Alte Hütte bekommt neue Heimat

Die Höllentalangerhütte steht jetzt auf der Praterinsel

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Friederike Kaiser vom Deutschen Alpenverein freut sich über die historische Berghütte.

München - Balken für Balken hat der Deutsche Alpenverein (DAV) die historische Höllentalangerhütte aus dem Wettersteingebirge wieder aufgebaut – mitten in München, auf der Praterinsel. Am Donnerstag war Richtfest. Das geschichtsträchtige Hütterl soll Teil einer Ausstellung werden.

Im Garten des Alpinen Museums sehen die Felsen wie Fremdkörper aus. Sind sie auch. Ursrpünglich stammt das Gestein aus luftigen Höhen, es gehörte früher zum sogenannten Jubiläumsgrat. „Das ist ein ganz schmaler Grat zwischen Alpspitze und Zugspitze, nur für erfahrene Bergsteiger und Alpinisten zu begehen“, sagt Friederike Kaiser vom DAV. Der Verein hat sich das Gebirge buchstäblich in die Stadt geholt. Heuer weisen die Steine, wie einst im Gebirge, wieder den Weg zur Höllentalangerhütte. Nur, dass diese nicht mehr im Wettersteingebirge, sondern auf dem Museumsgelände der Praterinsel steht. „Wir haben versucht, den Weg mit den Felsen nachzubauen.“

Auch an der Blockhütte selbst ist alles noch im Originalzustand. Wie berichtet, musste sie 2013 aus Brandschutzgründen einem Neubau weichen. Mitarbeiter der Vermesserfirma Anton Singer erfassten und nummerierten daraufhin jedes einzelne Bauteil, bevor sie es einlagerten. „Die Zimmerleute sagen, der Wiederaufbau sei ein bisschen wie ein Puzzlespiel gewesen“, so Kaiser. Kein Wunder – laut DAV handelt es sich um mehr als 1000 Elemente. Die Neueröffnung der nun existierenden Hütte im Wettersteingebirge fand vor knapp einem Jahr statt.

Für den Alpenverein ist die Hütte ein wichtiges Stück Geschichte „1893 ist sie gebaut worden. Damals wurde sie vom DAV eingerichtet, damit man den Anstieg übers Höllental auf die Zugspitze nicht an einem einzigen Tag machen muss.“ Stattdessen habe man dort eine Nacht lang Rast machen und die verbleibenden etwa 1600 Höhenmeter zur Zugspitze am nächsten Tag zurücklegen können. „Im hinteren Bereich war ein großes Lager mit acht Schlafplätzen, davor eine umlaufende Bank, in der Mitte ein Kochherd. Mehr nicht.“

Derzeit ist die museale Höllentalangerhütte innen leer. Das soll sich ändern, wenn sie später Kernstrück einer Ausstellung des Alpinen Museums wird. „Im Herbst machen wir die Konzeption für die Ausstellung, ab März 2017 wird die Hütte für Besucher zugänglich sein“, verrät Kaiser.

Dann soll das Hütterl für die Museumsgäste ein Stück Geschichte zum Anfassen werden. „Wir haben die Pläne von 1893, in denen auch die Einrichtung sehr detailliert beschrieben wird. Es gibt auch Schilderungen aus der Zeit, und ein Foto von 1910. Auf diesen Grundlagen rekonstruieren wir alles.“

Obwohl der Wiederaufbau weitgehend nach Plan verlaufen sei, gebe es bei so einem alten Gebäude immer auch Unvorhergesehenes. „Bei der Treppe, die ins Obergeschoss führt, haben wir erst diese Woche gemerkt, dass sie viel zu kurz ist.“ Tatsächlich reicht deren Fuß nicht bis zum Boden. Die Erklärung: Am Ursprungsort steigt das Gelände an. „Mal sehen, wie wir das lösen“, sagt Friederike Kaiser. Vielleicht legen wir da einfach einen Felsen drunter.“

Auch auf dem Dach gibt es Abweichungen vom Urbau. „Wir haben das Dach mit Lerchenholzschindeln neu gedeckt“, erklärt Kaiser. „Das ist eines der widerstandsfähigsten heimischen Materialien. Die werden dreilagig übereinandergeschichtet und jeweils von Hand genagelt.“ Nur ein schmaler Streifen bestehe noch aus den Originalschindeln von 1893. Das Problem: „Die haben damals gespart und Fichtenholz benutzt.“ Schon zehn Jahre später, also 1903, sei dieses in so einem schlechten Zustand gewesen, dass man auf ein Blechdach umsattelte. „Man hat aber die Schindeln nicht abgenommen, sondern das Blechdach einfach darübergelegt. Deshalb haben wir noch die Originalschindeln von damals.“

In den Balken hätten auch noch die originalen Nägel gesteckt. „Damit gehe ich zum Denkmalamt, die sollen mir sagen, ob sie wirklich vom Urbau von 1893 sind oder ob die später reingeschlagen wurden“, sagt Kaiser. Die Zimmerer seien sich hier uneins. Über das Richtfest freut sie sich: „Die Vermesserfirma hat uns zehn Tragl Bier gespendet. Die haben nämlich gewettet, dass die Höllentalangerhütte nie wieder aufgebaut wird.“ Zum Glück für den Alpenverein wurde diese Wette gewonnen.

Marian Meidel

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