Selbstversuch im "Weißen Bräuhaus" - Video

Wie im Dschungelcamp: So schmecken Stierhoden

München - Hoden essen? Im Dschungelcamp würgen die C-Promis das wieder herunter. Als bayerische Delikatesse werden Stierhoden im "Weißen Bräuhaus" in München angeboten. Unser Redakteur hat mal probiert, wie die schmecken.

Wie ich um alles in der Welt auf die Idee gekommen bin, einen Hoden zu essen? Zwei Wörter: Dschungelcamp und Google. Nachdem ich in der RTL-Show wieder mal gesehen habe, wie einer der C-Promis in der Dschungelprüfung einen solchen herunterwürgen musste, will ich von der Suchmaschine wissen, ob man so was wirklich essen kann. Gibt ja auch Gourmets, die Kuttelwürste oder Kalbshirn schätzen. Also Google,... Ja, da schau her! Die Suchmaschine präsentiert mir gleich mal einige Rezepte von Hobbyköchen für Hoden. Siehe da: In Frankreich und der Schweiz gelten sie als besondere Leckerei und tragen klangvolle Namen wie "Rognons Blancs" und "Alpenglocken". Gut, die Franzosen essen auch Froschschenkel. Das muss jetzt nix heißen. Aber: Die Google-Bilder der Hoden in der Pfanne machen mich neugierig. Gebraten erinnern die an Tintenfisch und schauen deutlich appetitlicher aus als so ein rohes Ding im Dschungelcamp. Sollte ich das vielleicht auch mal...? Was Google wohl mit den Suchbegriffen "Hoden", "essen" und "München" ausspuckt? Bingo! Unter den Suchergebnissen taucht gleich das "Weiße Bräuhaus" im Tal auf. Dort, so erfahre ich, werden gegrillte Stierhoden als echte bayerische Delikatesse "auf Weißbierschaumsoße, dazu Buttergemüse und Kräuterkartoffeln" serviert. Warum nicht? Mit einem kühlen Weißbier und einem Schnapserl kann ich meine Geschmacksnerven und den Magen schlimmstenfalls wieder geradebiegen.

Eine E-Mail und einen Telefonanruf später werde ich mit meinen Kamera-Kollegen Fred und Christine (wir wollen das ja im Detail festhalten) im "Weißen Bräuhaus" von Küchenchef Michael Nagler empfangen. Neben einer Herdplatte liegen bereits sechs rohe Stierhoden in einer Blechpfanne. Mächtige Geräte, die an einen American Football erinnern. Ein knapp 300 Gramm schwerer Hoden hat so ungefähr die Größe einer Männerfaust.

Und das soll eine bayerische Delikatesse sein? Küchenchef Nagler klärt mich über die kulinarische Historie der Stierhoden auf. "In der armen Zeit früher, da haben die Leute nach dem Schlachten alles gegessen. Da hat sich keiner leisten können, was wegzuwerfen." Wenn ein Stier geschlachtet wurde, dann wurde eben alles verwertet. Lunge, Niere, Leber, Zunge. Und eben auch die "Beidl" des Bullen. Vor zwanzig Jahren passte der Küchenchef im "Weißen Bräuhaus" die altbayerischen Rezepte an die modernen Küchentrends an. Nun gibt es Stierhoden à la Jahreszeit: "Im Frühjahr und Sommer machen wir aus den Stierhoden ein Carpaccio. Im Herbst und Winter kommen sie in die Pfanne."

Nicht wie im Dschungelcamp: Stierhoden als bayerische Delikatesse

Ja, und wie ist die Nachfrage? "Ganz guat", versichert mir der Küchenchef. "An manchen Tagen werden die so oft bestellt, dass uns die Hoden ausgehen." Und wer bestellt so was? Die Senioren oftmals aus Nostalgie. "Das hat früher noch die Oma gekocht", berichten einige aus ihrer Kindheit. Die Jungen meist aus Neugier. Wegen des Dschungelcamps? "Kann schon sein", meint Josef Nagler. "Aber das Dschungelcamp dauert ja immer nur ein paar Wochen. Die Nachfrage ist eigentlich das ganze Jahr über da." Und etliche Stammgäste, so erfahre ich, schätzen den Hoden aus Erfahrung. "Die wissen halt, dass es schmeckt."

