Kunterbunte Kundgebung am Stachus

Kette gegen Gewalt: Münchner erklären - darum demonstrieren wir

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Am Stachus sprach Claudia Roth zu den Münchnern.

München - Über 6000 Münchner bildeten am Stachus eine Menschenkette gegen Gewalt. Damit wollen sie gleich in mehrfacher Hinsicht ein Zeichen setzen.

Auf Häuserwände gesprayte Hasstiraden, brennende Asylbewerberheime und öffentliche Anfeindungen von Homosexuellen, die in Orlando jüngst sogar in einer Bluttat mit 49 Toten und 53 Verletzten gipfelten: Wir leben in einer Zeit, in der die Welt am laufenden Band von schrecklichen Bildern in Atem gehalten wird.

Von Bildern, die lediglich aus zwei Farbtöpfen zu entstehen scheinen: aus schwarzen und weißen. Und weil das nicht nur ziemlich trist, sondern auch unheimlich traurig ist, haben sich am Sonntagnachmittag über 6000 Münchner am Stachus versammelt. Zu einer Menschenkette gegen Gewalt. Sie wollten die Stadt mit ihren knallbunten Regenschirmen zum Leuchten bringen. Und ein Zeichen setzen. Gegen Rassismus und für ein respektvolles Miteinander.

„Heute ist der Tag der Menschenrechte, der Solidarität und des humanitären Schutzes. Ich freue mich sehr, dass so viele Leute gekommen sind“, so Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (61, Grüne).

Die kunterbunte Kundgebung eröffnete die Band „Young Chinese Dogs“. Dann fassten sich die Demonstranten an den Händen, bildeten eine drei Kilometer lange Menschenkette und bewiesen eindrucksvoll, dass München nach wie vor eine Weltstadt ist. Eine Weltstadt mit Herz.

Wir haben uns bei den Teilnehmern der Kette umgehört:

"In meiner Vorstellung gibt es keine Nationalstaaten mehr. Wir brauchen ein föderalistisch organisiertes Europa mit vielen kleinen Regionen, die ihre Eigenheiten behalten und ausleben können." Hans Christian Ohl (53), Künstler aus Pfaffenhofen

"Ich würde mir wünschen, dass sich die Menschen für ein gemeinsames Zusammenleben, für Liebe und Mitgefühl einsetzen. Hass und Angst sollten in Zukunft nicht siegen." Qing Lac (17), Zen-Mönch aus Pfaffenhofen

"Leute wegen ihrer Herkunft oder ihres Aussehens zu verurteilen, ist unnötig. Und außerdem: absolut sinnlos! Ich möchte mich aktiv gegen Rassismus und Vorurteile jeglicher Art einsetzen. Deshalb bin ich heute auch hier." Christina Mock (17), Schülerin aus München

"Es ist unsere Pflicht, den Geflohenen zu helfen. Ich glaube, dass niemand aus Spaß seine Existenz aufgibt. Das müssen wir endlich einsehen. Ich bin hier, um mich für ein offenes und respektvolles Miteinander einzusetzen." Veronika Mock (17), Schülerin aus München

"Ich bin hergekommen, um ein Zeichen zu setzen: Für Gleichberechtigung und ein buntes München. Außerdem erhoffe ich mir, dass die Menschen endlich damit anfangen, umzudenken. Wir sind schließlich alle aus dem gleichen Holz geschnitzt." Alexander Irlbacher (17), Schüler aus München

"Eine Stadt voller Vielfalt – dafür möchte ich mich einsetzen. Vorurteile sind mir völlig fremd. Ich finde es gut, dass alle Menschen unterschiedlich sind. Nur so können wir voneinander lernen." Susi Strauß (30), Meteorologin aus München

Sarah Brenner

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