Rätsel in den Ruinen

Geheimes München: Das Pumpenwerk unterm Hofgarten

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In diesen Räumen hingen offenbar einst die Wasserräder.

München - Die tz stellt in dieser Serie die Flecken Münchens vor, die normalerweise der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Wir blicken hinter die Kulissen. Heute: Das Pumpenwerk unterm Hofgarten.

Der Hofgarten ist ein beliebtes Ausflugsziel für Münchner und Touristen. Ein Picknick unter den Bäumen, ein gutes Buch auf einer Bank - oder einfach Sonne tanken und den Springbrunnen lauschen. Was aber kaum jemand weiß: Das Wasser dieser Brunnen kommt von einem eigenen Pumpwerk mehrere Meter unter der Erde! Das Werk und der Trinkwasserbrunnen stammen aus dem 16. Jahrhundert! Und es ist nur einem Streit zu verdanken, dass es heute noch steht!  Norbert Achatz vom Staatlichen Bauamt zeigt der tz das historische Werk und verrät, welches Fundstück heute noch Rätsel aufgibt.

Anlass für das alles war eine Frau: Herzog Albrecht V. lässt 1565 auf dem heutigen Gelände der Bayerischen Staatskanzlei einen Lustgarten für seine Gemahlin Anna anlegen - mit einem langen Arkadengang nach Norden und dem Pumpwerk für die zahlreichen Brunnen im Westen dieser Säulen.

Immer mal wieder wurde über die Jahre etwas verändert, so etwa zwischen 1613 und 1617. Maximilian I. ordnete Residenz und Umfeld neu an: der Hofgarten entstand. Im 19. Jahrhundert errichtete dann der Kunstverein sein Anwesen über dem Brunnwerk. Die alten Mauern am Übergang zur Staatskanzlei erinnern noch heute an das alte Haus.

Zufluss vom Schwabinger Bach durch Altstadtring unterbrochen

Die Räder des Pumpenwerks unterm Hofgarten.

Das Brunnwerk selbst lief zunächst bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Trinkwasserförderung hatte die Stadt bereits 1904 eingestellt, da man das aus dem Mangfallgebiet bezog. 1968 war aber auch für die Pumpen Schluss: Durch den Bau des Altstadtrings war der Zufluss vom Schwabinger Bach unterbrochen. "Man hat allerdings die Maschinen behalten, da es für Schrott damals kein Geld gab", sagt Norbert Achatz. Und das war ein Glück, denn so blieben das Werk erhalten.

Sein Überleben hat es aber noch einem Streit zu verdanken: Die ursprünglichen Pläne für den Neubau der Staatskanzlei sahen nämlich ein hufeisenförmiges Gebäude vor. Da hätte das Brunnwerk weichen müssen. Der Stadt als Planerin war das aber zu mächtig. Mitte der 80er ging es sogar vor Gericht - mit Erfolg aus Sicht des Rathauses. Die Staatskanzlei musste sich auf das heutige Bauwerk beschränken. Und darüber hinaus fiel Anfang der 90er-Jahre auch die Entscheidung, das Brunnwerk wieder zu betreiben.

Das Bauamt befreite das Gebäude zunächst von Schutt und Geröll - dort stieß man aber auch auf Merkwürdiges! Ein steinerner Zylinder, der scheinbar keine Funktion hat. "Wir rätseln bis heute, was das sein könnte", sagt Achatz. Dann wurden die Maschinen zerlegt. Die Arbeiter richteten die Einzelteile wieder her und setzten sie neu zusammen. Aus Gründen des Denkmalschutzes unterließen es die Fachleute aber, technische Veränderungen vorzunehmen. So kann man sagen: Heute wird dort noch genauso gepumpt wie vor 100 Jahren.

Wasser stammt aus dem Westlichen Stadtgrabenbach

Das Wasser für den Antrieb der Laufräder stammt aus dem Westlichen Stadtgrabenbach. Der wird abgezweigt, mit 800 Litern pro Sekunde donnert er in das Pumpenhaus und treibt jeweils eine von zwei Girard-Turbinen aus dem 19. Jahrhundert an. Die liefern jede für sich rund 5,5 PS Leistung bei Drehzahlen von 25 bis 38 pro Minute. Anschließend läuft das kühle Nass wieder in den Stadtbach.

Die Räder wiederum setzen die Pumpen in Betrieb - die können pro Minute zwischen 400 und 600 Liter nach oben befördern: aus dem Trinkwasserbrunnen aus dem 16. Jahrhundert in die vier Schalen-, die Wandbrunnen im Dianatempel und den Loreleybrunnen.

Übrigens: Das Pumpenwerk können sich Besucher - zwar nur durch Gitter - aber durchaus anschauen. Von Mai bis Oktober zwischen 10 und 14 Uhr. Allerdings weiß das kaum einer. Denn viele kommen zwar in den Hofgarten - aber meist nur zum Picknicken, Bücher lesen oder Sonne tanken.

Geheimes München - die tz-Serie

Teil 1: Was sich unter dem Stachus verbirgt

Teil 2: Das größte Glockenspiel Deutschlands

Teil 3: Der Bunker an der Blumenstraße

Teil 4: Uralte Kostbarkeiten unter der Uni

S. Karowski

Sascha Karowski

Sascha Karowski

E-Mail:sascha.karowski@tz.de

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