Am Viktualienmarkt

Juwelier überfallen: Zwei von drei Tätern auf der Flucht

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Der Tatort: Ein Großaufgebot der Polizei sperrte die "Goldstube" an der Westenriederstraße ab.

München - Ein Goldgeschäft am Viktualienmarkt ist am Freitagmittag zum zweiten Mal in nur eineinhalb Jahren überfallen worden. Mit einer Waffe stürmten drei Räuber das Geschäft. Der Ladeninhaber konnte die Täter in die Flucht schlagen. Zeugen überwältigten einen der Männer. Zwei Räubern gelang die Flucht

Update vom 31. Januar: Mittlerweile wurde auch der zweite Täter von der Polizei geschnappt

Das Fluchtauto der Räuber wird derzeit von der Spurensicherung untersucht.

Zersplittertes Glas liegt am Freitagmittag im Eingangsbereich des Juweliers „Goldstube“ an der Westenriederstraße. Ein Großaufgebot an Polizisten steht vor dem Geschäft. Straße und Gehweg sind abgesperrt. Kurz zuvor, gegen 12 Uhr mittags, haben drei Räuber mit Waffe das Geschäft gestürmt – vor den Augen zahlreicher Besucher des Viktualienmarktes. Die Täter bedrohten den Ladeninhaber Marco H. (50), seinen Sohn Moritz (22), dessen Lebensgefährtin und eine Angestellte. Einer der Täter warf eine Axt in die Vitrine und stieg über den Tresen.

Von dem brutalen Auftreten ließen sich die Geschäftsinhaber nicht einschüchtern. Die Angestellte drückte sofort den Alarmknopf im Laden und verständigte damit die Polizei. Marco H. und Moritz H. rangelten mit den Tätern. Dann griff der 50-Jährige zur Gaspistole und schoss.

Die Pistole hatte sich der Ladeninhaber nach dem letzten brutalen Raubüberfall am 23. Juni 2014 zugelegt. Denn bereits vor eineinhalb Jahren war der Juwelier in der Innenstadt das Ziel von Räubern gewesen. Damals waren zwei Männer mit Schusswaffe und Vorschlaghammer in das Geschäft gestürmt. Bereits bei dem ersten Überfall wehrten sich Vater und Sohn und konnten die Täter entwaffnen. Damals wurde Marco H. verletzt. Einer der Täter hatte ihm mit dem Vorschlaghammer in den Rücken geschlagen. Sohn Moritz setzte einen der Täter (36) vor dem Laden außer Gefecht. Er warf dem Täter den Hammer ins Kreuz. Der zweite Täter flüchtete damals auf einem Motorroller.

Er verfolgte einen der Täter: Manfred W. (68). 

An diesem Freitagmittag ergreifen die drei Täter die Flucht. Verletzt wird diesmal niemand im Geschäft. Der Räuber mit der Pistole rennt die Westenriederstraße hinauf zur Frauenstraße. Auf dem Weg wirft er seine Waffe weg. Dann läuft er weiter Richtung Isartor. Die Flucht der Räuber am Viktualienmarkt bemerken zahlreiche Zeugen, die ihre Mittagspause draußen in der Sonne verbringen. Drei Männer verfolgen den Täter, der zur Frauenstraße läuft. Einem der mutigen Passanten sprüht der Flüchtende Pfefferspray ins Gesicht. „Ich bin grad mit dem Auto vorbeigekommen“, schildert Manfred W. (68) die Situation der tz. Er sieht die Verfolgungsjagd. „Ich bin hinterher. Gemeinsam haben wir den Mann auf dem Gehweg überwältigt.“ Sekunden später sind bereits vier Polizisten der Altstadtwache an der Frauenstraße. Sie nehmen den Mann fest. Die Pistole, die der Räuber weggeworfen hat, finden die Beamten an der Westenriederstraße.

Den beiden Komplizen des 34-Jährigen gelingt es, zu flüchten. Spürhunde der Polizei nehmen ihre Fährte auf. An der Reichenbachbrücke verliert sich allerdings ihre Spur. Bis Redaktionsschluss dieser Zeitung sind die beiden Täter noch auf der Flucht.

Die drei Räuber haben offenbar geplant, mit einem weißen Mercedes zu fliehen. Das Auto hatten die Männer gestohlen, als Zündschlüssel diente wohl ein Schraubenschlüssel. Kurz nach dem Überfall steht der Mercedes an der Westenriederstraße unweit des Juweliers „Goldstube“ – mit laufendem Motor.

Anders als bei dem Überfall vor eineinhalb Jahren gehen die Täter am Freitag leer aus. 2014 hatte einer der Räuber Uhren im Wert von 57 000 Euro eingesackt. Dem gefassten Täter wurde mittlerweile der Prozess gemacht. Über seinen Komplizen verlor der verschuldete Wechselstubenbesitzer seinerzeit kein Wort – angeblich aus Angst vor Rache.

Ob der 34-Jährige, den die Polizei am Freitag festgenommen hat, in Untersuchungshaft geht, wird am Wochenende ein Ermittlungsrichter entscheiden.

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