„Reichsbürger“ schoss auf SEK-Beamten

Letzte Ehre für getöteten Polizisten

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Moment des Gedenkens auf dem Odeonsplatz.

München - Am Samstagnachmittag gedachten Münchens Polizeibeamte ihrem bei einem SEK-Einsatz getöteten Kollegen. Ein selbsternannter „Reichsbürger“ hatte bei der Erstürmung seiner Wohnung das Feuer eröffnet.

Mitten im Samstagsverkehr an einem der belebtesten Orte Münchens war der Odeonsplatz um 15 Uhr für wenige Minuten eine Insel der Trauer. Rund 50 Streifenbeamte, Hundeführer, Reiter und Zivilbeamte der Münchner Polizei schalteten ihr Blaulicht an, nahmen die Mützen ab und senkten die Köpfe. Passanten stellten sich spontan dazu. Auch die Geistlichkeit – Weihbischof Wolfgang Bischof und der Polizeidekan, Monsignore Andreas Simbeck – sprach ein stilles Gebet. In ganz Deutschland trauerten Polizisten zu dieser Stunde mit der Familie und den Freunden des im Dienst ermordeten Polizeihauptmeisters Daniel Ernst (32) vom SEK Nordbayern. Er war am 19. Oktober von dem schwerst bewaffneten, selbsternannten Reichsbürger Wolfgang P. (49) im mittelfränkischen Georgensmünd erschossen worden. Die SEK-Einheit stürmte Wolfgang P.’s Wohnung, der schoss sofort.

Zwei Kugeln trafen Daniel Ernst knapp neben der Schutzweste in Oberkörper und Helm. Auch ein Kollege wurde verletzt. Am Morgen des 20. Oktober schloss Daniel Ernst für immer die Augen.

In der Nürnberger Lorenzkirche sprach Polizeidirektor Holger Stein den dort versammelten Kollegen aus der Seele, als er sagte: „Im Team bleibt ein Stammplatz leer.“ Und auch Polizeipräsident Johann Rast rang um Fassung: „Es trifft uns hart.“ Tief betroffen bezeichnete der bayerische Innenminister Joachim Herrmann die Schüsse als „Angriff auf unsere Werte, den Rechtsstaat, uns alle“.

Vor der Kirche verfolgten rund 200 Nürnberger den Gottesdienst von Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern und Polizeibischof Bernhard Haßlberger. Täter Wolfgang P. sitzt wegen Mordes in U-Haft.

Dorita Plange

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