Anrufer liest aus geheimen Bilanzen vor

Nach Umtausch: Metro verkauft PC mit persönlichen Daten

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Rudolf Pasts (29) defekter PC wurde einfach weiterverkauft - mit allen persönlichen Daten.

München - Als sein neuer Computer den Geist aufgibt, tauscht Rudolf Past ihn um. Nach einigen Wochen klingelt sein Telefon - und ein Fremder liest ihm aus seinen persönlichen Daten vor.

Einen neuen Rechner für's Büro – mehr wollte Rudolf Past ja gar nicht. Also fuhr er zur Metro nach München-Pasing und suchte sich ein passendes Gerät aus. 416,50 Euro, soweit, so gut. Zu Hause spielte er seine Daten auf: Persönliche Dokumente, berufliche Daten mit Umsatzzahlen, Kündigungsschreiben, Arbeitsverträge – das Übliche eben. „Wir haben eine Metzgerei“, sagt Past. Da ist der digitale Papierkram unumgänglich. Den will der 29-Jährige aus Allach auch nicht auf seinem Privat-PC speichern.

Nach etwa einer Woche gab der neue Computer aber schon den Geist auf. „Auf einmal roch es verbrannt im Büro“, erinnert sich Past. „Kurze Zeit später war der PC aus und nicht mehr anzubekommen.“ Der Rechner machte keinen Mucks mehr. Ärgerlich. Aber kann vorkommen. Past packte das dienstverweigernde Gerät und brachte es zurück zur Metro. Er hatte ja schließlich Garantie.

Böse Überraschung bei Anruf

Bei dem Großhandel erklärte ihm ein Mitarbeiter, der PC müsse zur Reparatur eingeschickt werden – und das könne bis zu vier Wochen dauern. So lange wollte Rudolf Past nicht warten. Er bestand darauf, ein Austauschgerät zu erhalten. Das bekam er auch. „Den defekten PC haben sie in die Originalverpackung meines neuen Rechners gesteckt und offenbar eingeschickt“, sagt Past. Seine Daten lagerten da noch auf der Festplatte. Wie sollte er sie auch löschen, der PC ließ sich ja nicht mehr starten. Für ihn war die Sache damit erledigt. Der neue Computer funktioniert.

Einige Wochen später klingelte sein Telefon. „Ein Mann war dran, der sich ziemlich geheimnisvoll gab“, sagt Past. Der Anrufer wollte ihm etwas über persönliche Daten und einen Computer erzählen. Past versuchte, den Mann abzuwimmeln. „Ich dachte, das ist wieder irgendein Werbeanruf.“ Doch der Mann ließ sich nicht abwimmeln. Am Ende telefonierten die beiden über eine Stunde.

Schnell wurde klar, dass der ominöse Anrufer nichts verkaufen wollte. „Auf einmal erzählte er mir fröhlich persönliche Daten von mir und meinen Mitarbeitern.“ Er las Umsatzzahlen der Metzgerei vor und zitierte aus den Arbeitsverträgen von Pasts Mitarbeitern. Wie war er an die sensiblen Daten gekommen?

Auch er hatte in der Metro einen PC gekauft, wie die beiden am Telefon klärten. Beim Hochfahren habe er festgestellt, dass der Computer keinesfalls neu ist, wie er erwartet hätte, sondern dass die Festplatte vollgepackt war mit persönlichen Daten. Ganz offensichtlich hat er Pasts zurückgegebenen und mittlerweile reparierten Rechner erstanden – ohne dass zuvor die Daten gelöscht wurden. „Anscheinend hat er sogar mehr bezahlt für das Ding als ich“, sagt Past und lacht ungläubig.

Zum Lachen war ihm nach dem Anruf überhaupt nicht zu Mute. Er schaltete einen Anwalt ein. Dieser setzte ein Schreiben auf, in dem die Metro aufgefordert wurde, sicherzustellen, dass alle Daten gelöscht werden und dies Rudolf Past zu bestätigen. „Aber diese Bestätigung wollten sie mir nicht geben“, sagt Past.

Metro: "Das ist leider falsch gelaufen"

Eine Metro-Sprecherin gibt sich auf Nachfrage versöhnlich: „Das ist leider falsch gelaufen“, sagt sie. Kaputte Rechner schicken die Mitarbeiter an einen externen Dienstleister. „Das ist ein Standardprozess.“ Im Fall Past habe der Dienstleister den Rechner nach der Reparatur zwar „auf Werkseinstellungen zurückgesetzt“, wie die Sprecherin betont, aber offensichtlich nicht alle Daten vollständig gelöscht. „Das darf nicht passieren“, räumt die Sprecherin ein.

So landete das Gerät wieder im Verkauf und schließlich bei dem Kunden, mit dem Past später ein überraschendes Telefonat führte. „Mit etwas Frickelei hat er es hinbekommen, an die Daten zu kommen“, sagt die Sprecherin. Der Mann wollte den gebrauchten PC verständlicherweise auch nicht behalten und brachte ihn zur Metro zurück. „Mittlerweile ist der PC aus dem Verkehr gezogen“, beteuert die Sprecherin. „Den bekommt auch kein Dritter mehr.“

Um die von Past geforderte Bestätigung, dass seine Daten gelöscht wurden, will sie sich bemühen. „Wir werden ihm außerdem die Anwaltskosten erstatten und er erhält einen 50-Euro-Gutschein“, kündigt sie an. Gute Nachrichten für den 29-Jährigen: „Schön, dass jetzt was vorwärts geht.“

Dominik Göttler

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