Traditionelles Freischlagen der Jungbrauer

Brauertag in München: Hopfen und Malz am Odeonsplatz

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Im Jubiläumsjahr des bayerischen Reinheitsgebotes haben Münchens Brauer ihren alle zwei Jahre stattfindenden Brauertag besonders prächtig ausgestaltet.

München - Im Jubiläumsjahr des bayerischen Reinheitsgebotes haben Münchens Brauer ihren alle zwei Jahre stattfindenden Brauertag besonders prächtig ausgestaltet. Beim traditionellen Freischlagen der Jungbrauer auf dem Odeonsplatz bewies Oberbürgermeister Dieter Reiter großes Engagement.

"Der Himmelsvater ist im Herzen ein Brauer“, da war sich Paulaner-Chef Andreas Steinfatt, der Vorsitzende des Vereins Münchener Brauereien, am Samstag ganz sicher. Denn das unbeständige Wochenendwetter zeigte sich während des Münchner Brauertages kurz von seiner schönen Seite. So konnte die Zunft ihr Fest stilecht bei Sonnenschein unter weiß-blauem Himmel feiern.

Nach einem einstündigen Gottesdienst in St. Peter zogen die Brauer durch die Innenstadt zum Odeonsplatz. Die festlich geschmückten Brauereigespanne, die auch zur Wiesn zum Einsatz kommen, zogen die Blicke ebenso auf sich wie die Schäffler, die zum Brauertag jeweils ihren Sieben-Jahres-Rhythmus unterbrechen und in historischem Gewand ihren berühmten Tanz aufführen.

Nur vier Frauen bei den 28 Jungbauern

Der Höhepunkt des Spektakels war jedoch das sogenannte Freischlagen der Jungbrauer. Seit 2004 entlassen die sechs großen Münchner Brauereien mit dieser Zeremonie ihre Auszubildenden aus der Lehre. Der Brauertag selbst geht allerdings wesentlich weiter zurück: Er entstand aus den Festtagen der Zünfte im Mittelalter.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ließ es sich nicht nehmen, die 28 Jungbrauer höchstpersönlich in den Berufsstand zu entlassen. Einen „hochangenehmen Termin“ nannte er den Brauertag in seiner Rede. „Es ist wichtig, den Jungbrauern Tribut zu zollen“, befand der OB und ergänzte mit einem Grinsen: „Auch weil ich ihre Produkte natürlich ab und zu selber gerne genieße.“ Anschließend griff Reiter dann zur sogenannten Ferula – einem Stab, der als historisches Erkennungszeichen der Brauerzunft gilt – und ließ diese wie beim Ritterschlag auf die Schultern aller 28 Jungbrauer sinken. Bei der Zeremonie wurde allerdings eines schnell deutlich: Das Brauwesen ist immer noch eine Männerdomäne. Lediglich vier Brauerinnen wurden beim diesjährigen Brauertag in den Berufsstand aufgenommen.

Der Nachwuchs revanchierte sich mit dem „Preueid“, mit dem sich die Jungbrauer verpflichteten, die Vorschriften des Reinheitsgebotes zu achten. Allerdings nicht des bayerischen Reinheitsgebots, dessen 500-jähriges Jubiläum dieses Jahr der Anlass war, den Brauertag erstmals vom Viktualienmarkt an den Odeonsplatz zu verlegen. Vielmehr bezieht sich der Preueid auf das Münchner Reinheitsgebot von 1487. „Wir sind es eben gewohnt, ein bisschen schneller zu sein als der Rest von Bayern“, kommentierte der OB die 29 Jahre Vorsprung der Landeshauptstadt augenzwinkernd.

"Wir sind es gewohnt, ein bisschen schneller zu sein als der Rest von Bayern.“

Um den runden Geburtstag des Reinheitsgebotes angemessen zu feiern, hatte Reiter sich übrigens dieses Jahr besonders gründlich vorbereitet. Gemeinsam mit Brauerei-Chef Steinfatt hatte der Bürgermeister einen zweitägigen Braukurs mit abschließender schriftlicher Prüfung absolviert. „Wer da von wem abgeschrieben hat, verrate ich jetzt allerdings nicht“, sagte Steinfatt lachend. Ob geschummelt oder nicht, für ihre Mühen wurden die beiden von Professor Ludwig Narziß, dem ehemaligen Leiter der Lehr- und Versuchsbrauerei Weihenstephan, ebenfalls symbolisch freigeschlagen.

Im Anschluss konnten die rund 800 Gäste auf dem Odeonsplatz sich selbst davon überzeugen, dass die Produkte der Münchner Brauereien die aufwändigen Feierlichkeiten rechtfertigen. Mit 4000 Litern Freibier stießen die Brauer und ihre Gäste auf den Handwerks-Nachwuchs und das Reinheitsgebot an. Seinen Abschluss fand der Tag dann beim Ehrenempfang im Hofbräuhaus, bei dem die drei besten Nachwuchsbrauer des Jahres 2015 ausgezeichnet wurden. Den ersten Platz belegte Michael Buchner von Paulaner, Zweiter wurde Maximilian Kollmannsberger von Paulaner, den dritten Platz belegte Johann Griebl von Augustiner. Der nächste Brauertag findet in zwei Jahren statt. Dann werden die Krüge wieder, wie gewohnt, am Viktualienmarkt gehoben.

Annika Schall

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