Blick in die Räume unter dem Barockjuwel

Geheimes München: Rätsel um die Asam-Gruft

Asamkirche, Asam-Gruft
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München - Die tz stellt in dieser Serie die Flecken Münchens vor, die normalerweise der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Wir blicken hinter die Kulissen. Heute: Die Asam-Gruft.

Gleich neben der Sendlinger Straße mit ihren Tausenden Passanten am Tag gibt es einen Ort der (ewigen) Ruhe. Unter der Asamkirche befindet sich die Gruft der Brüder Asam. Ein rätselhafter Ort, denn es gibt viele Fragen. Es ist unklar, ob die Krypta als solche gedacht war, es gibt keine Pläne oder Skizzen. Und fertiggestellt wurde sie auch nicht. Es ist das unvollendete Grab!

Die Barock-Giganten Cosmas Damian Asam (1686–1739) und Egid Quirin Asam (1692–1750) waren als Bildhauer, Stuckateure, Maler und Architekten tätig. Sie wirkten vorwiegend in Süddeutschland. Egid Quirin Asam ließ seine Hauskirche – eben die Asamkirche – bauen und auch die Gebäude links und rechts davon. Das eine war ein Wohnhaus, das andere ein Ort für Priester. „Asam hat auch für die Seelsorge in der Kirche gesorgt“, sagt der Hauptabteilungsleiter Kunst im Ordinariat, Norbert Jocher.

Manche der Seelsorger sind in der Gruft begraben – aber nicht die Brüder Asam. „Es ist schon faszinierend, dass man zu Lebzeiten eine Idee entwickelt, wie und wo man begraben werden wollte“, sagt Jocher. Doch bei den Künstler-Brüdern kam es nicht so weit: Sie starben außerhalb Münchens – bevor Egid Quirin Asam die Krypta fertigstellen konnte. Lediglich zwei Familienmitglieder haben dort ihre letzte Ruhe gefunden. „Die Gruft ist schon gut erforscht, aber es gibt wahnsinnig viele offene Fragen“, sagt Jocher. Unklar ist, ob sie als Heilig-Grab-Gruft gedacht war. „Es gibt Quellen, die sagen, das Grab Christi sei für oben in der Kirche geplant gewesen.“

Doch es gibt auch andere Quellen. „Traditionell hat man sich immer gerne in der Nähe des Heiligtums begraben lassen. Von der Idee her war das eine thematische Linie: Leben, Tod und Auferstehung mit dem Hochaltar, der Reliquie von Johann Nepomuk gleich darüber und dem Auszug aus der Dreifaltigkeit.“

Ein weiteres Rätsel ist die Gestaltung: An den Wänden gibt es Kohlezeichnungen – als Anlage für eine Ausführung in Stuck. Eine andere Zeichnung zeigt, wie sich Asam wohl den Altarraum in der Gruft vorgestellt hat, wie die Kulisse aussehen soll.

Auch ist offen, welche Ausstattung bereits da war – oder noch vorgesehen. „Wir haben hier eine Rumpelkammer vorgefunden, es gab aber nie Pläne oder Skizzen“, sagt Jocher. Die Krypta ist wohl in den 1730er-, 1740er-Jahren entstanden. Und sie wurde nie restauriert. Hier schlummern Hunderte Jahre Geschichte.

Jocher: „Wir haben nur aufgeräumt und die Räume hergerichtet.“ Ansonsten sei alles so geblieben, lediglich Sicherungen seien angebracht worden, damit nichts kaputt geht. „Für Kunsthistoriker ist dieser Raum von eminenter Bedeutung. Sie haben keine einzige Stelle, wo die Asams authentischer zu erfahren sind als hier“, sagt Jocher. „Man sieht den Herstellungsprozess, wie der Künstler gearbeitet hat.“

Die Gruft wird tatsächlich geöffnet, in der Karwoche kann man sie sich ansehen. Auch wenn das mittlerweile problematisch ist. Denn die Schwestern, die sich um das Grab gekümmert haben, sind abberufen worden. „Es ist alles schwierig geworden“, sagt Jocher. „Die Damen werden nicht jünger, und der Nachwuchs kommt auch nicht in Strömen.“

Letzteres könnte sich schon ändern, findet Jocher. Sonst aber nichts. Das Grab soll unvollendet bleiben. „Es wäre eine Todsünde, wenn man das fertigstellen würde. Damit würde die besonders kostbare Authentizität verloren gehen.“ Und das kann niemand wollen.

Geheimes München - die tz-Serie

Teil 1: Was sich unter dem Stachus verbirgt

Teil 2: Das größte Glockenspiel Deutschlands

Teil 3: Der Bunker an der Blumenstraße

Teil 4: Uralte Kostbarkeiten unter der Uni

Teil 5: Das Pumpenwerk unterm Hofgarten

Teil 6: Vier Verstecke unter der Stadt

Teil 7: Europas größtes Regenrückhaltebecken

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