Allach-Untermenzing

Heftiger Anwohner-Protest gegen Pflegeheim-Pläne

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Ein „Klotz“ im Wohngebiet? Der Entwurf für das neue Pflegeheim der Münchenstift GmbH an der Franz-Nißl-Straße.

München - Ungewöhnlich heftig wehren sich Bürger in Allach-Untermenzing gegen ein Pflegeheim, das die Müchenstift GmbH errichten will. Anwohner protestieren vehement gegen die Ausmaße.

Die Stimmung im Saal war gereizt. „Wir fühlen uns verarscht“, sagte ein Gast bei der Einwohnerversammlung, bei der Stadtplaner und der Bauträger den Entwurf für das neue Pflegeheim in Allach-Untermenzing vorstellten. Viele der rund 60 Anwesenden protestierten gegen die Pflegeheimpläne.

Seit etwa zehn Jahren soll auf dem Gelände an der Franz-Nißl-Straße zwischen Lewaldstraße und Hintermeierstraße ein Pflegeheim errichtet werden. Zuletzt hatte die Münchenstift GmbH, 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt München, das Grundstück 2015 von der WOB GmbH übernommen, die ihre Pläne für ein Pflegeheim zurückgezogen hatte. Der Neubau sieht 202 Plätze vor und soll das Hans-Sieber-Haus an der Manzostraße 105 ersetzen, dessen Ertüchtigung mit hohen Kosten und einer großen Belastung für die Anwohner verbunden gewesen wäre, sagte Münchenstift-Geschäftsführer Siegfried Benker. Die Bewohner sollen nach der Fertigstellung des Neubaus in die Franz-Nißl-Straße umziehen. Das Hans-Sieber-Haus wird abgerissen.

Bereits vor einem Jahr hatte die Münchenstift, die neun Pflegeheime mit 2100 Plätzen in der Stadt betreibt, den Anwohnern ihren Pflegeheim-Entwurf präsentiert. Das H-förmige Gebäude, das mitten im Wohngebiet errichtet werden soll, sah damals eine Bauhöhe von E+4 vor, also von fünf Geschossen, was auf Kritik bei Anwohnern und BA-Mitgliedern stieß.

„Wir haben alle Hauptkritikpunkte aufgegriffen und eine neue Planung vorgelegt“, erklärte Benker nun. Der Entwurf für das Hauptgebäude sieht nun eine Bauhöhe von E+3 mit insgesamt 13,2 Metern Wandhöhe vor sowie eine Tiefgarage mit 17 Stellplätzen. Auf dem Gebäude soll ein etwa viereinhalb Meter zurück versetztes Terrassengeschoss mit einer Höhe von 3,3 Metern entstehen, um die Sicht auf die umliegenden Gärten zu verhindern. Im Eingangsbereich an der Franz-Nißl-Straße sieht der neue Plan E+1 vor. Im oberen Geschoss sollen Verwaltungsbüros untergebracht werden, im Erdgeschoss eine Caféteria sowie ein Veranstaltungssaal. Am südlichen Ende ist eine eingehauste Anlieferungs- und Entsorgungszufahrt geplant.

Aufgrund der Bauhöhe von rund 17 Metern befürchteten einige Anwohner eine Verschattung der umliegenden Gärten. Schatten könne man nie vermeiden, sagte Bernd Willer von Planungs- und Baureferat. Man halte sich an die vorgeschriebenen Abstandflächen. Die kompakte und dadurch hohe Bauweise erklärte Benker mit der internen Logistik, die möglichst kurze Wege für Pfleger und Bewohner erfordere.

„Wir lehnen diese Planung ab“, sagte ein Anwohner aus der Lewaldstraße. „Wir erwarten eine maximale Höhe von zwei Stockwerken. Diese Bebauung passt nicht in die Umgebung.“ Zweifel wurden laut, dass 17 Stellplätze bei 60 Mitarbeitern pro Schicht sowie Besucherverkehr ausreichen. Benker betonte, dass es damit in Vergleichshäusern der Münchenstift keine Probleme gäbe.

Der Stadtplaner Willer verteidigte den Entwurf: „Münchenstift ist die einzige Firma, die hier ein Pflegeheim realisieren will.“ Die vorherigen Investoren seien vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen abgesprungen. „Das Heim hat eine soziale Bedeutung, sonst würden wir es nicht machen“ so Willer.

„Wenn Sie das durchwinken, sind sie die Totengräber des Stadtbezirks, weil sie die Tore aufmachen für weitere Investoren“, empörte sich ein Bürger. Dann könne man bei Wohnbauprojekten künftig auch „mit solchen Klötzen“ rechnen.

Vorsichtige Kritik kam auch von der CSU-Stadträtin und BA-Vorsitzenden Heike Kainz: „Das, was wir heute vorgestellt bekommen haben, unterscheidet sich kaum von den Entwürfen vor einem Jahr.“ Benker gab zu: „Wir haben ihnen damals ziemlich ähnliche Pläne vorgelegt. Sie sehen daran, dass wir davon überzeugt sind.“ Als Ziel der Fertigstellung des Hauses nannte er das Jahr 2020. Einen Bebauungsplan gibt es noch nicht.

Insgesamt 13 Bürgeranträge gingen am Abend ein. Dass sich so wenige Bürger für das Heim ausgesprochen hätten, bedauerte Kainz: „Ich werde oft von Anwohnern angesprochen, wann das neue Heim endlich kommt.“ Münchenstift-Geschäftsführer Benker sagte anschließend: „Ich bin etwas enttäuscht, dass die Planung eines Pflegeheims solche Emotionen hervorruft.“

Sophie Krause

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