Eine letzte Frage brennt mir noch unter den Nägeln: Hatte der Stier noch Patronen im Magazin? Sprich: Ist da noch Sperma im Hoden, das mit auf den Teller kommt? Küchenchef Nagler kann ein Lächeln nicht unterdrücken. "Nein", versichert er mir. "Die Hoden wurden schon sorgfältig gewässert. Da ist nix mehr drin." Gut, jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Auf unsere Bitte legt der Küchenchef los.

Als Mann zucke ich instinktiv zusammen, als Josef Nagler die Haut einschneidet und das Hodenfleisch herausschält. Anschließend wird der ganze Hoden in vier Teile gescheibelt. Öl in die Pfanne. Dazu Knoblauch, Kräuter. Gleichzeitig wird eine Schmorbratensoße mit Weißbier aufgesetzt. Der Hoden bleibt nicht lange auf dem Herd. Jede Seite wird etwa zwei Minuten gebraten, dann kommt die Pfanne kurz in einen Ofen. Derweil bereitet der Küchenchef die Kräuterkartoffeln und das Frühlingsgemüse zu. Das ganze Gericht nimmt rund zehn Minuten in Anspruch. Für den Preis von 10,50 Euro kommt jedenfalls eine ganze Menge Essen auf den Teller.

Als mir die Stierhoden am Tisch im "Weißen Bräuhaus" serviert werden, ist das Ambiente jedenfalls angenehmer als im Dschungelcamp. Ein frisch gezapftes Weißbier, dann serviert Küchenchef Nagler den Teller. Optisch durchaus ansprechend. Und jetzt gilt' s: Für mich ist es nun Zeit, erstmals in meinem Leben in einen Hoden zu beißen. Ob der recht zäh ist? Gar nicht! Das Messer geht geschmeidig durch das Fleisch. Na dann: Gabel in den Mund. Und Kauen.

Der erste Eindruck: Die Konsistenz des Hodens ist angenehm weich. Zarter als Hühnchen, aber doch noch substanzieller als Fisch. Ich überlege, womit man es vergleichen kann: Es verfestigt sich der Eindruck: Wie Tintenfisch oder Calamares. Vom Geschmack her sind nach dem ersten Bissen vor allem Knoblauch und Kräuter präsent, mit denen sich das Fleisch in der Pfanne vollgesogen hat. Aber ich habe ja noch genügend Hoden auf dem Teller. Ein Schluck Weißbier. Dann der nächste Bissen. Im Vergleich zu Leber, die ich gerne mal gegrillt esse, schmeckt der Hoden weitaus weniger rass. Und der Eigengeschmack? So dezent nach Fleisch, dass man ihn kaum wahrnimmt. Wer sehen will, wie ich den Hoden gegessen habe, findet das Video auf tz.de.

Fait: Kein Vergleich zum Dschungelcamp: Stierhoden sind lecker!

Mein Fazit: Ich bin vom Stierhoden absolut positiv überrascht. Kein Vergleich zum Dschungelcamp, sondern einfach ein leckeres Schmankerl, das wirklich satt macht. Einen Vegetarier werde ich vermutlich nicht von dieser Delikatesse überzeugen. Aber wer gerne Leber, Lüngerl oder Nierchen genießt, sollte auf jeden Fall mal einen Hoden probieren. Ob ich als leidenschaftlicher Griller im Sommer vielleicht auch mal einen Stierhoden brutzle? Ich werde meine Freunde, die immer gerne vorbeischauen, wenn es Steak, Burger, Würschtel oder Leber gibt, vielleicht mal überraschen. Und ihnen erst hinterher sagen, was sie da gegessen haben. Einen Schnaps stelle ich Ihnen für den Schreck sicherheitshalber mal hin.

fro

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Franz Rohleder

Franz Rohleder

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