei und SEV. Seit 2015 dürfen sogar MVG-Fahrer in Absprache mit der Polizei das Abschleppunternehmen herbeirufen, um Zeit zu gewinnen, bis die Polizei vor Ort ankommt. So löst sich der Verkehrsknoten etwas schneller. Insgesamt kann das für den Falschparker richtig teuer werden: 200 bis 500 Euro kostet der Einsatz von Extrafahrzeugen, meist Busse der MVG oder sogar Taxis. Hinzu kommen einige hundert Euro für den Abschleppdienst und die Geldbuße für die Ordnungswidrigkeit wegen Falschparkens. Die Folge: Ärger unter den Fahrgästen. Manche versuchen schließlich, rechtzeitig zu einer Verabredung zu fahren und haben vielleicht auf das eigene Auto verzichtet. Dann ist der Frust besonders groß. 

Autofahrer unterschätzen oft den Abstand, den sie zur Tram brauchen

Der häufigste Fehler der Autofahrer: Sie unterschätzen, wie viel Abstand sie halten müssen, damit die Trambahn noch vorbeirollen kann, quasi eine Unachtsamkeit. Manchmal fehlen nur Zentimeter – und die Tram hätte locker vorbeigepasst. Ist der Winter besonders schneereich, erhöht sich die Zahl der totalen Blockaden sogar. Denn: Liegt Schnee auf der Fahrbahn, sind die Begrenzungslinien nicht mehr sichtbar und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Autofahrer zu nah an den Gleisen parken oder zu nah an der Straßenmündung. „Im Jahr 2014 fiel mehr Schnee als 2015, da meldeten unsere Fahrer sogar 197 verparkte Haltestellen“, sagt Korte. 

Die MVG kann Autofahrern nur zu Achtsamkeit raten, versucht aber auch zu ändern was in ihrer Macht steht. Bei Trambahnen gibt es hingegen wenig Spielraum. Doch wenn Gleiserneuerungen anstehen, werden sehr schmale Parkstreifen neben Haltestellen einfach aufgelöst, so, wie an der Baaderstraße. Hier war die Gefahr besonders groß, dass sich Autofahrer verparken. Wenn möglich wird der Seitenstreifen an Engpässen auch versetzt. „Wenn Bushaltestellen erneuert werden, versuchen wir, aus herkömmlichen Haltebuchten sogenannte Kaphaltestellen zu bauen. Dann verschwindet die Bucht und die Fahrgäste können einfacher einsteigen“, sagt Korte. So sinkt die Gefahr fast auf null, dass geparkte Autos die Haltestelle blockieren. Der Nachteil, dass bei Kaphaltestellen Autofahrer am haltenden Bus nicht mehr vorbeifahren können, wird dabei in Kauf genommen.

Hüseyin Ince

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