Münchner Einkäufer schleppen gerne

Einzelhändler wollen keinen Lieferdienst in der Innenstadt

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Wer einkauft, will seine Ware selbst mitnehmen: Mehrere Münchner Einzelhändler in der Innenstadt bieten Lieferdienste an – doch kaum ein Kunde nutzt das Angebot. 

München - Die Münchner Einzelhändler sehen keine Notwendigkeit für einen neuen Lieferdienst in der Innenstadt - die Rathaus-Grünen hatten einen solchen nach Karlsruher Vorbild beantragt. 

In der Innenstadt bummeln und einkaufen, und sich die Tüten dann am selben Tag für ein paar Euro bequem nach Hause liefern lassen: In Karlsruhe bieten die Händler mit Unterstützung der Stadt seit vergangenem Jahr einen solchen Service an. Die Grünen hatten beantragt, auch einen Lieferdienst für den Münchner Innenstadteinzelhandel zu initiieren. Doch daraus wird nichts. Der Einzelhandelsverband City Partner sieht dafür in Absprache mit den großen Geschäften keine Notwendigkeit.

Vorbild Karlsruhe: Kosten für den Dienst übernimmt die Stadt

Unter dem pfiffigen Namen „KaLix“ („Karlsruhe liefert‘s fix“) gibt es in der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs seit Dezember 2015 einen Lieferdienst in Kooperation mit Innenstadt-Einzelhändlern. „KaLix“ wurde aufgrund von länger andauernden Baumaßnahmen in der Innenstadt eingeführt, die zu massiven Umsatzeinbußen des Einzelhandels geführt hatten. Der Service richtet sich vor allem an Besucher, die mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. 60 Geschäfte sind an „KaLix“ beteiligt. Kunden können in bis zu fünf verschiedenen Geschäften bis zu zehn Einkäufe erledigen und sich diese ab einem Einkaufwert von 10 Euro zum Preis von 2,99 Euro innerhalb des Stadtgebiets nach Hause liefern lassen. Die Kosten von rund 70.000 Euro jährlich übernimmt die Stadt, der Einzelhandel muss nichts bezahlen.

In der Testphase im ersten halben Jahr zeigte sich, dass größere Werbemaßnahmen notwendig sind, damit der Service angenommen wird, da das Angebot des Lieferservices im stationären Einzelhandel bei den Kunden kaum bekannt ist. Während größerer Werbekampagnen stieg die Nutzerzahl auf rund 30 Kunden pro Tag gegenüber drei, wenn „KaLix“ nicht beworben wurde. Der Preis für die Lieferung von anfänglich 5,99 Euro musste nach der Testphase gesenkt werden, da die Kunden in Karlsruhe nicht bereit waren, höhere Preise für eine Lieferung zu bezahlen, wenn sie persönlich im Geschäft einkauften. Nach dem Wechsel zu einem Kurierdienst, der überwiegend mit Fahrrädern ausliefert, kostet der Lieferservice inzwischen 2,99 Euro für den Kunden, die Stadt übernimmt pro Lieferung weitere 4 Euro.

Unterstützung im Kampf gegen Online-Shops

Aus Sicht der Grünen könnte ein Lieferdienst nach Karlsruher Vorbild den Münchner Einzelhandel im Kampf gegen die Online-Konkurrenz unterstützen. Außerdem würden dadurch auch Menschen ohne Auto in die Innenstadt zum Shoppen fahren. Im April stellten sie einen entsprechenden Antrag.

Das Referat für Arbeit und Wirtschaft bat daraufhin den Münchner Einzelhandelsverband City Partner, die Sinnhaftigkeit eines zu „KaLix“ vergleichbaren Angebots in München zu beurteilen. Der Verein berichtete, dass bereits heute zahlreiche Unternehmen in der Münchner Innenstadt das Serviceangebot eines Lieferdienstes anbieten. Dazu zählen Galeria Kaufhof am Marienplatz, Ludwig Beck oder Konen. Zum Teil ist die Lieferung bei einem Mindesteinkaufswert innerhalb des Stadtgebiets kostenfrei.

Nach Aussage von City Partner werden die Lieferservices Münchner Geschäfte nur relativ selten in Anspruch genommen. Die Kunden wollen ihre Einkäufe lieber gleich mitnehmen. Die Münchner Innenstadthändler haben deshalb kein Interesse an einem durch die Stadt geförderten Lieferdienst. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft hat von der Idee inzwischen Abstand genommen und dem Stadtrat empfohlen, keinen Lieferservice zu installieren. Nächsten Dienstag wird der Stadtrat darüber befinden. 

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