Platz für 1200 Menschen auf sechs Etagen

Geheimes München: Einblicke in den Bunker an der Blumenstraße

Bunker Bluemnstraße
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Der Bunkerboss: Karlheinz Kümmel vor dem 1941 errichteten Schutzturm an der Schrannenhalle.
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Karlheinz Kümmel öffnet die Tür zum Bunker an der Schranne und gewährt der tz Einblicke in den Koloss.
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14 Meter hoch, sechs ­Geschosse. Die Wände sind 1,30 Meter dick.
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So sieht der Bunker in der Blumenstraße von innen aus.
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So sieht der Bunker in der Blumenstraße von innen aus.
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So sieht der Bunker in der Blumenstraße von innen aus.
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Im Inneren hat Kümmel Ausstellungsstücke arrangiert.
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Es sind Teile einer Wohnungseinrichtung aus den Kriegsjahren bis 1945.

München - Die tz stellt in dieser Serie die Flecken Münchens vor, die normalerweise der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Wir blicken hinter die Kulissen. Heute: Der Bunker an der Blumenstraße.

Kahle Wände, niedrige Decken, Neonlicht. 40 Zentimeter dicke Stahltüren. Gemütlich ist er nicht, der Bunker an der Blumenstraße. Und das muss er auch nicht sein: 1941 ist der Bau hinter der Schranne in der Form eines Wehrturms errichtet worden – zum Schutz der Bürger vor Luftangriffen. Und er wurde gebraucht. 1200 Menschen fanden in sechs Stockwerken Platz, verteilt auf 14 Meter Höhe, als die Bomben fielen. Bis vor Kurzem war das Gebäude als Unterschlupf für den Verteidigungsfall, für Naturkatastrophen und Großschadensfälle wie Gefahrstoffaustritte vorgesehen – für 750 Menschen! Die Außenmauern sind 1,30 Meter dick, die Decke des Turms besteht aus einer zwei Meter breiten Betonschicht.

Die Geschichte des Bunkers ist also klar, die Zukunft nicht. Denn Ende des Jahres ist die sogenannte Zivilschutzbindung ausgelaufen. Das heißt: Der Bunker wird nicht mehr als Schutzraum gebraucht und würde künftig leerstehen. Denn bisher gibt es keinen Plan für den Bunker – zumindest nicht bei der Stadt. Karlheinz Kümmel hätte einen!

Der 78-Jährige betreibt das LAK Luftschutzarchiv. Nur zwei-, dreimal im Jahr sperrt er den Bunker auf und lässt Besucher rein. Am Tag des offenen Denkmals zum Beispiel. Oder auf spezielle Anfragen von Schulklassen. Auch Polizei und Feuerwehr haben schon exklusive Einblicke bekommen.

Dann schließt Karlheinz Kümmel die Stahltüren auf, dann projiziert er kalte Bilder auf die kahlen Wände. Vom Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg. München im Rauch, München in Schutt und Asche. Parallel dazu laufen Audio­aufnahmen aus dem Kriegsradio. Beklemmend.

Ideen für den Bunker gab es schon zuhauf: ein Restaurant oder Café beispielsweise. Ein Lager war angedacht. Und auch die Polizei hat für ein ­Polizeimuseum schon mal inoffiziell den Finger gehoben. Doch Kümmel hätte gerne die unteren Stockwerke für ein Luftschutzmuseum.

Unterstützt wird er dabei von der CSU. Die hatte bereits mal einen Antrag eingebracht: „Es ist vermutlich die letzte Chance, einen der gut erhaltenen Hochbunker in München für so eine Ausstellung zu nutzen und sich dabei noch des Wissens von Zeitzeugen zu bedienen.“

Denn die Bilder, die Karlheinz Kümmel an die Wand wirft, stammen aus dem Archiv des Landesamtes für Denkmalpflege und sind außer bei den Bunker-Veranstaltungen noch nie öffentlich gezeigt worden. Sie sind noch geheimer als der Bunker!

Im Kommunalreferat gibt es Überlegungen, das Gebäude selbst zu nutzen. Noch in den nächsten Wochen soll eine Entscheidung fallen. So lange muss sich Karlheinz Kümmel noch gedulden. Aber unsere Leser müssen das nicht. Wir haben exklusive Aufnahmen aus dem geheimen Archiv von Karlheinz Kümmel bekommen: München im Krieg – diese Bilder haben Sie noch nie gesehen!

Geheimes München - die tz-Serie

Teil 1: Was sich unter dem Stachus verbirgt

Teil 2: Das größte Glockenspiel Deutschlands

Teil 4: Uralte Kostbarkeiten an der Uni

Teil 5:Das Pumpenwerk unterm Hofgarten

Teil 6: Vier Verstecke unter der Stadt

Teil 7:Europas größtes Rückhaltebecken

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