Software hilft

Albtraum Einbruch! So berechnet die Polizei die Gefahr

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Bernhard Egger, Leitender Kriminaldirektor beim LKA, erklärt in der tz, wie man Einbrüche dank einer Software verhindern kann.

München - Anders als im bundesweiten Trend, ist die Zahl der Einbrüche in Bayern und München rückläufig. Das hängt auch mit einer speziellen Software zusammen, die der Leitender Kriminaldirektor erklärt.

Alarmierende Zahlen aus der Kriminalstatistik! Im Vergleich zu 2014 beschäftigte die Polizei im vergangenen Jahr deutlich mehr rechte Gewalt, Diebstähle und vor allem Einbrüche. Letztere sind ­sogar auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen. 167.136 Mal wurde im vergangenen Jahr in ganz Deutschland eingebrochen. Das sind fast zehn Prozent mehr als noch 2014. Dem Trend entgegen entwickelt sich die Lage in Bayern und auch ganz speziell in München. Hier sind die Einbruchsdelikte rückläufig. Auch dank einer Software, mit der das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) arbeitet. PRECOPS (Pre Crime Observation System) erkennt seit Oktober 2014 gefährdete Gebiete. Und es gibt bereits erste Erfolge. Die tz  hat mit dem Leitenden Kriminaldirektor Bernhard Egger gesprochen.

"Wir reden hier nicht über eine Wunderwaffe“, stellt Bernhard Egger, Leitender Kriminaldirektor beim LKA, klar. Nein, schon vor dem Einbrecher am Tatort sein – das funktioniert leider nicht. „Und dann hätten wir ja gar keinen Täter, sondern nur einen Verdächtigen“, sagt Egger. Aber: PRECOPS, die Einbruch-Früherkennungs-Software der Kriminaler, schreckt ab. Das belegen die jüngsten Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik.

Während in den meisten Bundesländern immer häufiger eingebrochen wird, scheint Bayern und explizit München kein beliebtes Ziel für Kriminelle zu sein. Um 8,9 Prozent – von 8210 Fällen auf 7480 – sind die Einbrüche im vergangenen Jahr bayernweit zurückgegangen. In München waren es im gleichen Zeitraum 1413 Fälle. Zum Vergleich: 2014 gab’s 400 Einbrüche mehr. Und da kommt die Computer-Fahndung des LKA ins Spiel.

Was sich spannend anhört, hat in erster Linie mit viel Mathematik zu tun. PRECOPS kann nicht zaubern, eher mittels fundierter Daten Wahrscheinlichkeiten berechnen und Polizeistreifen gezielter in gefährdete Gebiete schicken.

Tägliche Daten-Fütterung

Doch wie funktioniert das? „Das Prinzip ist einfach“, erklärt Egger. „Die wichtigen Fragen: Was ist passiert, und welche Konsequenzen ziehe ich daraus?“ Heißt: PRECOPS wird täglich mit den Daten der aktuellen Einbrüche gefüttert. Vor allem die professionellen Täter hinterlassen oftmals eine ganz spezielle Handschrift. Wie dringt er in Gebäude ein? Welche Werkzeuge benutzt er? Auf welche Beute hat er es abgesehen? „Anhand dieser Daten programmieren wir Algorithmen. Sie errechnen dann die Wahrscheinlichkeit, ob es in diesem Raum zeitnah zu einem weiteren Einbruch kommen könnte“, erklärt Egger.

Das LKA überwacht mit der Software 47 Gebiete im Zuständigkeitsbereich der Münchner Polizei. 40 Quadratkilometer, 13 Prozent des Stadtgebietes. Auf welche Viertel PRECOPS ein Auge wirft, bleibt das große Geheimnis. Egger: „Das wäre unserer Arbeit nicht dienlich. Auch wenn wir unsere Kontrollgebiete jederzeit ändern können.“

Immer frische Karten

Jeden Tag liefert das Programm eine neue Karte mit den gefährdeten Gebieten. Gibt es einen ganz konkreten Verdacht, wird Alarm ausgelöst. Das LKA leitet das Material an die Münchner Polizei weiter. Die informiert dann ihre jeweiligen In­spektionen, die gezielt Streifen in die Gebiete schicken können. So weit die Theorie.

In der Realität vollbringt PRECOPS keine Wunder. „Aber es zeigt eine deutliche Wirkung“, sagt der Kriminaldirektor. „In den überwachten Bereichen sind die Zahlen stark rückläufig.“ 186 Alarme wurden in der Zeit von Oktober 2015 bis März 2016 ausgelöst. 131 davon hat das Programm selbst erkannt, die restlichen 55 kamen von Beamten, die Auffälligkeiten entdeckten. Vier Einbrecher wurden geschnappt, elf Verdächtige kontrolliert.

