Zu viel los auf dem Odeonsplatz

BA fordert: Mehr Ruhe-Orte in der Innenstadt

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Weniger ist mehr, findet der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel. Insbesondere der Odeonsplatz sei ständig von Veranstaltungen belegt, monieren die Stadtteil-Politiker. Hier zum Beispiel ist gerade Bauernmarktmeile.

München - Bezirksausschuss fordert weniger Veranstaltungen und mehr Erholungsfaktor für die schönen Plätze in der Innenstadt.

Manchmal reicht schon ein kleiner Stein für eine große Diskussion. Der kleine Stein ist in dem Fall ein ungarischer Markt, der auf dem Odeonsplatz stattfinden soll. Der große ist die Grundsatzdebatte, die folgte. Dem Bezirksausschuss Altstadt-Lehel gibt es nämlich inzwischen zu viele Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen in der Innenstadt – insbesondere auf dem Odeonsplatz.

Der fragliche Markt soll von 6. bis zum 9. Oktober auf dem Rindermarkt stattfinden. Entsprechend wurde der Bezirksausschuss (BA) unterrichtet. Doch so einfach wollten die Stadtteilpolitiker dem Spezialitätenverkauf keinen Segen geben: „Heute ist es ein ungarischer Markt, nächste Woche ein serbischer und die Woche drauf ein polnischer“, fasste Jörg Hoffman (FDP) den Frust vieler BA-Mitglieder zusammen.

Bei der Diskussion ging es dem BA weniger um den Verkauf von ungarischer Salami auf dem Rindermarkt, sondern um ein grundsätzliches Problem: Auf den Plätzen der Altstadt finden zu viele Veranstaltungen statt, finden viele BA-Mitglieder. Wolfgang Neumer (CSU), Vorsitzender des BA Altstadt-Lehel erklärt: „Die Plätze sind ja auch zur Erholung gedacht und sollten auch mal für sich stehen. Durch die Veranstaltungen gehen sie der Allgemeinheit ein Stück weit verloren.“ Als besonders deutliches Beispiel nennt Neumer den Odeonsplatz. Auf dem sei nahezu jedes Wochenende Programm.

Ganz falsch liegt er mit dieser Einschätzung nicht, wie Zahlen des Kreisverwaltungsreferates belegen. Von Januar bis September fanden 44 Veranstaltungen auf dem Odeonsplatz statt. Nicht mitgerechnet werden dabei Kundgebungen und Demonstrationen. Im September diente der Platz unter anderem als Kulisse für einen Bauernmarkt, das Streetlife-Festival und ein Musikkonzert. Auf dem Rindermarkt ist die Situation etwas entspannter: Acht Veranstaltungen fanden hier seit Anfang des Jahres statt.

Die letzendliche Entscheidung darüber, welche Veranstaltungen wo zugelassen werden, trifft das Veranstaltungs- und Versammlungsbüro des Kreisverwaltungsreferats (KVR). Für die Zulassung im öffentlichen Raum müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllt werden. Die wichtigste ist, dass die Veranstaltungen im öffentlichen Interesse liegen müssen. So sind zum Beispiel private Feiern oder – mit wenigen Ausnahmen – kommerzielle Veranstaltungen nicht zulässig. Eine Sonderrolle hat der Marienplatz. Auf dem werden grundsätzlich nur städtische oder staatliche Veranstaltungen erlaubt.

Eine Art Quotenregelung für die Vergabe der Plätze gibt es jedoch nicht, teilte Sprecher Johannes Mayer auf Anfrage mit. „Die Plätze in der Innenstadt sind herausragende und sehr begehrte Örtlichkeiten. Wir sind darauf bedacht, sie mit Augenmaß zu vergeben – und wir achten darauf, dass die Veranstaltungen zu den Plätzen passen.“

Beim BA allerdings wünscht man sich eine Entlastung der Altstadt. „Uns würde es schon reichen, wenn die Plätze einmal im Monat frei blieben“, erklärte Neumer. Der Bezirksausschuss sei keineswegs pauschal gegen alle Veranstaltungen. „Vieles fördern wir als Bezirksausschuss ja auch“, sagte Neumer und nannte als Beispiel die jährlichen Konzerte von „Oper für Alle“. Als störend empfinde ein Großteil des BA allerdings Platzbelegungen, „die größtenteils Werbe- oder Verkaufsveranstaltungen sind“.

Bald will sich das Stadtteilgremium auf das weitere Vorgehen einigen. Der Einzelhandelsverband CityPartner hat laut Neumer schon Unterstützung zugesagt. Derweil bewegt sich bei der Stadt allerdings bereits auch ohne Zutun der Lokalpolitiker etwas. Denn die aktuellen Veranstaltungsrichtlinien aus dem Jahr 2009 werden derzeit überarbeitet. „Dabei wird auch überprüft, ob zur Entlastung ein genereller Ausgleich zwischen attraktiven Innenstadtflächen und Außenbereichen hergestellt werden kann“, so Sprecher Mayer.

Für den ungarischen Markt ging die Diskussion letztlich gut aus. Der BA entschied sich gegen ein Exempel und für den Markt. Mit vier Gegenstimmen stimmte er dem Spezialitätenverkauf zu.

Annika Schall

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