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Die 70er in München: Diese Stars hoben hier ab

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Joseph Buys und Andy Warhol.

Kultig, kultiger, 70er! Keine Epoche der Nachkriegszeit hat München so geprägt wie die 70er-Jahre. tz-Fotograf Heinz Gebhardt nimmt Sie mit auf ­eine Zeitreise. Diese Stars hoben in München ab.

„Teurer Sperrmüll“: Joseph Beuys

Als Ende der 70er-Jahre die Städtische Galerie im Lenbachhaus für 270.000 Mark das schwer zu beschreibende Kunstwerk Zeige deine Wunde von ­Joseph Beuys (Foto oben, links neben Andy Warhol) ankaufte, hagelte es ­zunächst mal Hohn und Spott über ­diesen „teuersten Sperrmüll aller ­Zeiten“. Der „Sperrmüll“, der als ­wichtiges Kunstwerk anerkannt ist, hat im neuen Lenbachhaus mittlerweile ­einen Ehrenplatz – hier gibt’s ja ­sogar eine eigene Beuys-Abteilung.

Sergiu Celibidache, Musik-Maurer

Sergiu Celibidache († 84) war seit 1979 Chef der Münchner Philharmoniker, eine absolute Ausnahmeerscheinung unter den Stardirigenten des Jahrhunderts. Von enthusiastischen Lobgesängen bis zur verständnislosen Kritik reichten die Reaktionen auf den „Celi“, wie die Münchner ihren Maestro liebevoll nannten. Bei einer Besichtigung des neuen Saales der Philharmonie im Gasteig hatte er sich einen Baustellenhelm aufgesetzt. Keine Fernsehkamera und kein Fotograf hatte den als Maurer verkleideten größten Dirigenten seiner Zeit erkannt, bis auf den Lichtbildhauer der tz. Und die druckte das Bauhelmfoto auf der ersten Seite. Celi war davon so begeistert, dass er 100 Autogrammpostkarten bestellte und das Bild dem Fotografen widmete.

Heintje feierte mit Spanferkel und Leberknödelsuppe

Einen Tag vor Heiligabend 1970 Riesengedränge vor dem Mathäser-Filmpalast. Alle wollten Heintje sehen – den Kinderstar mit der glockenschrillen Stimme: „Maaaaaaamaa! Und bringt das Leben mir auch Kummer und Schmerz, dann denk ich nur an dich, es betet ja für mich oh ­Mama dein Herz!“ Nach der Premiere von Heintje, mein bester Freund feierte man im Hotel Continental bei Leberknödelsuppe, Spanferkel und Apfel­strudel.

Thomas Gottschalk: Der Start

Thomas Gottschalk.

Hier sehen Sie Thomas Gottschalk im Jahr 1977 – da moderierte er die Wahl zur schönsten Badenixe Münchens, die von der tz veranstaltet wurde. Gerade hatte Gottschalk sein Fernsehdebüt im Jugendmagazin Szene gegeben. Und jetzt, umringt von hundert Bikini-Schönheiten, plauderte er das Dantebad voll mit seinen Sprüchen. Die tz war froh, einen so aufgekratzten, wenn auch noch ziemlich unbekannten Moderator an Land gezogen zu haben.

Uri Geller: Augen zu und kawumm

Uri Geller fährt mit verbundenen Augen Auto.

Der weltberühmte Löffelbieger Uri Geller ­besuchte ganz am Anfang seiner Karriere 1972 München. Um der tz seine übersinnlichen ­Kräfte zu beweisen, wollte er mit tz-Redakteurin Dagmar Granzow und mit verbundenen ­Augen mit dem Auto durch die Falkenturm­straße in die ­Maximilianstraße fahren. Die ­Geisterfahrt endete jedoch schon vor der Schreinerei ­Josef Dimpfl mit einem sauberen Crash gegen ein geparktes Auto.

Udo Jürgens: Kreisch-Alarm bei Udo

Er war zwar noch niemals in New York, aber dafür sehr oft in München – denn hier begann für Udo Jürgens die Karriere, als er 1965 in Schwabing mit 17 Jahr, blondes Haar einen Dauerbrenner landete. Anfang der 70er ­gehörte er schon zu den ganz Großen und ­füllte riesige Säle mit kreischenden Teenies wie etwa den Kongresssaal des Deutschen ­Museums. Legendär sein Privatleben: „Aus Platzgründen kann die Liste der Udo-Jürgens-Geliebten im Lexikon des Klatsches nicht vollständig aufgeführt werden, hier nur die wichtigsten Romanzen – also die, die länger als eine halbe Stunde gedauert haben.“

Gunter Sachs hebt ab

Auch Kunstsammler Gunter Sachs flog durch die Münchner Luft, als er 1970 in seinem neu gegründeten Modern Art Museum of Munich in der Stuck-Villa mit dem Pop-Künstler Cesar ein Schaumstoff-Happening veranstaltete, bei dem die Fetzen nur so flogen. Das gab’s nur einmal, das kam nie wieder …

Heinz Gebhardt

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