In der S-Bahn liegen gelassen

100.000-Euro-Geige weg: Für die Familie eine Tragödie

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München - Die 250 Jahre alte Geige, die eine Frau in der S-Bahn hat liegen lassen und die daraufhin geklaut wurde, ist knapp 120.000 Euro wert. Für die Besitzer-Familie ist der Verlust eine Tragödie.

Da wurde etwas richtig vergeigt: Täglich lassen Passagiere Wertsachen in öffentlichen Verkehrsmitteln liegen. Schirme, Jacken, Taschen – kann passieren! Eine 120 000-Euro-Geige verlieren? Sollte man vermeiden. Doch einer 37-jährigen Münchnerin ist genau das passiert. Die Ehefrau eines BR-Symphonikers hat die Edel-Fidel in der S-Bahn Richtung Starnberg vergessen. Der Super-GAU: Bilder einer Überwachungskamera im Zug zeigen einen Mann, der sich das Instrument später krallte und verschwand. Wer kennt ihn?

250 Jahre ist die Landolfi-Geige alt. Alleine der Bogen ist 16 000 Euro wert. Seit 16. April ist das Familienerbstück verschwunden. Die 37-Jährige war gerade auf dem Weg in die Starnberger Musikschule. Hochschwanger und dadurch gesundheitlich angeschlagen. „Ihr war damals sehr oft übel“, sagt ihre Schwiegermutter zur tz. Der 65-Jährigen gehört die Geige. Am „Tag der öffenen Tür“ wollte die Musik­lehrerin das Instrument ausnahmsweise präsentieren. Doch da kam das gute Stück gar nie an. Als die Frau beim Aussteigen in ein Gespräch mit einem Fahrgast verwickelt war, blieb der Geigenkoffer auf der Gepäckablage in der S-Bahn zurück. Als sie das Missgeschick bemerkte, waren die Türen des Zuges bereits geschlossen.

Sämtliche Suchmaßnahmen mit der Bundespolizei blieben ohne Erfolg. Dann lieferte die Auswertung der Überwachungskamera den Beweis. Ein blonder, muskelbepackter Mann nahm auf dem Rückweg in die Innenstadt unterhalb der Geige Platz. Ein paar ungläubige Blicke in das Kofferinnere und schon machte er sich am Stachus aus dem Staub.

Für die Familie ist der Vorfall eine echte Tragödie. Seit 25 Jahren ist die Geige in deren Besitz. Damals entdeckte der Ehemann der unglücklichen S-Bahn-Fahrerin – heute Konzertmeister im BR-Symphonieorchester – sein großes musikalisches Talent. Genau 118 410 Euro ist das Instrument aus dem Jahr 1758 laut Bundespolizei wert. Noch schwerer wiege aber der emotionale Verlust, erklärt die Eigentümerin. „Was die schon alles mitgemacht hat. Mein Sohn hat auf vielen Wettbewerben damit gespielt.“ Ihrer Schwiegertochter macht sie keine Vorwürfe: „Wir sind Menschen, keine Maschinen. Ihr Alptraum: „Dass sie im Müll gelandet und Schrott ist!“ 

Johannes Heininger

Johannes Heininger

E-Mail:Johannes.Heininger@tz.de

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