Der Herr der Flieger

Deutsches Museum: Ex-Pilot erklärt historische Luftfahrt

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Der Traum vom Fliegen – er hat ihn gelebt: Hans Koberstein, Aufseher in der Luftfahrt-Abteilung.

München - Manchmal sind sie Spielverderber: verbieten Fotografieren, zu nah Herangehen und Anfassen. Andere sind Experten auf ihrem Gebiet und kennen neben dem Weg zum Klo die Geschichte eines Ausstellungsstücks. Museumsaufsichten sind oft viel mehr als menschliche Wachhunde.

Strenger Blick, das kann Hans Koberstein nicht so richtig. Manchmal aber muss der 66-Jährige etwas lauter rufen, um die Besucher im Deutschen Museum von Ausstellungsstücken fernzuhalten. Da werde an bespannten Flugzeugflügeln und Infoplakaten „geknibbelt, bis Fetzen abstehen“.

Koberstein arbeitet als Aufsicht in der Luftfahrt-Abteilung. Der Flugzeugmechaniker und Berufspilot wollte vor einigen Jahren zur Ruhe kommen, nicht dauernd unterwegs sein. Im Deutschen Museum suchten sie Aufsichtspersonal mit Fachwissen – das kam wie gerufen. Er zog extra nach München und begann 2009 mit der Arbeit.

Schon vor der Öffnung um 9 Uhr fährt Koberstein die Computer für den Flugsimulator hoch und wischt die Besucher-Handabdrücke von den Glasabtrennungen. Dann hält er Führungen, erklärt Details – vom Flügelschlag über Luftfahrtpionier Otto Lilienthal bis hin zu modernster Technik. Interessierte Gäste habe er am liebsten, sagt er. „Die häufigsten Fragen sind aber: Wo ist das Klo? Wo ist der Ausgang?“

Aufklären statt aufpassen – heutzutage notwendig, meint Berthold Schmitt, der Schulungen für Museumspersonal anbietet. Museumseigene Aufsichten bräuchten Expertise, weil sich das Publikum verändert habe: „Der Besucher interessiert sich, will Erklärungen.“

Und so erklärt Koberstein den kleinen Gästen im Deutschen Museum geduldig, dass nur Fachleute in den Flugsimulator dürfen, sein Lieblingsstück der Ausstellung. Obwohl er als Pilot vom Fach ist, musste er sich für den Job im Museum neues Wissen etwa über Militärflieger aneignen. Von bohrenden Fragen, auf die er erst mal keine Antwort hat, profitiert er: „Das regt zum Nachforschen an.“

dpa

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