11 Geschichten aus 11 Jahrzehnten

Älteste Münchnerin feiert 110. Geburtstag - wir haben sie besucht

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Auguste Ehard mit Dieter Reiter (r.).

München - 110 Jahre. Eine lange Zeit, in der viel passiert ist. Die Münchner Auguste Ehard feierte am Dienstag ihren 110. Geburtstag - und hat viel zu erzählen.

Auguste Ehard

Am Freitag ereilte Seelsorger Wolfang Rothe eine traurige Nachricht: Auguste Ehard liege im Sterben, es sei nun so weit. Also hastete Rothe ins Altenheim St. Michael in Perlach: Krankensalbung. „Als ich ankam, saß sie schon wieder putzmunter am Esstisch“, sagt Rothe und lacht. Ehard hat sich nicht unterkriegen lassen – wieder einmal. Am Dienstag hat sie ihren 110. Geburtstag gefeiert.

Die 110 auf dem Kuchen.

Ehard ist nicht nur die älteste Münchnerin, sondern wohl auch die älteste Bayerin. Klar, da herrscht großer Trubel im Altenheim, Familie und Bekannte sind da, der Chef der Caritas, Presseleute. Auch OB Dieter Reiter bringt Glückwünsche. Ehard sitzt im Rollstuhl, sie genießt sichtlich die Anwesenheit ihrer beiden Urenkelinnen Veronika (9) und Melanie (3). Ständig klicken Fotoapparate, irgendwann ist es Ehard zu viel: „Jetzt reicht’s!“ Die Dame weiß nach wie vor, was sie will – und was nicht. 110 Jahre – da braucht’s einen eisernen Willen. Es ist schließlich viel passiert.

Elf Geschichten aus elf Jahrzehnten

1. Die Titanic sinkt am 14. April 1912, es sterben 1514 Menschen. Auguste Ehard: „Da war ich sechs Jahre alt.“ Wie sie das Unglück erlebte? „Daran kann ich mich nicht mehr so gut erinnern.“

2. Kaiser Wilhelm II. erhebt Trostberg bei einem Besuch zur Stadt. Die 7-jährige Ehard sah den Monarchen: „Das war der mit dem tollen Bart!“

3. Skifahren, dafür brannte Ehard – gelernt hat sie es noch im langen Rock. Weitere Sportarten: Rudern, Tennis, Wandern, Langlauf. „Ich hatte eigentlich nie einen festen Freund, weil ich keine Zeit hatte, für einen Mann“, erzählt Ehard. „Aber für Sport hatte ich immer Zeit.“

4. 1939 heiratet sie ihren Franz. Er wird eingezogen, später gerät er in Gefangenschaft. Acht Jahre ist er verschwunden. Dann steht er plötzlich vor der Haustür. „Das war eine schöne Überraschung“, sagt Ehard.

5. Die wundervollsten Momente ihres Lebens? Neben der Rückkehr des Ehemannes die Geburt ihrer Tochter. Heute sind ihre beiden Urenkelinnen ihre größte Freude.

6. Mit 19 Jahren zieht es Ehard in die große Stadt. In München beginnt sie eine Lehre zur Bankkauffrau. Der Stadt blieb sie bis heute treu.

7. Im Jahr 2003 zieht Ehard ins Altenheim um. Wenige Jahre zuvor bestieg sie noch die Berge in der Umgebung. „Es gefällt mir eigentlich ganz gut hier“, sagt Ehard. „Allerdings könnte das Essen ein wenig besser sein.“

8. Eltern, Freunde, Geschwister, der Ehemann – Auguste Ehard war auf vielen Beerdigungen. Die Kehrseite eines solch langen Lebens. Im Altenheim aber ist die 110-Jährige nicht allein: Hier leben noch vier weitere Menschen der Generation Ü 100.

9. 110 Jahre – Fluch oder Segen? „So alt zu werden, das ist schon eine Last“, sagt Ehard. Sie hört sehr schlecht, auch das Sehen fällt ihr schwer.

10. Gott und Glaube spielen eine wichtige Rolle in Ehards Leben. Jeden Sonntag geht sie in die Kirche.

11. Das Geheimnis ihres Alters? Hier sind sich die Geburtstagsgäste einig: Auguste Ehard hat stets gewusst, was sie will – und vor allem, was nicht. Ihr liebevoll gemeinter Spitzname im Altenheim: Frau General-Feldmarschall.

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