Hier schlug die Software Alarm

Elitäre Wohngegend, gute Autobahnanbindung, viele Siedlungen – Pasing ist nicht umsonst die ­Einbrecherhochburg Münchens. Auch wenn „nur“ rund 16 Prozent der Einbrüche aufgeklärt werden: PRECOPS hat im Oktober 2014 zwei Täter aufgespürt. Beamte der Pasinger Polizeiinspektion haben die beiden Italiener nach einer halsberecherischen Verfolgungsjagd geschnappt.

Am Tag zuvor hebelten sie bereits eine Terrassentür in der Maria-Eich-Straße auf. Noch während eine andere Streife den Einbruch bearbeitete, schlug die Erkennungssoftware anhand der neuen Daten Alarm: Hier könnte sich in Kürze ein erneuter Einbruch ereignen. Und tatsächlich – eine draufhin entsandte Streife entdeckte zwei sich auffällig verhaltende junge Männer am Fahrbahnrand – ganz in der Nähe des jüngsten Tatorts. Offensichtlich spähten sie die Gegend nach neuen Einbruchszielen aus. Doch die Männer verschwanden. Einer zu Fuß, der andere stieg in seinen Mini Cooper und raste davon.

Als die Polizisten Mario C. (26, Name geändert) aufhalten wollten, brauste er über die Josef-Felder-Straße in Richtung Osten davon. Eine Verfolgungsjagd über mehrere Kreuzungen begann. Sie endete jäh an einem Parkplatzbegrenzer. Bei dem Italiener fand man später einen Schraubenzieher. Damit hatte er am Vorabend den Einbruch begangen.

PRECOPS hat funktioniert – und ein weiterer Täter konnte zur Rechenschaft gezogen werden.

So schützen Sie sich vor Einbrechern

Vorsprung durch Technik – ein Slogan, den sich nicht nur Autobauer zu Herzen nehmen. Auch in Sachen Sicherheit gegen Einbrecher gilt: Wer in entsprechende Haustechnik investiert, senkt das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden. In Bayern und Baden-Württemberg gibt es deutlich weniger Fälle. Die tz zeigt: So können Sie sich schützen!

In beiden Bundesländern wurde die Zahl der Einbrüche dank einer engen Zusammenarbeit der Innenministerien im Jahr 2015 deutlich gesenkt. Über 5300 Einbrüche wurden dadurch verhindert. Woran liegt’s? Der Erfolg besteht aus zwei Komponenten: die Investition in mechanische und elektronische Sicherheitseinrichtungen (z. B. Fensterbeschläge oder Alarmanlagen) und die Hilfe von aufmerksamen Nachbarn.

In fast 500 Fällen scheiterten die Einbrecher an Alarmanlagen. Am besten sind Modelle, die einen automatischen Notruf absetzen. Dadurch können die Täter oftmals noch an Ort und Stelle verhaftet werden. Mögliches Entscheidungskriterium für mehr Sicherheit durch Technik: Der Einbau von Sicherungstechnik wird von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziell gefördert.

Alleine in Bayern bieten die Behörden mit 33 Beratungsstellen einen umfassenden Bürgerservice an. Hier können Sie sich jederzeit über das Thema Einbruch informieren. Bezahlt macht sich oft auch ein gutes Verhältnis zu seinen Nachbarn. Denn aufmerksame Zeugen haben alleine in Bayern im vergangenen Jahr über 400 Einbrüche verhindert. Bei einem Viertel der Fälle konnten die Täter festgenommen werden.

Weiterhin gilt: Wählen Sie die 110 lieber einmal zu oft als einmal zu wenig!

Johannes Heininger

Einbrüche nach Bundesland

Einbrüche 2015

Pro 100 000 Einwohner

Entwicklung seit

2014 (in Prozent)

Aufklärungsquote

(in Prozent)

Bayern

58,9

-8,9

20,3

Baden-Württemberg

114,3

-9,1

16,1

Berlin

341,4

-2,8

7,2

Brandenburg

180,5

+11,2

15,7

Bremen

535,4

-0,3

7,3

Hamburg

510,8

+20,2

8,3

Hessen

190,2

+5,6

21,6

Mecklenburg-Vorpommern

95,1

-0,6

31,8

Niedersachsen

211,7

+13,1

20,8

Nordrhein-Westfalen

353,5

+18,1

11,9

Rheinland-Pfalz

177,6

+22,1

18,5

Saarland

246,4

-1,9

17,9

Sachsen

104,9

+10

15,7

Sachsen-Anhalt

125

+7,6

15,9

Schleswig-Holstein

298,7

+12,3

10,5

Thüringen

68,4

+50,9

20,6

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