"Heart Number One"

Kunstinstallation: Ein Herz in Heilig Geist

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Ungewöhnlicher Anblick: Die bunte „Heart Number One“-Installation, die derzeit jeden Werktag um 20.30 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche beginnt.

München - Mit Licht-Installationen und elektronischer Musik will die Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt auch kirchenferne Menschen ansprechen.

Ungewöhnliches Duo: Pfarrer Rainer Maria Schießler und der Künstler Michael Pendry.

Ein riesiges Herz schwebt über den Kirchenbänken – fünf Meter hoch, fünf Meter breit, pochend, brennend, blutend. Seit Dienstagabend sorgt die Kunstinstallation „Heart Number One“ von Michael Pendry in der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt für Aufsehen. Tagsüber ein baugerüstartiges Gestell, erwachen die weißen Querstreben der Skulptur werktags um 20.30 Uhr zu digitalem Leben. Zu Klängen der Münchner Elektromusiker „Digital Haze“ wechselt das Riesenherz dann Farbe und Rhythmus, dampft, glüht und tropft. Zudem ist die Installation mit einem Beet verbunden, in das Besucher bereitgestellte Pflanzen einsetzen dürfen. Ganz in der Tradition der Kerzen, mit denen Kirchgänger vor Altären und Heiligenfiguren ihre Anliegen ausdrücken können.

„Das Herz ist ein ganz ursprüngliches Bild“, sagt Künstler Michael Pendry. In der Kirchenhistorie habe es immer wieder ikonografische Verwendung gefunden. „Weil es so ein einfaches, verständliches Symbol ist.“ Gerade deshalb spiele es in unserer Zeit wieder eine größere Rolle. „Ich habe nämlich noch nie erlebt, dass wir so viele Kriege haben, dass es so viel Irrsinn gibt auf dieser Welt.“

Daher das Herz. Als Rückbesinnung auf das Ursprüngliche, das wirklich Wichtige. Wenn das Objekt mit Wasser, Licht, Ton und Rauch bespielt werde, stehe dies symbolisch für die vier Elemente und die vier Himmelsrichtungen. Ursprüngliches eben.

„Der Bezug zum Jahr der Barmherzigkeit ist sicher auch kein Zufall“, sagt Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg. Am 8. Dezember 2015 habe Papst Franziskus ein „außerordentliches Heiliges Jahr“ ausgerufen, das noch bis zum 20. November andauere. „Da ist es natürlich auch reizvoll, sich mit dem Thema Barmherzigkeit auseinanderzusetzen“, so Graf zu Stolberg. „Ein Wort, das im Alltagsgebrauch nicht mehr allzu oft vorkommt.“

Für Pfarrer Rainer Maria Schießler ist das Kunstobjekt auch ein Werkzeug zur Gläubigen-Akquise. „Es gibt diesen schönen Satz: Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen“, sagt er. Die Frage sei nur, ob die Leute wirklich dorthin wollten, wohin die Kirche sie führen will. „Um ihnen das g’schmackig zu machen, sollten die Menschen nicht sofort in eine Anbetungsstunde, nicht sofort in einen Rosenkranz rein.“ Stattdessen solle man die Kirche erst einmal als Raum erleben. „Was wir jetzt machen, ist, dass wir die Leute einladen, die ursprüngliche Schönheit dieses Gebäudes mit einem Akt der Verfremdung kennenzulernen, um hier anschließend selbst heimisch zu werden.“ Denn von einer Sache ist Schießler überzeugt: „Vor dem Beten kommt das Staunen.“

Für Michael Pendry ist es bereits die dritte Installation in der Heilig-Geist-Kirche. „Sie ist aus einer Historie von Installationen, die ich in Kirchenräumen gemacht habe, gewachsen“, so Pendry. Es sei aber auch ein Auftakt, der Beginn einer Serie von Kunstobjekten. „Zum Beispiel plane ich gerade, im öffentlichen Raum eine große Brunnenskulptur zu machen, bei der ein Wasserfall runterkommt.“ In der Kirche habe der Titel „Heart Number One“ aber nochmal eine andere Symbolik, spiele er auf das Thema Barmherzigkeit an. Wo „Heart Number Two“ einmal zu bewundern sein wird, weiß Pendry aktuell noch nicht. „Heart Number One“ ist bis zum 24. Juli in der Heilig-Geist-Kirche zu sehen.

Marian Meidel

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