Trotz Denkmalschutz

Kaufingerstraße: Droht dem Mühlhäuser-Haus der Abriss?

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Topplage: Vorne der denkmalgeschützte Teil mit H&M, links Richtung Dom der nicht geschützte Teil des Komplexes.

München - Droht einem denkmalgeschützten Haus in der Fußgängerzone die Abrissbirne? Für den Komplex Kaufingerstraße 24 mit dem prächtigen Eckgebäude gibt es einen Antrag auf Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses. Details sind noch nicht bekannt. Die Denkmalbehörde der Stadt ist eingeschaltet.

Immer mehr Filialisten, immer weniger inhabergeführter Einzelhandel – das ist der unaufhaltsame Trend in der Fußgängerzone. Die Stadt versucht, zumindest das historisch gewachsene architektonische Gesicht im Herzen Münchens zu wahren, wenn Um- oder Neubaumaßnahmen anstehen. Aktuell bei der Alten Akademie. Der österreichische Großinvestor Signa möchte in dem ehemaligen Hettlage-Gebäude ein Zentrum für Einzelhandel und Gastronomie einrichten. Sensibel ist dabei die Gestaltung der Arkaden, die größtenteils erhalten bleiben sollen.

Auch in dem Gebäude an der Kaufingerstraße 24 ist mittlerweile ein Filialist beheimatet: Der schwedische Textilhändler H&M hat schon vor mehr als einem Jahrzehnt das Traditionshaus Mühlhäuser abgelöst. Dessen Ursprünge reichen bis ins Jahr 1911 zurück, als die Geschwister Heene in München ein Modegeschäft am Karlstor eröffneten.

Das Modehaus Mühlhäuser wurde 1933 von Philipp Heene und seiner Schwester Johanna Mühlhäuser am Färbergraben gegründet. Nach fünf Jahren der Umzug in die Kaufingerstraße, direkt am Dom. 1966 ging das Modehaus in die zweite Generation über. Harro Mühlhäuser übernahm die Geschäfte. Lange Zeit gab es hier Mode für die anspruchsvolle Münchnerin. Zum Jahrtausendwechsel zog der Laden verkleinert in die Weinstraße. Ende Januar 2015 schlossen auch hier die Türen. Ein erneuter Generationswechsel führte dazu, dass die Mühlhäusers ins Immobiliengeschäft wechselten.

Das fünfgeschossige Haus an der Kaufingerstraße wurde 1888 bis 1890 von Lorenz Wimmer erbaut. Der Eckbau mit dem markanten Erker hat eine reich gegliederte Natursteinfassade. Das Haus im Neurenaissance-Stil findet sich in der Liste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Allerdings ist nur das Eckhaus denkmalgeschützt, der hintere Teil des Gebäudekomplexes zum Liebfrauendom hin wurde später errichtet und ist es nicht. Dort prangt auf der Fassade noch heute der Schriftzug Mühlhäuser. Das Gebäude ingesamt ist nach Auskunft des Landesdenkmalamtes Bestandteil des Ensembles Altstadt München. Pläne, das Gebäude abzubrechen, lägen der Behörde bislang nicht vor, so eine Sprecherin.

Das Planungsreferat bestätigt aber, dass ein Vorbescheidsantrag vorliege, der den gesamten Komplex betreffe. In den oberen Stockwerken befinden sich Büros. Der Unteren Denmalschutzbehörde sei der Fall bekannt, das Anliegen werde geprüft. Der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel hat das Vorhaben zunächst abgelehnt und sucht nun das Gespräch mit der Lokalbaukommission.

Die Firma Mühlhäuser wollte sich auf Anfrage nicht näher äußern. Es handele sich nur um eine Bau-Voranfrage, ein Abriss sei nicht geplant, sagte ein Sprecher der Mühlhäuser Immobilien Management München GmbH. „Wir wollen nur Eckpunkte ausloten, was möglich ist. Ein reines Zukunfts-Planspiel.“

Klaus Vick

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