Marktstände aufgeschlitzt

Einbrecher am Viktualienmarkt: So cool sind die Standlbesitzer

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Barista Clemente Kees (24) von der Kaffeerösterei zeigt auf den Schlitz in der Plane 

München - Am Viktualienmarkt fasst die Polizei einen Einbrecher auf frischer Tat. Er hatte sich an mehreren Marktständen zu schaffen gemacht.  

Wirtin Maria Lechner an der Hintertür des Nymphenburger Sekt-Standes.

Leben und leben lassen – das gehört für die Wirte und Standlbesitzer auf dem Viktualienmarkt einfach dazu zur Münchner Gemütlichkeit. Weil man sich eben schon so lange kennt. Und darum sieht man es nicht so eng, wenn der ein oder andere Obdachlose am frühen Morgen noch unter dem Standl-Dach schläft oder mittags auf der Rückseite in Ruhe sein Bier trinkt. Der hier aber hat es übertrieben. Und darum hat er jetzt Ärger: Ein 27-jähriger Obdachloser wurde in der Nacht zu Dienstag von einer Streife der 2. Einsatzhundertschaft der Polizei auf dem Viktualienmarkt festgenommen.

Hier wollte der Täter einbrechen

Um 2.10 Uhr drückte er sich zwischen den Ständen herum – versuchte hier in den Stand von Schenks Säfte oder dort beim Exoten Müller gegenüber hereinzukommen. In der Kaffeerösterei am Viktualienmarkt schlitzte er seitlich die durchsichtige Zeltplane auf und am Nymphenburger-Sekt-Stand beschädigte er mit Gewalt das Schloss der Hintertür. Nach Polizeiangaben soll er aus dem Saft-Stand auch Gläser und Getränke gestohlen haben. Aus den Taschen des wohnsitzlosen, schon lange polizeibekannten Türken förderten die Polizisten ein Messer und Aufbruchswerkzeuge zutage.

Die Kaffeerösterei.

Die Standlchefs nahmen den Schaden mit Gelassenheit: „Irgendwie traurig sowas“, meint Antonino Triolo (51), Betriebsleiter der Kaffeerösterei. Den Schlitz in der Plane hat er provisorisch geflickt, den Schaden schätzt er auf 1800 Euro. „Hier sind öfter mal Obdachlose. Die meisten sind absolut friedfertig und suchen nachts höchstens mal einen trockenen Schlafplatz.“ Auch die Nymphenburger-Sekt-Wirtin Maria Lechner muss das zerstörte Schloss austauschen lassen. Noch mehr als über derart dilettantische Einbruchsversuche ärgert sie sich über dreiste Gäste, die zum Beispiel letzte Woche ein Bild von der Wand klauten und damit das Lokal verlassen wollten. Immer mehr Betreiber schützen ihre Stände mittlerweile auch mit Überwachungskameras. 

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