So inszenierte er seinen Tod

Münchens berüchtigster Abmahn-Anwalt begeht Selbstmord

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Diese Todesanzeige erschien auf der Homepage des Abmahn-Anwalts Günter Freiherr von Gravenreuth. Im Hintergrund: Am Verbindungshaus der Rhaetia, in dem sich der Anwalt erschoss, wehte die Fahne auf Halbmast.

München - Einer der umstrittensten Anwälte Deutschlands ist tot. Günter Freiherr von Gravenreuth, vielen bekannt als der "Abmahn-Anwalt", hat sich in München erschossen.

Am Morgen danach gab es statt seiner Homepage nur noch eine Traueranzeige. Und sogar sein Wikipedia-Eintrag kannte bereits seinenTodestag („gestorben am 22. Februar ebenda“). Günter Freiherr von Gravenreuth (61) – bundesweit bekannt geworden als der „Münchner Abmahn-Anwalt“ schlechthin – hat sich in der Nacht zu Montag das Leben genommen. Tausende User sind in den letzten Jahren von dem legendären „Internet-Schreck“ mit Abmahnungen und teuren Unterlassungserklärungen überzogen worden. Er war die Hassfigur der Internet-Blogger – und auch im Kollegenkreis äußerst umstritten wegen diverser Vorstrafen (Nötigung, Betrug, Untreue). Bevor er sich im Kneipsaal seiner ehemaligen Studentenverbindung in der Luisenstraße erschoss, versendete er per E-Mail einen „letzten Gruß“ an Menschen, die ihm wichtig waren.

Auch Steffen Wernery, Gründer des Chaos Computer Club, hat diese Abschiedsmail erhalten. Als Motiv gab Gravenreuth darin „Finanzprobleme, die nicht ausgestandene Strafsache (Anm. d. Red.: Ihm drohten 14 Monate Haft), der Verdacht auf Krebs – letztlich aber schwere Beziehungsprobleme und der Entzug seines sozialen Umfeldes“ an. Die Chronik eines angekündigen Todes:

Irgendwann nach Mitternacht schickte Günter Freiherr von Gravenreuth seine letzten E-Mails los. Um 1.30 Uhr verständigte ein tief besorgter Zeuge die Münchner Polizei. Da hatte von Gravenreuth auch im Chatroom eines Internetforums seinen kurz bevorstehenden Suizid angekündigt. Weil von Gravenreuth eine eingetragene Pistole besaß, wurde automatisch das für derart heikle Einsätze geschulte Sondereinsatzkommando (SEK) verständigt. In seiner Wohnung in Untersendling war der 61-Jährige jedoch nicht mehr, und auch in seiner Schwabinger Kanzlei suchte die Polizei vergeblich nach dem Anwalt.

Zu diesem Zeitpunkt saß der Jurist bereits ganz allein im Kneipsaal seiner ehemaligen Studentenverbindung Rhaetia, bei der er seit Januar dieses Jahres angeblich kein Mitglied mehr war, die ihm aber offensichtlich noch viel bedeutete.

Als die Polizisten gegen 3.30 Uhr in der Luisenstraße vorfuhren und im Eilschritt aufs Haus zuliefen, ertönte drinnen ein Knall. Gravenreuth hatte sich in den Kopf geschossen. Der Notarzt konnte ihm nicht mehr helfen.

Gravenreuth kam im Juli 1948 als Günter Werner Dörr in München zur Welt. Den adeligen Geburtsnamen seiner Mutter nahm er erst 1980 an. Seit 1981 war er in München als Anwalt zugelassen, bereits damals begann er seine Feldzüge gegen Raubkopierer, Urheberrechtsverstöße und Markenplagiate, die zuweilen skurrile Züge annahmen. Sämtliche große Parteien griff er wegen ihrer E-Cards an. Die Atomkraft-Gegner bekamen Post von ihm, weil sie die Asterix-Hefte umgetextet hatten („Asterix in Bombenstimmung“; etc). Und er gab sich als 15-jährige Tanja aus, um private Software-Tauscher zu erwischen. Zuweilen gingen die Feldzüge zu weit. Seine Kanzlei wurde von der Polizei durchsucht, Mandanten-Gelder verschwanden. Es folgten diverse Verurteilungen. Zuletzt wirkte von Gravenreuth zutiefst deprimiert.

Traurig schrieb Steffen Wernery gestern: „Scheinbar war der Freitod für ihn der einzige Ausweg, um sein Gesicht nicht zu verlieren. Möge er in Frieden ruhen.“

Dorita Plange

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