"Bühne 23"

Allachs kleine Kulturszene: Eine Erfolgsgeschichte

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Die Drei von der „Bühne 23“: (v.li.) Ingrid Haussmann, Margarete Roters und Gebriele Hart-Degen.

München - Seit einem Jahr veranstaltet die „Bühne 23“ Jazz-, Blues- und Klassik-Konzerte in Allach-Untermenzing.

Eine eigene Konzertreihe auf die Beine zu stellen, um in Allach-Untermenzing eine feste Kulturszene zu etablieren – das klingt nach einem wagemutigen Plan. Ingrid Haussmann, Margarete Roters und Garbiele Hartdegen haben ihn umgesetzt. Seit sie im Sommer 2015 die „Bühne 23“ ins Leben gerufen haben, versammelt sich eine treue Fangemeinde. Ein neuer Wind weht im Kulturgeschehen des 23. Stadtbezirks.

Unter dem Motto „Musik für Allach-Untermenzing“ veranstaltet der als gemeinnützig anerkannte Verein Bühne 23 e.V. regelmäßig Jazz-, Blues-, Klassik- und Rockkonzerte, sowie Lesungen mit musikalischer Umrahmung. Im Mai feierte die Wanderbühne ihr erstes Jubiläum. Ingrid Haussmann, Initiatorin und Vorsitzende des Unterausschusses Kultur im Bezirksausschuss, zieht eine positive Bilanz: „Wir hatten von Anfang an eine sehr gute Resonanz.“ Zunächst habe man sich keine Vorstellungen gemacht, wie das Projekt bei den Bürgern angekommen würde. Doch es wurde ein Erfolg.

Mittlerweile kämen bis zu 90 Gäste, so Haussmann, viele von ihnen regelmäßig. Damit zeigen die Besucher, dass es ein großes Interesse an einem organisierten Kulturleben in der Nachbarschaft gäbe. „Die Leute treffen sich auf den Konzerten und machen sich auch gegenseitig auf Konzerte aufmerksam“, beobachtet Haussmann. Einige bringen auch ihren Freundeskreis außerhalb des Stadtbezirkes mit. „Die Leute kommen vor den Konzerten und in den Pausen miteinander über die Kunst ins Gespräch. Sowohl mit den Künstlern als auch untereinander.“

Die Konzerte eint ihr Lokalkolorit. Die Musiker kommen überwiegend aus dem Raum München oder direkt aus dem Stadtbezirk. Das liegt vor allem an Haussmanns Engagement für das neue Kulturbürgerhaus in Allach-Untermenzing. Als sie potentielle Nutzer und Veranstalter suchte, die das Kulturzentrum begründen sollten, kamen viele Künstler und Musiker auf sie zu. „Unser Anliegen ist, dass die Künstler auch aus Allach-Untermenzing kommen, aber nicht ausschließlich“, erklärt Haussmann. Weitere Gäste aus dem Klassik- und Jazzbereich sucht ihre Kollegin Margarete Roters aus, die die Musikschule im Bezirk leitet und Kontakte zu den Musikhochschulen in München und Augsburg pflegt. Wichtig seien aber auch die Kontinuität der Konzerte und die vergleichsweise günstigen Ticketpreise. Alle Allacher und Untermenzinger sollen sich den Konzertbesuch leisten können.

Die Nachfrage der Musiker und Zuhörer bestärkt die Initiatorinnen in ihrer ehrenamtlichen Arbeit. „Natürlich hoffen wir, dass die Zuschauerzahlen noch steigen“, sagt Haussmann. Das sorgt für Kostensicherheit. Um Künstler-Gagen, Gema und den gesamten Betrieb zu finanzieren ist die Bühne 23 auf die Beiträge der Vereinsmitglieder, Förderungen aus dem Bezirks- und dem Kulturausschuss, aber auch auf Spenden angewiesen.

Das größte Problem sind bislang die fehlenden Räume für Musikauftritte im Bezirk. Die meisten Künstler bräuchten ein Piano, was die Suche erschwere, so Haussmann. Mit der Bühne 23 wollten die Initiatorinnen auch zeigen, dass ein großes Interesse an einem Kulturleben im Bezirk gibt und das Kulturbürgerhaus benötigt wird. Der Coup ist ihnen gelungen. Nachdem das Kulturreferat Ende vergangenen Jahres den begründeten Bedarf eines Kulturbürgerhauses im 23. Stadtbezirk anerkannt hatte, prüft das Kommunalreferat nun die bauliche und rechtliche Umsetzung. Das Kulturbürgerhaus könnte den Kulturschaffenden im Bezirk eine feste Bühne geben. Dazu hatte letztlich die Bedarfserhebung mit rund 2000 potentiellen Nutzern geführt.

Dass Konzerte einmal im Kulturbürgerhaus angesiedelt werden, ist heute noch Zukunftsmusik. Aber ein Anfang ist mit der Bühne 23 gemacht. Aufgrund der positiven Resonanz wollen die Initiatorinnen das Konzept der Konzertreihe beibehalten. „Wir sind noch in der Erprobungsphase. Aber wir haben das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Haussmann.

Sophie Krause

E-Mail:info@merkur.de

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