Diese Aktionen gibt's zum Geburtstag

140 Jahre Tram: Er ist einer der dienstältesten Fahrer

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Rudi Repges ist einer der langjährigsten Trambahnfahrer Münchens. Hier mit seinem Maskottchen, dem Engel Aloisius. Die ersten Trambahnen wurden von Pferden gezogen.

München - Die Münchner Tram feiert am Freitag 140. Geburtstag. Los ging es mit Pferdetrams, in den 1980er-Jahren drohte sogar mal das komplette Aus. Wir haben mit einem der langjährigsten Fahrer gesprochen.

Sie gehört zur Stadt wie die Frauenkirche - obwohl in den 1980er-Jahren sogar ihre Abschaffung drohte: Die Münchner Tram. Am heutigen Freitag feiert die Straßenbahn ihren 140. Geburtstag. Am 21. Oktober 1876 rollte die erste Tram durch die Stadt - damals noch von einem Pferd gezogen. 

Auch heute ist sie ein Politikum: Nach wie vor wird über die geplante West- und Nordtangente gestritten. Wir haben uns die Geschichte der Tram näher angesehen. Und mit einem der dienstältesten Fahrer der Stadt gesprochen. Zu guter Letzt lesen Sie, welche Aktionen am Freitag zum Jubiläum auf Sie warten.

Er ist einer der langjährigsten Trambahnfahrer

Der Engel Aloisius ist mit ihm als Maskottchen auf Münchens Schienen unterwegs: Rudolf „Rudi“ Repges (57) ist einer der dienstältesten Trambahnfahrer der Stadt. Im Oktober 1982 trat er seinen Job an - und hat die Liebe zur Straßenbahn auch nach 34 Jahren nicht verloren.

Auch wenn der Beruf des Trambahnfahrers oft „romantisierend“ beschrieben wird, wie Rudi Repges sagt. Ihn zieht an seinem Job vor allem eines magisch an: Die Schienen. „Ich kann in die Ferne - das symbolisieren sie für mich.“ 

Ein Ort mit Schienen öffne die Welt - auch wenn der Trambahnfahrer im Job-Alltag freilich nur in München unterwegs ist. Dass er sein eigener Herr ist, mag er an seinem Beruf, sagt der gebürtige Landshuter. Auch wenn der Verkehr in der Stadt mit der Zeit immer heftiger geworden sei und Unfälle leider für jeden Trambahnfahrer dazu gehörten.

Auch Rudi Repges ist das schon passiert, aber das Unternehmen lasse einen dabei nicht allein und helfe, erzählt er. Ein ruhiges Gemüt braucht ein Trambahnfahrer, davon ist er überzeugt.

Seit 13 Jahren fährt er im Schichtbetrieb spät. „Weil ich eine Nachteule bin.“ Gegen 16 oder 17 Uhr geht’s in der Regel los, bis um 2 Uhr in der Nacht ist Repges dann unterwegs. Danach fährt er mit dem Auto heim nach Pliening (Kreis Ebersberg). 

Als kleiner Bub war es Repges’ Wunsch, Lokführer zu werden. „Dann ist es eine Nummer kleiner geworden - aber mein Herz schlägt seitdem für die Tram.“ Besonders freut es ihn, wenn Fahrgäste kurz vor dem Aussteigen zu ihm sagen: „Danke für die gute Fahrt“. 

Als Repges 1982 eingestellt wurde, war die Zukunft der Straßenbahnen in München ungewiss. „Zu uns wurde gesagt, ab 1990 gibt es keine Tram mehr.“

Umso mehr freut er sich über den 140. Geburtstag der Straßenbahn am Freitag. In vier Jahren geht er als einer der dienstältesten Trambahnfahrer in Rente. Sein Wunsch: „Dass der Stadtrat in die Gänge kommt - und ich die Strecke der Tram-Westtangente noch fahre.“

Die Geschichte der Münchner Trambahn 

Klaus Onnich (53, Foto l.) ist Tram-Profi. Seit 20 Jahren arbeitet er bei der MVG und ist Archivar bei den "Freunden des Münchner Trambahnmuseums".

Tram-Experte Klaus Onnich.

Nach den ersten Pferde-Trams gab es ab 1895 elektrische Straßenbahnen. Lange Zeit fuhren diese über Strecken durch die Stadt, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können, so Onnich. Von 1888 bis 1968 etwa ging eine Tram mitten durch die heutige Fußgängerzone. Und fuhr durch das Karlstor zum Marienplatz. 

Die jetzige Fußgängerzone war damals eine Hauptverkehrsstraße. „Da fuhren auch Autos - die Tram stand teilweise im Stau.“ Mit 134 Kilometern hatte die Straßenbahn 1964 die größte Ausbreitung.

Zum Vergleich: Heute beläuft sich das Netz auf 80 Kilometer - hinzu kommen 100 Kilometer bei der U-Bahn. 1965 begann die Stadt mit dem U-Bahnbau, gleichzeitig schrumpfte das Tramnetz. In den 80er-Jahren wurde sogar diskutiert, die Tram abzuschaffen. 

Sie sollte durch U-Bahn und Busse ersetzt werden. Doch in Bussen haben viel weniger Passagiere Platz als in Trambahnen, so Onnich. Georg Kronawitter (†88) machte den Verbleib der Tram 1984 zum Wahlkampf-Thema - und wurde zum zweiten Mal OB. 

An eine Besonderheit in der Tram-Geschichte erinnert sich Klaus Onnich gerne: Die Dampftram. Sie fuhr ab 1883 vom Hauptbahnhof zum Volksgarten Nymphenburg. Die Strecke war zu weit für die Pferdebahnen …

Das Geburtstags-Programm 

Die MVG feiert das Tram-Jubiläum am Freitag, 21. Oktober, ab 16 Uhr im MVG-Museum in der Ständlerstraße 20 in Ramersdorf. Dort gibt es unter anderem Kinderschminken, einen Luftballon-Clown und Führungen. 

Wer schon immer mal mit einer Pferdetram fahren oder die benachbarte Tram-Hauptwerkstätte ansehen wollte, sollte vorbeikommen (Anmeldung vor Ort, Plätze begrenzt). 

Auch die reguläre Museumsausstellung können sich kleine und große Besucher natürlich ansehen. Ab 20 Uhr gibt’s dann ein kleine Party, ein DJ legt auf. Auch in der Stadt ist der Geburtstag präsent: Zwischen Max-Weber-Platz (U4/U5) und Schwanseestraße fahren zwischen 15.30 Uhr und 20.30 Uhr zwei Tram-Oldies aus den Baujahren 1911 und 1968. Oldtimer-Busse sind zwischen Giesing Bahnhof, Schwanseestraße und MVG-Museum im Einsatz. 

In der Innenstadt dreht von 14 bis 18 Uhr die "MVG MünchenTram" von 1957 ihre Runden. Sie bietet eine kultige Stadtrundfahrt (Start alle 30 Minuten an der Sonderhaltestelle Maxmonument). Alle Angebote sind kostenlos.

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