St. Lukas an der Isar

Lehel: Im Glockenturm wohnen bald Bienenvölker

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Zwei Bienenvölker für eine Kirche: Ab Mitte April wird die Stadtimkerin Kirsten Bauer die Insekten im Turm von St. Lukas im Lehel betreuen.

München -  Bienen gibt es auch in der Großstadt und Stadtimkern liegt im Trend. Eine Imkerin ist Kirstin Bauer. Ab Mitte April wird sie zwei Bienenvölker im Glockenturm der Lukaskirche betreuen.

Der Schnee im Englischen Garten ist längst geschmolzen. In den Isarauen blühen die ersten Krokusse. Die ersten Bienen fliegen. Und ab Mitte April summt es auch auf dem Dach der Lukaskirche im Lehel: Die Stadtimkerin Kirstin Bauer wird zwei Bienenstöcke im Glockenturm aufstellen.

In dem gesperrten Turm von St. Lukas an der Isar haben die Bienen ihre Ruhe.

Stadtimkern liegt seit ein paar Jahren im Trend. Bienenstöcke stehen in München unter anderem auf dem Dach der Neuen Pinakothek und auf dem Dach des Gasteigs. Im vergangenen Jahr zog ein Bienenvolk in den Garten des Maximilianeums ein. Auch die katholische St. Maximilianskirche beherbergt mehrere Bienenstöcke. Mit St. Lukas bekommt nun die erste evangelische Kirche der Stadt zwei Bienenvölker. Aber auch in anderen Großstädten wie Berlin oder Hamburg gibt es Stadtimker.

Bienenstöcke in der Stadt – das klingt ungewöhnlich. Oftmals werde aber übersehen, wie grün es in der Stadt wirklich ist, sagt Kirstin Bauer. Gerade in München gebe es viele Grünflächen. „Die Leute haben ihre Balkone üppig bepflanzt, es gibt einen sehr schönen alten Baumbestand“, sagt die Imkerin und fügt hinzu: „Gerade die Monokultur auf dem Land ist für Bienen schädlich.“ Das bedrohe die Existenz der Bienen. In der Stadt fänden die fleißigen Honigproduzenten oftmals noch mehr Nahrung als auf dem Land.

Vor einem Jahr hat die OP-Schwester mit dem Imkern begonnen. Sie hat einen sechsmonatigen Imkerkurs besucht. Dabei hat sie das Verhalten der Bienen studiert und alles über den Umgang mit den kleinen Tieren gelernt. Sie ist begeistert und fasziniert davon, wie sich Bienenvölker organisieren, wie exakt die Tiere ihre Waben bauen. „Bienen sind unglaublich nützlich, sie bestäuben 80 Prozent der Nutzpflanzen“, sagt sie. „Ohne Bienen kann der Mensch schwer überleben.“

Kirstin Bauer hat bereits zwei Bienenvölker in einem Schrebergarten im Münchner Westend. „Nach dem Winter sind es drei- bis fünftausend Bienen pro Volk“, sagt die 45-jährige Imkerin. Nach der Brutzeit zählt ein Volk im Sommer dann bis zu 50.000 Bienen. Bauer holt ihr Smartphone aus der Tasche. Stolz zeigt sie Nahaufnahmen von ihren Bienen und erzählt davon, dass Bienen einen Flugradius von drei Kilometern haben.

Es sei schon etwas Mut nötig fürs Imkern, räumt Kirstin Bauer ein. Sie berichtet davon, dass sie als Imkerin immer wieder auch mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Etwa, dass Bienen angriffslustig seien. Dem widerspricht sie entschieden. Für sie sind die Bienen ihre Haustiere.

„Bienen sind relativ pflegeleicht“, sagt sie. Wichtig sei allerdings, dass die Bienen einen ruhigen Zugang zu ihrem Stock haben. Der Kirchturm ist hierfür ideal. Auf halber Höhe, im Freien unter dem Einstieg zum Glockenturm, kommt gewöhnlich niemand vorbei. Der Zugang zum Turm ist gesperrt, die Bienen haben ihre Ruhe. Nur Kirstin Bauer kommt dann und wann vorbei und schaut nach ihnen. Die Imkerin freut sich darauf, im Spätsommer den ersten Honig zu schleudern. Pro Volk rechnet sie mit 25 Kilogramm.

Nicht nur auf St. Lukas wohnen Bienen. Auch auf dem Polizeipräsidium in der Ettstraße summt es. Dort begannen einige Beamte schon im vergangenen Jahr mit der Stadtimkerei.

Barbara Schneider

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