Pilotversuch Fußgängerzone

Anwohner und Geschäftsleute: Die neue Sendlinger Straße spaltet

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Sendlinger Straße für ein Jahr Fußgängerzone

München - Pilotversuch Fußgängerzone in der Sendlinger Straße: BA-Chef Wolfgang Neumer spricht von vielen Beschwerden, vor Ort hört man eher Positives.

Seit Juli ist die Sendlinger Straße komplett Fußgängerzone. Nach einemeinjährigen Testversuchwill die Stadt entscheiden, ob Autos dauerhaft draußen bleiben müssen. Viele Händler äußern sich zufrieden mit der neuen Flaniermeile. Aber es gebe auch Unzufriedene, sagt Wolfgang Neumer (CSU), Vorsitzender des Bezirksausschusses Altstadt.

Geschäftsleute und Bürger hätten sich reihenweise bei ihm beschwert, sagt Neumer. „Acht Laden-Inhaber haben sich gemeldet und von Umsatzeinbußen berichtet.“ Zwar flanieren eher mehr Menschen in der Sendlinger Straße wie noch zu Auto-Zeiten. „Allerdings gehen die Leute jetzt mitten auf der Straße. Dadurch sinkt der Publikumsverkehr in den Geschäften“, sagt Neumer. Auch viele Bürger seien unzufrieden. 50 Mails von verärgerten Anwohnern habe er seit Juli bekommen, berichtet der BA-Chef. Sein Resümee: „Die Nachteile der Fußgängerzone überwiegen.“

Im Januar gibt es eine Bürgerversammlung zum Thema

Im Oktober wird sich der Bezirksausschuss treffen und über den Testversuch beraten. „Im Januar wird es eine Bürgerversammlung geben. Das könnte heftig werden“, glaubt Neumer. Sollte sich die Stimmung unter Anwohnern und Geschäftsleuten nicht verbessern, werde er dafür werben, die Fußgängerzone nach dem einjährigen Pilotversuch abzuschaffen.

Hört man sich direkt bei den Geschäftsleuten um, ist von Neumers harscher Kritik nicht all zu viel zu spüren. Stephan Lindner, Geschäftsführer von Juwelier Fridrich zum Beispiel findet es noch zu früh für ein Fazit. Das Bild sei noch recht diffus. „Die Straße wird von den Fußgängern noch nicht richtig angenommen, solange die Bordsteine da sind.“ Das werde sich wohl erst ändern, wenn Straße und Bordstein gepflastert sind. Problematisch findet Lindner die Situation für die Lieferanten. Dass nur in der Früh oder spät abends geliefert werden darf, sei vor allem für kleine Geschäfte mit wenig Personal schwierig. Es müsse dann außerhalb der Ladenöffnungszeiten jemand da sein, um Lieferungen anzunehmen. Grundsätzlich sieht Lindner die Entwicklung aber positiv, auch wenn er steigende Ladenmieten befürchtet. „Wenn sich die Kunden länger in der Straße aufhalten, flanieren – da hat kein Händler etwas dagegen.“

Viele Händler sind vom Konzept überzeugt

Das Team von Leder Hetzenecker ist überzeugt vom Fußgängerzonenkonzept. „Ich bin begeistert“, sagt Verkäufer Tim Karab. „Hier fahren weniger Autos, die Leute kommen besser durch.“ Die Anlieferung oder Abholung von Waren sei allerdings schwieriger geworden, ergänzt seine Kollegin Helga Nagel. „Die Lieferanten müssen die Kartons palettenweise herkarren.“

Die Sendlinger Straße zur Fußgängerzone zu machen, findet auch der Geschäftsleiter von „Kare/Stierblut“ richtig. Auffällig sei, dass weniger Münchner kommen, die Möbel kaufen wollen, sagt Jami Najib. Die fürchteten, nicht nah genug am Laden parken zu können. Hier sorgt Kare für Abhilfe und schickt bei Bedarf Mitarbeiter als Träger gemeinsam mit dem Kunden zum Auto. Wegen der Anlieferungszeiten müsse der Dienstplan des Personals angepasst werden.

Eine optische Aufwertung wäre hilfreich

Für Najib spielen Optik und Atmosphäre in einer Fußgängerzone eine wichtige Rolle. Immer wieder sagten ihm aber Kunden, „dass die Straße so hässlich ist“. Deswegen hofft er, dass die Straße nach der Testphase tatsächlich gepflastert und optisch aufgewertet wird. Sein größter Wunsch? Dass der Umbau zügig abgeschlossen wird. Eine fünfjährige Baustelle vor der Türe würde gerade für kleinere Läden das Aus bedeuten.

Noch kein Urteil will Wolfgang Fischer abgeben. Der Chef des Münchner Einzelhandel-Verbands City-Partner findet, dass man erst nach einem Jahr eine Bilanz ziehen könne. Dass jetzt Geschäftsleute über Umsatzeinbußen klagten, könne auch mit dem Wetter zu tun haben. „Als die Sommerware in den Geschäften lag, war es kalt. Und als es Ende August, Anfang September heiß war in der Stadt, gab es schon viel Herbstware. Das war natürlich nicht gerade optimal für die Umsätze“, sagt Fischer. Er hofft, dass die nächsten Monate besser laufen. „Und dass uns der Wettergott hold ist.“

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